Popkultur

Der schönste Skaterfilm des Jahres führt uns an die eisigen Strände Norwegens

Ein Gespräch mit dem Filmemacher Jørn Nyseth Ranum über seinen atemberaubend guten Skater-Film Northbound.
6.7.16
Würdet ihr die eisige Kälte aushalten? Diese norwegischen Skater haben es. Hier ein Screenshot aus dem Film Northbound. Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Lukasz Zamaro.

Die digitalen Technologien haben in der Filmproduktion für neue kreative Ansätze gesorgt—und auch Skate-Videos sind da mitgezogen. Doch egal, wie viel Computergrafik oder Animationen man anwendet—wenn man einen atemberaubenden Skate-Film drehen will, ist abgesehen von den Tricks das Gelände das wichtigste Element. Es wurde zwar schon an einer ganzen Reihe innovativer Orte gedreht, wie beispielsweise in Red Bull Perspective – A Skateboard Film, in dem die Skater in einem Wasserpark skaten, doch die meisten Skaterfilme spielen sich noch immer vor wunderschönen Kulissen auf Beton ab, und nicht auf gefrorenem Sand an einem abgelegenen Strand im Norden Norwegens.

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Dafür gibt es jetzt den Film Northbound—auf norwegisch Mot Nord—, der vor kurzem während des diesjährigen Tribeca Film Festivals mit einer besonderen Erwähnung der Jury ausgezeichnet wurde. In dem 10-minütigen Kurzfilm begeben sich vier der besten Skater Norwegens—Karstein Kleppan, Henrik Lund, Hermann Stene und Didrick Galasso—in die wahrscheinlich kälteste Umgebung, in der ein Skateboard-Film je gedreht wurde, und das auch noch in der eisigsten Woche des gesamten Jahres. Northbound wurde an unterschiedlichen Orten auf den Lofoten gedreht. In dem Film geht es nicht nur um die akkurate Darbietung beeindruckender Tricks, sondern darum, festzustellen, dass man selbst im rauen arktischen Winter skaten kann (wenn man es wirklich will).

The Creators Project hat den jungen Filmemacher und gelegentlichen Skater Jørn Nyseth Ranum, der den Film Northbound gedreht hat, zum Interview getroffen.

Mot Nord (Northbound) Teaser von Łukasz Zamaro auf Vimeo.

The Creators Project: Wie hat es sich angefühlt, mit deinem Film bei einem der wichtigsten Festivals der Welt nominiert zu sein?

Jørn Nyseth Ranum: Wir konnten es zuerst kaum glauben, als wir davon erfahren haben! Es war fantastisch.

Du bist erst 27 und das ist bereits dein zweiter Film. Er ist eine Idee, die aus deinem Debütfilm North of the Sun entstanden ist, einer Geschichte, für die du neun kalte Monate damit verbracht hast, an den Küsten Nordnorwegens zu surfen. Woraus genau hat sich die Idee für Northbound entwickelt?  

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An einem der kältesten Wintertage surften wir wieder, und als ich aus dem Wasser an den Strand kam, fühlte sich der Sand steinhart an, fast wie Beton. Da kam mir die Idee, auszuprobieren, wie es sich auf diesem Strand skaten würde. Ich versuchte es also ein paar Mal selbst, baute ein paar Mini-Rampen, und es klappte. Also entschied ich mich, ein größeres Projekt daraus zu machen.

Und es ist dir auch gelungen, einige der besten Skater Norwegens für dein Video mit ins Boot zu holen—war das leicht? 

Als ich den Skateboardern von meiner Idee erzählte, waren die meisten total begeistert. Natürlich gab es auch ein paar Skeptiker, die nicht glaubten, dass es möglich wäre, auf gefrorenem Sand zu skaten. Aber ich glaube, dass die meisten Skater sowieso recht häufig die Grenzen ihrer Komfortzone überschreiten und Neues ausprobieren. Ihnen gefiel die Vorstellung, etwas zu machen, was vorher noch nie jemand getan hatte und auch die Idee, City Skateboarding mit der Natur zu verbinden, kam gut an.

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Ein gefrorener Sandstrand bietet das perfekte Skate-Gelände. Northbound Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Lukasz Zamaro.

Es ist also nicht die Art von Skate-Videos, die man sonst so sieht…

Bevor ich mit der Arbeit an diesem Projekt begonnen habe, habe ich mir eine Menge Skate-Filme angeschaut, und auch als Jugendlicher habe ich viele solcher Filme gesehen, aber es war nie mein Ziel, eines Tages einen Skateboard-Film zu drehen. Ich habe die Filme zur Inspiration geschaut. In Skateboard-Filmen wird versucht, etwas Neues zu machen, indem man an neue Orte reist oder außergewöhnliche Kulissen sucht, aber es ist schwierig, neues Gelände zu finden, auf dem man skaten kann. Zudem geht es in Skateboard-Filmen meistens um neue Tricks und eine Entwicklung, doch in Northbound ging es um etwas anderes. Es ging mehr darum, eine neue Art des Skatens zu zeigen, bei der die Landschaften und die Natur eine bedeutende Rolle gespielt haben. Ich würde also sagen, dass Northbound eine Mischung aus Kurz-, Dokumentar- und Skateboard-Film ist.

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Northbound vereint Street Style Skating und Natur. Northbound. Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Lukasz Zamaro.

Was waren die Schwierigkeiten beim Dreh?

Wir haben uns wirklich den Kopf darüber zerbrochen, wann wir drehen sollten, es musste nämlich kalt genug sein, damit man auf dem Strand skaten könnte, und das passiert an der Küste nicht so oft. Die Skater und die gesamte Crew waren also den ganzen Winter über einsatzbereit und versuchten es, als die Wettervorhersagen gut aussahen. Wir hatten echt Glück und später stellte sich heraus, dass wir in der kältesten Woche des ganzen Jahres gefilmt hatten. Und zu einem anderen Zeitpunkt hätten wir unser Projekt wohl auch nicht realisieren können.

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Kalt!! Northbound. Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Lukasz Zamaro.

Wie kalt war es genau?

Die Höchsttemperatur lag bei -10°C, was sich aber um einiges kälter anfühlt, wenn man an der Küste ist, wo die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist und es so gut wie immer windig ist. Am Meer waren es manchmal -15°C.

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Das Gelände war ja ziemlich schwierig. Hat sich jemand verletzt?

Niemand hat sich ernsthaft verletzt, es kam aber während des Drehs zu kleineren Verletzungen. Einer der Skater landete falsch auf seinem Fuß und er schwellte stark an. Er meinte aber, dass ihm so kalt war, dass es kaum wehtat.

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Northbound. Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Lukasz Zamaro.

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Das Filmplakat für Northbound. Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Lukasz Zamaro.

Hier erfahrt ihr mehr über Northbound.