Wurst

A Eitrige mit an Krokodü, an G'schissenen und an 16er Blech – Bestellen am Wiener Würstelstand

Besonders in Wien genießt die Käsekrainer Kultstatus und wird liebevoll – warum auch immer – mit ziemlich ekelhaften und phantasiereichen Wörtern bestellt. Mahlzeit!

von Marijke de Pauw
18 Juni 2015, 10:39am

Die Käsekrainer ist eine mit Emmentaler und leicht geräuchertem Schweinebrät gefüllte Wurst und gehört zu den Königinnen des österreichischen Wurstverständnisses. Besonders in Wien genießt die Käsekrainer Kultstatus und wird liebevoll mit ziemlich ekelhaften und phantasiereichen Wörtern bestellt:

So ist a Eitrige mit an G'schissenen, an Buggl, an Krokodü und an 16er-Blech" eigentlich eine Käsekrainer mit süßem Senf, dem Endstück eines Brotes, einer Essiggurke und einem Ottakringer Dosenbier. Zum süßen Senf kann man auch „G'spiebener" sagen, also der Gekotzte". Glasaug" nennt man beim Würstelstand–der Imbissbude–eine Perlzwiebel und ein „Oaschpfeiferl"–also eine Arschpfeife–ist eine scharfe Pfefferoni. Das Dosenbier wird „16er" genannt, weil sich die Brauerei im 16.Wiener Gemeindebezirk befindet.

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Vor einiger Zeit wurde in Wien der Welttag der Käsekrainer gefeiert. Grund genug, diese Wurst mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

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Der Welttag stellte sich eher als eine Promoveranstaltung einer bestimmten Fleischerkette heraus, aber der hat die Käsekrainer auch immerhin ihren Aufstieg zu verdanken, als sie in den 70er-Jahren ins Sortiment genommen wurde.

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Anfangs blieb sie eher unbeachtet, was wohl auch an der damaligen Tradition der Würstelstände, ausschließlich Brühwürste wie Frankfurter anzubieten, lag. Erst als die Imbisse anfingen, sich mit Grillplatten auszurüsten, stand auch dem Triumph der Eitrigen nichts mehr im Weg. Wie sieht so ein Welttag dann also aus? Zwei Stunden lang wurden an ausgewählten Würstelständen Käsekrainer gratis ausgeteilt.

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Mein Ziel war es, so viele Stände wie möglich abzuklappern und schon nach kürzester Zeit wurde mir klar, dass meine anfängliche Angst vor kompletter Überfressung völlig unbegründet war. Die Menschenschlangen vor den Ständen ließen das nämlich nicht zu und ich konnte froh sein, wenn ich einen Bissen abbekam.

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Nach zwei Stunden langem Herumgerenne und nur einer Käsekrainer im Magen, hat mich der glückliche Zufall doch noch zu einer entspannten Wurst geführt. Der schickste unter den Würstelständen–Bitzinger–, gelegen zwischen der Wiener Staatsoper und dem Albertina Museum, feierte gerade Geburtstag mit Leberkäse, Käsekrainer und noch mehr Schweinefleisch.

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Auch nicht die allerauthentischste Würstelbudenversammlung, da etwas schnöselig mit DJs und Wein gefeiert wurde, anstatt mit Krokodü und 16er-Blech. Aber man braucht sich ja nicht zu sehr auf althergebrachte Traditionen zu versteifen.

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Also, wenn du mal in Wien bist oder besonders viel gesoffen hast, was dir in der österreichischen Hauptstadt leicht passieren kann, bestell dir eine Käsekrainer—und nenn sie Eitrige! Mahlzeit.

Fotos: Yo Heumayer und Bitzinger