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Dieser Artikel ist vor mehr als fünf Jahren erschienen.
Tech

Forscher suchen nach Zeitreisenden

Hey, ist da draußen jemand, der aus der Zukunft kommt?

von Meghan Neal
06 Januar 2014, 9:13am

Das Armaturenbrett aus Zurück in die Zukunft. Bild: popculturegeek Flickr / Lizenz: CC BY 2.0

Zeitreisen ist eines der beliebtesten Science-Fiction-Themen der Menschheit. Und wie man in einem Gedicht der indischen Mahabharata nachlesen kann, reicht die Idee bis ins 9. Jahrhundert v. Chr. zurück. Es scheint eine menschliche Veranlagung zu sein, denn nicht einmal unsere Vorfahren konnten der Versuchung widerstehen, herauszufinden, ob man in der Zeit hin und her springen kann. Während Physiker die theoretischen Aspekte des Zeitreisens erforschen, kam bisher noch niemand auf die Idee einfach mal zu fragen: Hey, ist da draußen jemand, der aus der Zukunft kommt?

Forscher aus der Physik-Abteilung der Technischen Universität Michigan haben vor kurzem beschlossen, genau das auszuprobieren und nutzten das Internet als ihr Megaphon. In ihrer Internet-Recherche suchten sie nach Beweisen, die auf Zeitreisende hinweisen können. Leider (Überraschung!) war ihre Suche erfolglos. In einer vor kurzem veröffentlichen Studie auf Arxiv versprachen sie, dass sie trotzdem nicht so einfach aufgeben werden.

Das Forscherteam wählte den naheliegenden Ansatz Suchmaschinen, Soziale Netzwerke und beliebte Webseiten nach Hinweisen über Informationen zu durchforsten, die nur von Menschen stammen können, die schon mal einen Einblick in die Zukunft bekommen haben. Sie entschieden sich gegen die Suche nach Personen, die schon in die Vergangenheit gereist waren.

Konkret heißt das, dass sie nach zwei bestimmten Informationen gesucht haben: Komet ISON und Papst Franziskus. Der Comet ISON wurde erst im Jahr 2012 entdeckt und in die populäre Nomenklatur eingeführt. Und auch Papst Franziskus, der erste Papst mit diesem Namen, wurde erst im vergangen Jahr gewählt. Jede Erwähnung der beiden Begriffen vor diesen Ereignissen konnte also nur von Menschen stammen, die in die Zukunft sehen können.

Es ist eine nette Idee, aber die Methode weist einige gravierende Mängel auf—weshalb die Autoren der Studie auch vermerken, dass, nur weil ihre Suche nicht erfolgreich war, dies nicht bedeute, dass Zeitreisen nicht möglich wären. Zum einen kann es sein, dass die Menschen, die schon in die Zukunft gereist sind, kein Interesse daran haben Tweets oder verräterische E-Mails zu verschicken. Und selbst wenn sie daran Interesse hätten, interessieren sich diese Menschen vielleicht gar nicht für den Comet ISON oder Papst Franziskus. Oder vielleicht gibt es auch einfach kein Internet in der Zukunft?

Die Forscher halten es auch für möglich, dass es ein noch unbekanntes physikalisches Gesetz gibt, welches es den Menschen aus der Zukunft unmöglich macht, Spuren ihrer Existenz zu hinterlassen. Oder sie sind sehr gut darin, ihre Spuren zu verwischen, damit im Lauf der Geschichte nichts schief läuft.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass im Cyberspace Zeitreisende abhängen, die bereit und gewillt sind, mit Wesen aus der Gegenwart zu kommunizieren, haben die Forscher einen Aufruf „in einem bekannten Internet Forum" gestartet: Zeitreisende werden gebeten, den Forschern eine E-Mail zu schreiben, und mit dem Hinweis #ICanChangeThePast2 oder #ICannotChangeThePast2 anzugeben, ob ihr Handeln den Lauf der Geschichte verändern würde, um die Auswirkung ihrer Existenz präziser einschätzen zu können. Auch dieses Mal konnten die Forscher keine Erfolge verzeichnen.

Ich will jetzt kein Spielverderber sein, aber ist das Experiment vielleicht gescheitert, weil das Zeitreisen unmöglich ist? Das ist sicherlich das wahrscheinlichste Szenario, aber viele Wissenschaftler sind nicht bereit, das Handtuch zu werfen. Prominente Physiker, unter ihnen Stephen Hawking, behaupten, dass das Ausdehnen von Raum und Zeit theoretisch möglich ist, indem man Schwarze Löcher oder—wenn es sie denn gibt—Wurmlöcher benutzt. Oder, basierend auf Einsteins Relativitätstheorie,  indem man sich super schnell fortbewegst. Vielleicht fehlt uns ja bisher wirklich einfach nur das nötige Know-how oder die Technologie, um das ganze zu bewerkstelligen.

Aber vielleicht werden wir in der Zukunft dazu in der Lage sein. Und für den Fall lohnt es sich nach Menschen Ausschau zu halten, die den Science-Fiction-Traum des Zeitreisens schon erlebt haben. Die Autoren dieser Studie waren nicht die ersten, die versucht haben potenzielle Zeitreisende zu finden. Stephen Hawking schmiss die berühmte Party für Zeitreisende, für die er erst nach der Veranstaltung die Einladungen verschickte. 2005 veranstalteten MIT Studenten eine Tagung zum Thema Zeitreisen, in der Hoffnung, dass Menschen aus der Zukunft teilnehmen würden. Zu den beiden Veranstaltungen kamen keine Gäste.