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Der NSA das Wasser abdrehen

Die Off Now Kampagne will dem riesigen NSA-Rechenzentrum in Utah die Grundversorgung streitig machen, damit die Supercomputer einfach verbrennen.
29 Januar 2014, 3:19pm

Während Präsident Obama vielleicht ein paar kleine Korrekturen an der Massenüberwachung vornehmen könnte, hat die Kampagne Off Now ganz andere Vorschläge zum Umgang mit der NSA: Die Bewegung, die vom Tenth Amendment Center und dem Bill of Rights Defence Committee unterstützt wird, möchte das riesige Datencenter der NSA verdursten lassen. Auf der Grundlage eines staatlichen Gesetzes wollen sie die Regierung von Utah dazu zwingen der NSA grundlegende Dienstleistungen wie Wasser-, Strom-, und Abfallentsorgung zu verwehren.

Das Superauge der NSA funktioniert nur dank Supercomputern, die extrem heiß werden und unglaublich große Mengen an Wasser zur Kühlung benötigen. Ohne Wasser stürzen diese Computer ab und verbrennen. Und wie Michael Boldin, der Gründer und Geschäftsführer der T_enth Amendement Center_ mir erzählte, ist es theoretisch gesehen ziemlich einfach die NSA lahmzulegen: „Wenn ihre Wasser-, Strom- und Abwasserversorgung nicht mehr funktioniert und es ihnen an allen Arten der täglichen Grundversorgung mangelt, dann können sie theoretisch nicht arbeiten."

Off Now berufen sich in ihrer Kampagne vor allem auf den Fourth Amendment Protection Act. Sollte sie tatsächlich Erfolg haben, müssten letztlich alle NSA-Anlagen ausgeschaltet werden, die in Staaten liegen, in denen die Verwaltung entschiedet die Grundversorgung einzustellen. Die Anfrage wurde bis jetzt in zehn Bundesstaaten eingereicht und die Kampagne hat auch schon andere, ähnliche, Projekte ins Leben gerufen. Eine Kampagne, die den Saft der NSA in Washington State abdrehen möchte, hat beispielsweise bereits mehr als 18.000 Unterschriften gesammelt und ist damit nur noch 2.000 Unterschriften von ihrem Ziel entfernt. Indem sie explizit auf einzelne Anlagen zielen glaubt Off Now die geballte Leistungsfähigkeit der NSA effektiver eingrenzen und angreifen zu können.

Die Kampagne stützt sich auf Federalist 46, einem vom vierten US-Präsidenten James Madison 1788 geschrieben Essay. Es ist einer der 85 Essays der Gründerväter der USA, der die gemeinsam Ratifizierung der Verfassung fordert. Der Text deklariert aber auch, dass Bundestaaten das Recht haben Programme abzulehnen, die gegen die Verfassung verstoßen, oder die sich in ihrem Bundesstaat „als besonders unpopulär erwiesen haben." Die aktuelle Rechtsauslegung des „Anti-Commandeering" geht auf diese Ideen zurück—die zentrale Regierung in Washington hat keine Möglichkeit Bundesstaaten dazu zu zwingen, an nationalen Programmen teilzunehmen.

Es wäre auch nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. In den 1850er Jahren haben einige Nordstaaten Gefängnisse für entlaufende Sklaven verboten. Andere Staaten entzogen Anwälten ihre Lizenz, wenn sie Sklaven verteidigen.

Das Hauptaugenmerk der Kampagne liegt auf dem riesigen neuen NSA-Zentrum zur Datenerfassung in Bluffdale, Utah. Die 1,2 Milliarden Euro teure Anlage ist die erste, speziell gebaute Anlage zur Unterstützung der Comprehensive National Cybersecurity Initiative, die die USA und letztlich die ganze Welt mit eher fraglichen Methoden zu einem sichereren Ort machen soll. Der genaue Zweck der Anlage wird geheim gehalten, aber einiges deutet darauf hin, dass Telefongespräche, E-Mails, Google-Suchergebnisse etc. dort gespeichert werden.

Das Rechenzentrum in Utah. Foto via Wikimedia Commons/Swilsonmc

Das Rechenzentrum verfügt über einen 512-Qubit-Quantencomputer, der lernen kann Gehirnfunktionen zu imitieren und sich neu zu programmieren. Es gibt genügend Stauraum für Milliarden von Gigabyte. Das ganze erfordert 1.700.000 Gallonen bzw. knapp 6,5 Millionen Liter Wasser am Tag.

Es trifft sich ganz gut für Off Now, dass das Rechenzentrum sein Wasser aus dem Jordan Valley River Conservatory District schöpft, welches zur Verwaltung des Staates Utah gehört. Somit könnte ein Gesetz auf Ebene des Bundesstaates zum Ende dieser Versorgungslinie führen und das Rechenzentrum würde ziemlich schnell ziemlich nutzlos werden, wenn es keien alternative Infrastruktur auftut.

Michael betont, dass der Plan, sich gegen die NSA aufzulehnen, mehr als nur reiner Widerstand ist. „Wir sind in dieser Koalition mit verschiedenen Gruppen zusammengekommen, weil wir nicht einfach gegen etwas sein wollen. Wir glauben, dass es Zeiten gibt in denen Menschen ihre politischen Differenzen beiseite legen müssen, und einfach etwas tun müssen," sagte er. „Die Gefahren der unbegrenzten Überwachung führen letztlich zu solchen Aktionen."

Da das Urteil sich auf einen Staat beschränkt, ist es unwahrscheinlich, dass die Kampagne jemals die ganze NSA lahm legen wird. Und leider klingt es auch eher nach Fantasie, dass auf diese Weise tatsächlich jemals eine Anlage abgeschaltet werden kann. Off Now wird vielleicht nicht genau das erreichen, was es sich zum Ziel gemacht hat, aber zumindest bestärkt es die Idee, dass sich jeder auch mit einfachen Mitteln gegen die NSA wehren kann.