Journalist und Minensucher im gleichen Feld

Rate, was der gefährlichste Job im irakischen Kurdistan ist. Wir wollen das hier nicht in die Länge ziehen oder es unnötig unterhaltsam für dich machen und diese Intros sollen kurz sein, also ist laut einem Bericht, der letzte Woche veröffentlicht wurde, die Antwort Journalist. Es ist kein Geheimnis, dass die Regierung versucht die Gegend als sicher und zugänglich darzustellen: wenn du jemals den Grund wissen willst, warum du Wikipedia Artikel nicht als Quelle für deine Hausaufgaben benutzen sollst, ist es die irakische Kurdistan-Seite, wo diese Beschreibung in etwa so verdorben riecht wie ein Hundefurz: „Es ist die sicherste und stabilste Gegend im ganzen Irak, in der seit der Invasion 2003, kein einziger Ausländer oder Soldat der Koalition getötet wurde.”

Es ist also logisch, dass diejenigen, die eigentlich darüber berichten sollten, was eigentlich abgeht, geschlagen oder getötet werden, oder einfach verschwinden. Unser Kumpel Karlos ist ein baskischer Journalist, der in den letzten vier Jahren im Irak und in Afghanistan war. Er hat uns gerade dieses Interview mit jemandem geschickt, der vermutlich den zweitgefährlichsten Job in Kurdistan hat, Minensucher. Ab hier lassen wir Karlos weitermachen…

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Die kurdische Zentralregierung schätzt, dass etwa zwei Millionen Minen in der Gegend rum liegen. Deshalb liegen fast 6.000 Felder brach, eine Fläche von 7.000 Quadratkilometern. In den letzten 15 Jahren gab es mehr als 14.000 Unfälle mit Menschen, die Hälfte davon tödlich und wenigstens 18.000 mit Tieren. (Das ist gar nicht so lustig, wenn dein Lebensunterhalt auf Vieh beruht.) In den letzten fünf Jahren musste Haji Kuban bei seiner Arbeit verdammt leisetreterisch sein, aber er hört trotzdem noch nicht damit auf.

Vice: Das ist verrückt. Warum machst du das?

Haji Kuban: Ich wurde fünf Kilometer entfernt von hier, in einem Dorf geboren. Wenn ich hier nicht aufräume, macht es niemand.

Hast du keine Angst?

Wenn ich morgens mein Haus verlasse, weiß ich, dass ich vielleicht nie wieder nach Hause komme. Es ist aber auch nicht gut, keine Angst bei dieser Arbeit zu haben. Angst hält dich wach. Die meisten Unfälle passieren, weil die Leute zu viel Selbstvertrauen haben.

Welche Fertigkeiten braucht man, um als Minensucher zu arbeiten und fünf Jahre später immer noch am Leben zu sein?

Ein bisschen handwerkliches Können und Geduld. Viel Geduld. Es ist wichtig, dem Entschärfungsprotokoll von Anfang bis Ende zu folgen, egal wie absurd es manchmal wirken mag.

Wo kommen die Minen her, die du hier findest?

In dieser Gegend sind die meisten aus Italien, aber wir finden auch welche, die im Irak hergestellt wurden und ab und zu mal eine aus Russland. Im gesamten irakischen Kurdistan sind sie Französisch, Deutsch, Amerikanisch oder Schwedisch.

Schwedisch?

Ja, vor einiger Zeit war hier ein schwedischer Journalist, der das gleiche gemacht hat wie du gerade und er konnte es gar nicht glauben. Er sagte, es wäre unmöglich, sein Land hätte einen Vertrag unterzeichnet. Wir mussten ihm ein paar zeigen, damit er es glaubte.

Wieviele Minen kannst du an einem Tag entschärfen?

Es kommt auf das Feld an. In den schlimmsten Feldern können es bis zu ein paar Hundert am Tag sein. Es gibt Gegenden, in denen die Anzahl der Minen so groß ist, dass wir das gesamte Feld umgraben müssen.

Wird der Job gut bezahlt?

Letzten April haben wir gestreikt, weil wir das gleiche verdient haben wie Verkehrspolizisten, 300$ im Monat. Jetzt hat die kurdische Regierung unsere Gehälter verdoppelt. Wir können uns also nicht mehr beschweren.

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