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Reisen

Die Schamanen des Amazonas verhindern, dass der Himmel herunterfällt

Warum werden sie also von illegalen Goldgräbern aus Helikoptern heraus erschoßen?

von Joanna Eede
07 September 2012, 8:00am

Letzte Woche wurde bekannt, dass illegale Goldgräber schon im Juli offenbar fast ein ganzes Dorf des indigenen Stammes der Yanomami im Süden Venezuelas ausgerottet haben. Berichten zufolge geschah dies durch Handfeuerwaffen und Sprengstoff. Nur drei der Yanomami-Dorfbewohner überlebten—die Männer waren zum Zeitpunkt des Angriffs auf der Jagd. Als sie zurückkamen, fanden sie die Leichen ihrer Familien und Freunde brennend in einem Massengrab. Vermutlich ein Versuch der Angreifer, ihre Spuren zu verwischen.
Die Abgeschiedenheit der Siedlung, die sich ganz im Süden von Venezuela, nahe der Grenze zu Brasilien befindet, ist einer der Gründe, warum die Nachricht die Außenwelt nicht schon früher erreicht hat.

Das Hauptmotiv hinter dem Anschlag scheint wohl zu sein, dass die Goldgräber auf das Land der Yanomami scharf waren, um es auszubeuten. Dennoch muss die venezolanische Regierung das Massaker erst noch rechtmäßig als eines anerkennen.

Vor ein paar Wochen haben wir mit Survival International, die für die Rechte der Stämme in dieser Region kämpfen, Kontakt aufgenommen. Wir wollten fragen, ob wir die Fotos, die Claudia Andujar von Yanomami-Schamanen gemacht hat und der Organisation gespendet hatte, zeigen dürfen.

Zwar leben die Yanomami, die Claudias porträtiert hat, in Brasilien und nicht in Venezuela, aber dennoch offenbaren ihre Fotos einen wertvollen Einblick in eine Kultur, die zunehmend gefährdet ist und sich gerechtfertigterweise sehr skeptisch gegenüber der Außenwelt verhält.

Besonders „typisch“ für Schamanen ist ihre Fähigkeit, mit der Natur und deren Geistern zu kommunizieren. So erlangen Schamanen ein höheres Bewusstsein, nicht nur hinsichtlich des Göttlichen, sondern all dem, was für uns nicht greifbar ist.

„Omama, unser Schöpfer, hat uns das Denken und das Reden mit der Seele des Waldes gelehrt, mit der Seele des Berges, der Seele des Mondes, der Sonne und der Sterne.“ Dies erzählte Yanomami-Schamane Davi, als Claudia das Dorf besuchte.

Schamanen haben viele unterschiedliche Rollen. Sie sind mal Heiler und Priester oder Beschützer der heiligen Rituale ihres Volkes, Wettervorhersager, Kosmologen, Traumdeuter sowie Hüter des botanischen Wissens. Yanomami-Schamanen können nicht über Gewitter kontrollieren, sondern auch den Wind zügeln. Im Glauben der Yanomami verhindern sie so, dass der Himmel herunterfällt. Des Weiteren nutzen sie ihre Kräfte für die Jagd und gegen Krankheiten und feindliche Geister. Zudem erteilen die Schamanen auch der Sonne Befehle und beauftragen Geister, mit dem Mond zu sprechen.

Survival International hat eine eigene Stellungnahme bezüglich des Massakers veröffentlicht:

„Dass die Regierung ein Massaker abstreitet ist unter den gegebenen Umständen nicht ungewöhnlich und sollte ignoriert werden. Wir glauben, dass das Untersuchungsteam das betroffene Gebiet noch nicht erreicht hat. Es ist in diesem Fall zu erwarten, dass die Fakten erst nach einiger Zeit verlässlich etabliert werden können (soweit dies überhaupt jemals der Fall sein wird).“

„Einige Quellen haben nahegelegt, dass es kein Massaker gab und sie mehr über die Vorfälle wüssten, als die indigene Bevölkerung vor Ort. Auch dies ist unter den gegebenen Umständen nicht ungewöhnlich. Alle Bergarbeiter sollten aus dem Gebiet der Yanomami ausgewiesen und die Verantwortlichen für die Übergriffe zur Verantwortung gezogen werden.“

Fotos von Claudia Andujar

Survival International ist eine Organisation, die sich für die Rechte indigener Menschen weltweit einsetzt. Wenn du sie unterstützen möchtest, dann klicke hier.
 

Foto von Claudia Andujar

Yanomami-Schamanen inhalieren das aus der Rinde des Virola-Baumes extrahierte Yakoana-Pulver, um in einen Traumzustand versetzt zu werden. Das Pulver wird durch ein langes Rohr, das traditionell aus einem ausgehöhlten Stamm einer Palme besteht, gezogen.
Foto von Claudia Andujar

Durch Träume und Trance überschreiten die Yanomami-Schamanen die physischen Grenzen ihres Körper und menschlichen Bewusstseins, um so mit den Xapiripë (den Geistern) kommunizieren zu können.
Foto von Claudia Andujar

Davi sah Xapiripë erstmals als Kind, in der Pubertät auch immer öfter im Schlaf. Erst als er erwachsen wurde, bat er darum, als Schamane anerkannt zu werden.
Foto von Claudia Andujar

Seit ewigen Zeiten haben die Xapiripë für Schamanen getanzt. Deren Köpfe sind mit weißen Falkendaunen verziert, sie tragen schwarze Bänder aus Affenschwänzen und türkise Kotinga-Federn in ihren Ohren. Dazu tanzen sie ruhelos im Kreis.
Foto von Claudia Andujar

Foto von Claudia Andujar

Foto von Claudia Andujar

Yanomami-Schamanen berufen sich auch auf die Hilfe der Xapiripë, um Menschen von Krankheiten zu heilen. Sie benutzen dabei verschiedene Heilpflanzen, um Fieber, Bauchschmerzen, Muskelschmerzen und andere Erkrankungen zu behandeln. Um eine Diagnose machen
Foto von Claudia Andujar

Durch das Kommunizieren und die Steuerung der Xapiripë schützen die Schamanen nicht nur ihre eigene Gemeinde, sondern auch die ganze Welt.
Foto von Claudia Andujar

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