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Wildfleisch

Ein Wildunfall ist doch gratis Abendessen

MUNCHIES-Autor Aaron Kase erzählt aus seiner Jugend in Pennsylvania, die recht wild war: Es gab zu viele Rehe und man wusste nicht so recht, wie man dieser Plage Herr werden kann. Deshalb hatte sein Vater auch kein schlechtes Gewissen, wenn er ein...

von Aaron Kase
01 Dezember 2014, 11:30am

MUNCHIES-Autor Aaron Kase erzählt aus seiner Jugend in Pennsylvania, die recht Wild war: Es gab zu viele Rehe und man wusste nicht so recht, wie man dieser Plage Herr werden kann. Sie zu erschießen war den Tierschützern zuwider. Deren Vorschlag wiederum, ein Entwurf zur Empfängnisverhütung, war völlig irre. Was tun mit den vielen Rehen? Und warum sollte man die 1,2 Millionen Rehe, die angeblich jedes Jahr in den USA von Autos oder Zügen überfahren werden, nicht einfach essen? Übrigens ist es in Deutschland, aus Hygienegründen verboten, Fallwild zu essen. Auch wenn dieses frei von Wachstumshormonen und Antibiotika ist, ist die Gefahr groß, ein krankes Tier zu erwischen, so der Gesetzgeber.

Wir lebten früher in einem Vorort von Philadelphia neben einem Naturpark und einer Pendler-Bahnstrecke. Rehe gab es in den Wäldern zuhauf und viele von ihnen wagten sich bis in die Nachbarschaft vor, wo viele von Zügen überfahren wurden. Der üble Geruch von verfaultem Fleisch am Morgen bestätigte, was die Nachtwache der Geier schon angedeutet hatte: wieder einmal ein totes Reh auf den Schienen.

Die Rehe rennen im Naturpark frei umher, alleine oder in großen Gruppen. Von Raubtieren keine Spur. Es gibt zwar Füchse, aber die sind viel zu klein, um für ein ausgewachsenes Reh eine Bedrohung darzustellen. Anscheinend soll es einen Kojoten geben, der ein oder zwei Kitz erlegen könnte. So oder so, das tut der Rehpopulation keinen großen Abbruch.

Vor 100 Jahren waren Rehe in Pennsylvania sehr selten. So selten, dass die zuständige Kommission beschloss, Rehe zu importieren, um den heimischen Bestand zu vergrößern. Es funktionierte. Sogar besser, als ihnen lieb war.

Aufgrund nicht vorhandener Raubtiere gab es viel zu viele Rehe in der Umgebung und die Sträucher und das Bodenholz litten stark darunter.Vor 100 Jahren waren Rehe in Pennsylvania sehr selten. So selten, dass die zuständige Kommission beschloss, Rehe zu importieren, um den heimischen Bestand zu vergrößern. Es funktionierte. Sogar besser, als ihnen lieb war.

VIDEO: Überfahrene Tiere essen

Klar, Rehe sind majestätisch und wunderschön, aber wenn man mit ihnen zusammenleben muss, können sie eine Plage sein. Im Herbst, wenn sie das letzte Gras im Naturpark aufgefressen haben, kommen sie in die Wohngegenden, verursachen Auto-, oder Zugunfälle und haben schon sicher den einen oder anderen Lokführer traumatisiert.

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Außerdem tragen Rehe leider Zecken, die wiederum Lyme-Borreliose übertragen. Bis heute bin ich vor allem dadurch bekannt, dass ich mit sechs Jahren der erste registrierte Kinderfall von Lyme-Borreliose in der Geschichte von Philadelphia war. In den Jahren darauf, traf es alle anderen aus der Nachbarschaft.

Ein Stück weiter flußaufwärts war die Vegetation dermaßen beschädigt, dass die Regierung Scharfschützen anheuerte, um den Bestand auszudünnen. Die geschätzte Zahl von 1277 Tieren im Jahr 2010 schrumpfte auf 260 diesen Sommer. Tierschützer waren deshalb komplett außer sich. Einige präsentierten einen Entwurf zur Empfängnisverhütung für Rehe.

Ein Reh dazu zu bringen, ein Kondom zu verwenden, stell ich mir eher schwierig vor.

1,2 Millionen Rehe werden angeblich jedes Jahr in den USA von Autos getötet, die Hälfte davon im November und Dezember. Solange man den Kadaver schnell aufsammelt, noch bevor er steif wird oder aufbläht, sollte er genießbar sein. Die Organe sollten beim Unfall nicht beschädigt worden sein. Gekocht werden muss es bei mindestens 160 Grad Celsius. Mein Vater war Feuerwehrmann und nahm manchmal ein Reh von den Schienen mit, wenn es noch frisch genug war. Wildeintopf gab es also oft bei uns.

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