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Die sieben nervigsten Alltags-Cyborgs

Spätestens seit neulich ein Gast wegen seiner Google Glasses aus dem Restaurant geschmissen wurde, ist klar, dass es Maschinen-Menschen in unserem Alltag gibt, die einfach nicht bereit für die Realität sind.
04 Dezember 2013, 12:08pm

_Das ist nicht Nick Starr, via Flickr/CC. _

Ich gehe einfach mal davon aus, dass ihr alle von „Glassloch" Nick Starr aus Seattle gehört habt. Ein Netzwerk-Ingenieur, der neulich im Restaurant eine peinliche Szene machte, nur weil er seine 1.500 Dollar teure Google Brille nicht tragen durfte. Aber statt die Brille abzunehmen, wie die Kellnerin ihn gebeten hatte, verlangte Starr nach schriftlichen Richtlinien, die besagen, dass dieser sehr wichtige Mann seinen Gesichtscomputer beim Abendessen einfach mal ablegt. Er verließ den Laden und ließ seine wirre Wut in sozialen Netzwerken freien Lauf, in denen ja  bewiesenermaßen Zorn viraler als Freude ist. Er konnte es auch nicht lassen, ernsthaft zu fordern, dass die Kellnerin entlassen wird.

David Meinert, der Besitzer des Restaurants, versuchte In einem Interview mit Forbes die Beweggründe der Spezies aufdringlicher Digital-Brillenträger zu ergründen: „Es ist eine Sache eine Kamera auszupacken und den Moment festzuhalten. Die Menschen können sehen, was du machst und sie haben die Möglichkeit aus dem Bild zu gehen," erzählt er dem Magazin. „Mit den Google Glasses entfällt diese Möglichkeit. Wir wollen, dass sich unsere Kunden wohl fühlen und sich nicht beobachtet fühlen."

Die meisten Leute leben eben nicht in einer Illusion technologisch ermöglichter Einzigartigkeit. Sie finden nicht, dass es cool oder intelligent ist, so einen absurden Bordcomputer aus der Zukunft im Gesicht zu tragen. Auch wenn die Anwendungen noch so absurd-praktisch sind, manche Menschen wollen einfach nur so durch den Tag kommen.

Ich möchte hier nur noch einmal klarstellen, dass ich Leute wie du, genau ich spreche mit dir Nick Starr, in der Realität nicht einmal eines menschlichen Blickes würdige. Und ich will nicht, dass du von mir Kenntnis nimmst, ganz abgesehen davon, außer dass du meine Worte verstehen sollst. Alleine die Aussicht einem penetranten Schönwetter-Cyborg wie dir gegenüber zu treten, löst bei mir einen Panikanfall aus. Ich sollte wohl also lieber hier einfach aufhören. Fick dich einfach.

Das eigentliche Problem ist nämlich, dass diese Glasshole-Asshole-Typen nur der Anfang sind. Um mich von Schrecken abzureagieren möchte ich einen Blick auf die nächste Generation von Pseudo-Androiden und Gadget-Freaks richten, die gleich ihr ganzes Ego über die Technik definieren. Die Ergebnisse sind... unangenehm und unsympathisch.

Sorglosigkeit im Straßenverkehr von Morgen

Dan Neff/Flickr

Du kennst sicher das klassische Bild der nervigen Familie im Zug, die nie still ist, alles spannend findet und mit allem rumspielt. Diese Menschen, die auch noch im Tunnel aus dem Fenster starren, um sich über die kommende Aussicht auf die nächsten vorbeiziehenden saftigen Wiesen zu erfreuen Jetzt stell dir diese Familie in der kleinen Kapsels eines automatisierten Autos aus der Zukunft vor.

Eigentlich eine recht gut funktionierende Vorstellung. Blöd ist nur, dass diese sorglosen Verkehrsteilnehmer in der nächsten Generation noch viel größere Probleme bedeuten. Wenn der roboter-unterstützte Fahrer der Zukunft dann doch mal auf einen Unfall zusteuert, dann ist es wohl längst zu spät, um irgendeinen Schaden abzuwenden, und im Angesicht der eingeschränkten Rücksicht und Perspektive dieser Verkehrsteilnehmer kann ich mir schwer vorstellen, wie denn wenigstens versucht würde den Crash zu bremsen.

