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Wilderer lassen sich von Robo-Hirsch ködern

Robo-Hirsch: In den USA macht die Polizei jetzt mit Roboter-Tierattrappen Jagd auf Wilderer.

Das ist kein echter Hirsch, Imagine

Ich könnte mir vorstellen, dass man sich wie ein Idiot vorkommt, wenn man für ein Jahr in den Knast muss, weil man einen Hirsch erlegt hat, der in Wirklichkeit ein Roboter war. Manche Wilderer scheinen aber immer wieder auf den Trick reinzufallen.

Der neuste Fall ereignete sich am Mittwoch in Myakka City, Florida, wo ein Wilderer in eine von der Polizei ausgelegte Robo-Hirsch-Falle tappte. Brett Russel Thomson fuhr in seinem Auto, als er das „Tier“ am Straßenrand stehen sah. Er hielt an, stieg aus seinem Wagen und erlegte den vermeintlichen Hirsch mit einem Schuss in den Hals. Die Polizeibeamten, die ihm auflauerten, kamen aus ihrem Versteck gekrochen und verhafteten den Wilderer, der jetzt wegen unerlaubten Abfeuerns einer Waffe auf einer öffentlichen Straße und wegen Nichteinhaltung der Wildschonzeit in den Knast muss.

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Die Nachricht wurde viral, nachdem der Miami Herald erstmals von der Geschichte berichtete. Und seien wir doch mal ehrlich, wer von uns hat was gegen eine „idiotischer Wilderer erlegt Robo-Hirsch“ Geschichte? Aber Roboter-Tierattrappen als Köder sind keine neue Taktik. In den USA benutzen Beamte der Jagd- und Fischereibehörden diese Technologie schon seit Jahren, um Wilderer auf frischer Tat zu ertappen.

Ja, auch der ist unecht.

Die Polizei setzt die Roboter-Tierattrappen dabei ein, Wilderer, die die Jagdvorschriften ignorieren und Hirsche auf eine „unsportliche“ Art und Weise außerhalb der Jagdsaison, von öffentlichen Straßen aus oder durch die Benutzung von Flutlicht und anderen unfairen Mitteln, erlegen, das Handwerk zu legen. Die Motivation der Wilderer ist das Geld, das man für das Fleisch und die Geweihe der Tiere bekommen kann. Damit aber so ein Täuschungsmanöver gelingt, muss man es gut durchdenken, dann geht der Plan aber oft auf, heißt es im Harold.

Die Köder sehen super realistisch aus, besonders wenn sie inmitten der Wildnis platziert werden, berichten auch Polizisten. Und das Beste: Die Attrappen bewegen sich! Polizisten, die sich während der Lockaktion in den Büschen der unmittelbaren Umgebung verstecken, können aus einer Entfernung von bis zu 15 Metern den Schwanz, die Ohren und den Kopf des Robo-Hirsches mit einer Fernsteuerung bewegen. Außerdem kann so eine Attrappe bis zu 1000 Gewehrsalven aushalten, bevor man sie ersetzen muss.

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VICE hat Robotic Wildlife besucht und mit den professionellen Ausstopfern der Robo-Hirsche gesprochen.

Um einen bessere Vorstellung von den Roboter-Tierattrappen zu kriegen, hat VICE Robotic Widlife, – eine Firma, die sich auf die Herstellung dieser Köder für Strafverfolgungsbehörden spezialisiert hat – letztes Jahr besucht.

Der Besitzer des Unternehmens, Brian Wolslegel, erklärt, dass sich die Polizei für Gewöhnlich einen Platz aussucht, von dem bekannt ist, dass dort gewildert wird, oder aber sie versucht einen bereits bekannten Täter auf frischer Tat zu stellen. „Es ist, als ob der Wilderer zum Gejagten wird,“ bemerkt Wolslegel.

Für gesetzestreue Jäger bietet Robotic Wildlife ebenfalls Tierattrappen an. Es handelt sich dabei meist um typische Beutetiere, wie Truthähne, Kaninchen und dergleichen, – diese sollen Raubtiere anlocken.

Betrieben von zwölf AA-Batterien ist die Handhabung dieses Systems nicht nur sehr einfach, sondern auch extrem tödlich für das Beutetier, das man im Freien und in Reichweite der Räuber aussetzt,“ schreibt man auf der Webseite der Firma. Ein weiteres Anwendungsbeispiel lautet folgendermaßen: „Bei richtiger Benutzung kann eine Robo-Coy Attrappe dabei behilflich sein, die Aufmerksamkeit eines brünstigen Bocks zu erregen und damit den Jäger vor unliebsamen Annäherungen zu schützen.“

Offensichtlich fallen nicht nur Menschen auf die dargebotenen Lockungen herein.