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Biblisches Zahlenrätsel gelöst: Forscher wissen, wer die Bestie hinter 666 ist

Wiener Historiker haben das Zahlenrätsel der satanischen 666 geknackt und das Untier gefunden.
12.4.16
Sieben Köpfe, 70 Hörner, unverwundbar: Wer ist „das Tier", das die Apokalypse mit so viel Getöse ankündigt?

Wir sind uns sicher alle einig, dass das Buch der Offenbarung der verdrogteste, dramatischste Action-Teil der Bibel ist—voller Rätsel, Special Effects und mysteriöser Vorkommnisse, die die bevorstehende Apokalypse ankündigen. Da steigt ein siebenköpfiges, gehörntes „Tier" aus dem Wasser, das alle Menschen anbeten müssen und das durch die verliehene Macht des Teufels noch gefährlicher und leider auch unverwundbar geworden ist, und dann schreibt der Autor in Kapitel 13: „Hier ist die Weisheit. Wer Verstand hat, berechne die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist 666."

Es gibt ja so einige Theorien, wer denn nun wirklich das Untier hinter der Zahl 666 sei—je nachdem, welcher Verschwörungstheorie man anhängt und welche unbeliebte Person man durch diffuse Numerologie und irgendwas mit Quersummen und GPS-Koordinaten zum Antichrist erklären möchte. In seriösen Historikerkreisen wurden bislang die christenmeuchelnden römischen Kaiser Nero, Domitian oder Hadrian als heiße Kandidaten gehandelt; aber auch das war nur vorsichtige Spekulation.

Damit soll jetzt endgültig Schluss sein: Ein paar Wiener Forscher am Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde der Uni Wien wollen nun das Zahlenrätsel hinter der 666 geknackt haben. Hinter der Zahl des gotteslästernden Untiers soll sich der römische Kaiser Trajan verbergen. Damalige Zeitgenossen hätten das vermutlich sofort gecheckt, heute müssen Forscher sich schon ziemlich ins Zeug legen, um diesem Kontext auf die Spur zu kommen.

Das ist der Typ! | Bild: Flickr, david__jones | CC BY 2.0

In der Antike spielte man zwar kein Sudoko, aber hinterließ trotzdem gern an Wänden (wie bei Ausgrabungen in Epheseus bewiesen) sogenannte isopsephische Zahlenrätsel. Die gehen so: Jeder Buchstabe im griechischen Alphabet steht für einen Zahlenwert. Das System war in drei Neunergruppen gegliedert, Alpha stand für 1, Beta für 2, Theta für 9. Dann ging es mit den Zehnern weiter: Iota stand für 10, Kappa für 20; und ganz zum Schluss folgten die Hunderter: Rho = 100, Sigma = 200, und so weiter.

Damit konnte man in tollen, gerne auch sexuell aufgeladenen Codes sprechen: Stand da also etwas Unverschämtes über einen „1995" in einem Graffiti am Tempel, musste der Leser des Rätsels den Namen entschlüsseln, indem er auseinanderklamüserte, welche Zahlenwerte diese Addition ergaben. Auch die Christen guckten sich dieses clevere System ab und konnten darin zum Beispiel den Namen der Geliebten verstecken.

Um mit diesen antiken Street-Tags mithalten zu können, haben die Historiker an der Uni Wien ein Computerprogramm bemüht, das die Zahlenwerte aller prominenten Kleinasiaten zu dieser Zeit berechnen kann. Die Informatikerin Diana Altmann entwickelte im Rahmen ihrer Diplomarbeit ein System, das auch verschiedene Rechtschreib-Varianten berücksichtigen konnte. Bei 666 stießen die Forscher überraschenderweise auf den Namen des römischen Kaisers Marcus Ulpius Trajan, der von 98-117 nach Christus regierte.

Ulpius endet im Altgriechischen mit einem Sigma, das eigentlich der 200 entspricht. Damit wäre der Zahlencode größer als 666. Was aber die Forscher um Hans Taeuber an der Uni Wien herausfanden, ist, dass Sigma manchmal auch für eine 6 stehen kann. Und damit passt die „Zahl des Tieres" doch wieder auf den Kaiser, den bislang niemand auf dem Schirm hatte.

Bleibt noch die Frage, womit der Herr die zweifelhafte Ehre verdient hat, als Untier der Apokalypse und Protagonist unzähliger Black Metal-Songs in die Annalen einzugehen.

Nach Ansicht der Forscher verfolgte Trajan zwar Christen nicht aktiv (was sein Fehlen in der Geschichte als berüchtigter, systematischer Christenmörder à la Nero erklären könnte), aber sprach sich dennoch dafür aus, Christen zu töten, wenn sie sich nicht dem Kaiserkult unterwarfen.

Auch über die Datierung der Bibelstory gibt die Lösung des Rätsels interessante Aufschlüsse: Vermutlich wurde die Offenbarung zur Zeit Trajans geschrieben. Der Hinweis darauf findet sich in einem Brief des Offenbarungs-Autors an die Christengemeinde im türkischen Pergamon, ein Ort, der sich ebenfalls in der Bibel befindet: Er bezeichnet die Stadt dort nämlich wenig schmeichelhaft als „Sitz des Satans" (und zwar gleich zweimal). Dass er kein glühender Fan von Pergamon war, lag wohl auch daran, dass Trajan dort ca. 110 nach Chr. das Trajaneum einbauen ließ; einen riesigen Tempel zur Huldigung des Kaisers—also ihm. Das wiederum kam bei Gläubigen nicht ganz so gut an.

Der „Sitz des Satans"? Das Trajaneum in Pergamon hat schon mal glorreichere Tage gesehen | Bild: Wikimedia | Gemeinfrei

Und das wiederum lässt darauf schließen, dass das in der Offenbarung beschriebene morbide Horrorszenario ungefähr zwanzig Jahre früher verfasst wurde als bislang vermutet. All das wegen der guten alten Gamification—der menschlichen Tendenz, aus allem ein Spiel zu machen.