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Käse

Hedonismus ist der Geschmack von Raclette-Käse

Raclette-Käse lässt erwachsene Franzosen Freudentränen heulen. Und er schmilzt besser, als die Antarktis durch die Klimaerwärmung. Aber noch viel wichtiger: Raclette ist die beste hemmungslose Sauerei des Hedonisten, besser als jede 08/15-Sexkapade.
05 August 2014, 10:17am

Raclette ist der Käse, der erwachsene Franzosen Freudentränen heulen lässt. Visualisiere folgendes: ein ausgewachsener, gestandener Mann mit einer kleinen Baskenmütze, die er leicht schräg am Kopf trägt, einem schwarzen Rollkragenpullover und einer kleinen Tasse Café au Lait, der in einem Zustand purer Wonne vor sich hin winselt. Wenn du nur annähernd ein Fan von klebrigem, weichem, schmelzendem Käse bist, wird dich dieses Gericht geiler machen, als das neueste Video von Beyoncé.

Fangen wir mit ein paar lustigen Fakten an:

Raclette ist ein Halbhartkäse—also „nicht weich" aber trotzdem „nicht hart"—aus Kuhmilch, der aus dem Schweizer Kanton Valais stammt. Vielleicht fragst du dich jetzt, warum die Franzosen Raclette für sich beanspruchen wollen. Naja, weil sie Franzosen sind.

Obwohl Raclette ursprünglich aus Kuhmilch hergestellt wurde, gibt es in Frankreich und in den USA einige unglaublich gute Variationen mit Ziegenkäse.

Außerdem schmilzt Raclette besser als die Gletscher der Antarktis durch die Klimaerwärmung.

Nachdem du jetzt das Nomen kennst, sehen wir uns das Verb genauer an. Vom französischen Wort racler (schaben, kratzen) abgeleitet, beschreibt Raclette den Prozess, von einem Käserad— eigentlich egal was für ein Käse— ein riesiges Stück abzuschneiden (genau genommen ein halbes Rad) und die Scheibe über einer Hitzequelle zum Schmelzen zu bringen. Der Käse fängt an zu blubbern, wird klebrig und ein bisschen gegrillt. Dann wird er runtergekratzt und auf ein/e Kartoffel, warmes Brot, in deinen aufgerissener Mund, deine gespreizten Beine, was auch immer, gelegt.

Das Gericht, die Herstellung und erste Erfahrungen damit wurden schon um 1200 in schriftlichen Aufzeichnungen erwähnt. Leute lieben schmelzenden Käse schon sehr, sehr lange.

In den guten alten dreckigen mittelalterlichen Zeiten, in denen auf Gesundheitsvorschriften noch geschissen wurde, legte man die aufgeschnittenen Käseräder über das offene Feuer. Heutzutage—dank des allgemeinen Mangels an loderndem Feuer und neurotischen Konsumenten—gibt es zahlreiche Geräte, die dazu gemacht worden sind, den Käse so nah wie möglich an die Hitzequelle zu bringen, ihn zu schmelzen und so das Wasser in deinem Mund zusammen laufen zu lassen.

An einem kühlen Abend solltest du dir ein Brocken Raclette nehmen, ein Glas cornichons (das französische Wort für Essiggurke, genau genommen die Bezeichnung für eine winzige Essiggurke), ein paar Scheiben Prosciutto und einen Haufen heißer Kartoffeln. Und schon hast du ein bessere, klebrigere, hemmungslosere Sauerei als jede 08/15-Sexkapade.