Der Hypochonder

Ryan Hyde/Flickr

Der Internet-Hypochonder ist ein bekanntes Phänomen. Es geht hier um die Leute, die klinisch abhängig sind von den Online-Gesundheitsratgebern, die fragwürdige Medikamente von Apotheken aus dem Ausland kaufen (weil die Pillen in Foren für besonders gut anerkannt wurden) und die, die es nicht nachvollziehen können, dass du den Unterschied zwischen TSH und T3 nicht kennst.

Eine neue Ära der Gesundheitsdiagnostik wird beginnen und die wird nichts mit „Biohacking" zu tun haben, sondern mit nanoskaligen, injizierbaren Sensoren, die alle Aktivitäten des Körpers aufzeichnen. Zu den meisten dieser Daten sollte ein ahnungsloser Patient eigentlich keinen Zugang haben. Aber wir werden wohl früher oder später doch auf diese Informationen zugreifen. Und die Internet-Hypochonder von morgen werden all ihre Sorgen nicht für sich behalten, sondern viral verbreiten und ihre Panik uns allen mitteilen.

Die echten Mädchen

faungg/Flickr

Du kennst sicher die Sexpuppen, die sich Männer kaufen. Stell dir vor, diese Puppen dringen in unseren Alltag vor, und laufen durch den Supermarkt oder helfen Kindern bei ihren Hausaufgaben. Roboter sind toll.

Es wäre wünschenswert valide Kriterien zur Unterscheidung zwischen Sexrobotern und normalen Haushaltshilfen zu haben. Eine Klärung, wer in welchem Auftrag assistiert würde mich beruhigen.

Die schlechte Kopie

Bei dem Gedanken, dass ein Gehirn auf eine Festplatte heruntergeladen werden kann (so, dass man dann für immer leben kann) sind manche Menschen dem Orgasmus schon sehr nah. Das Ding ist nur, dass unser Wissen rund um das menschliche Gehirn noch nicht besonders ausgereift ist. Auch wenn Neurologen ständig neue Studien herausbringen, die wieder einen Durchbruch in der Neurowissenschaft proklamieren, sind wir noch weit vom Ziel entfernt.

Es ist eine begründete Annahme, dass man beim Download des Gehirns nicht voreilig Handeln sollte. Die ersten Versionen von Computer-Menschen werden anstrengende sein. Man wird sie immer wieder Neustarten müssen oder für sechs Stunden unberührt stehen lassen müssen, während Schadprogramme durch das System laufen.

Der beschissene Cyborg

chrisjtse/Flickr

Das sind die Leute, die glauben, sie können die Menschheit verbessern, indem sie sich in ihren Kellern von Medizinstudenten oder Tättoowierern operieren lassen. S_chau mal, ein Wecker direkt neben meinem Ohr! Ich habe mir einen QR Code auf meine Brust tätowieren lassen._

Der Drohnen Typ

star5112/Flickr

Frag ihn bloß nicht, wofür er die Drohne benutzt, oder warum sie die ganze Zeit im Wohnzimmer rumstehen muss und nicht im Keller, wie die Fahrräder. Er hat letztens versucht mit der Drohne Pizzen abzuholen, als er voll bekifft war. Aber nach ein paar „Nein, Drohnen können keine Türen öffnen" Telefonaten und nachdem ein paar Jugendliche die Pizza klauten und ein bisschen auf der Drohne herum traten, war klar, dass es keine gute Idee war. Also, warte nicht auf den Absturz deiner unbemannten Freunde, laß es einfach gleich.

Der Gamer

Screengrab from eXistenZ

Ich meine diejenigen, die von sich sagen, sie seien die echten Gamer. Sie sind zwar harmlos aber jammern viel und über die Realität. Und frag die Virtual-Reality-Gamer von Morgen ja nicht danach, ob du mal ihr Bio-Interface sehen darfst, mit dem sie irgendwie ihr Nervensystem an die Spielewelt angedockt haben.