Motherboard hat mit verschiedenen Entwicklern und Anbietern solcher Cheats gesprochen, um zu verstehen, wie groß der Markt ist, wie lukrativ das Geschäft und warum selbst große Entwickler und Publisher gegen das Netz der Schummel-Software-Anbieter relativ machtlos sind.„I don't speak German", schreibt der Entwickler in seine Signatur, um die überhand nehmenden deutschen Schummelfans zu bremsen.
Funktionen, die kein Normalsterblicher sehen darf
Der Blick aus einem Bomber in Battlefield 4: Freunde und Feinde werden dank der Cheat-Software mit detaillierten Informationen über ihren Status bunt markiert. Screenshot: Motherboard. Bild: DICE
Nach dem Download wartet eine Software mit dem Design-Charme einer 90er-Jahre Freeware, die nach einer Anmeldung aber problemlos Cheats in vielen Spielen aktiviert. Aimbot, Radar und Skripte lassen sich in einzelnen Untermenüs anwählen und per Klick aktivieren. Von der Farbe des Radars bis zur Aufschaltzeit des Aimbots lässt sich jedes Element mit Slidern regeln. Wer nicht endlos mit Menüs spielen will, kann auch direkt mit Voreinstellungen loslegen.„Man muss zwar große Teile der Game Engine für den Cheat nachbauen—aber ich denke, es hat sich gelohnt."
Die Machtlosigkeit der PunkBuster
Andere Entwickler setzen auf hauseigene Lösungen: Valve Anti-Cheat (VAC), so heißt die Software, die den gerechten Wettkampf auf der größten PC-Download-Plattform Steam retten soll. Doch Cheats für die wichtigsten Multiplayer-Titel von Valve, CS:GO und DOTA 2, werden trotzdem auf dem Schwarzmarkt angeboten. Manchmal greifen auch die Spiele-Designer selbst in den Kampf gegen die Schummelei in ihren Games ein: Aus Frust programmierte Gary Newman im Jahr 2014 eigenhändig ein Anti-Cheat-Tool für sein Spiel Rust, eine Mischung aus MineCraft und Hunger Games. CheatPunch nennt er es. Es erwischt über 4.500 Cheater gleichzeitig—längst werden in den einschlägigen Foren inzwischen auch für Rust wieder eifrig Cheats gehandelt.„Viele Public Cheats sind jetzt schon knapp ein Jahr unentdeckt."
Das Web-Design ist zwar eher altbacken, aber x22 ist der Platzhirsch unter den Cheat-Entwicklern. Laut Szenekennern verdient das kleine Team um Coder x22 um die 500.000 Euro im Jahr nur mit Cheats. Screenshot: Motherboard
Die Ethik der Cheat-Community
Auf interwebz gibt es nur Cheats für Counter-Strike: Von den 17.000 registrierten Nutzern zahlen bis zu 1.000 den monatlichen Abo-Preis von 20 Euro. Screenshot: Motherboard
HelioS heißt das Programm der Cheat-Entwickler von Artificial Aiming: Im Menü lässt sich einstellen, wie genau geschossen wird und wie lange die Aufschaltzeit für den Aimbot ist. Screenshot: Motherboard
Warum die Spieleentwickler kaum etwas ausrichten können
Moderne, komplexe und schnelle Spiele wie zum Beispiel Overwatch oder CS:GO sind noch immer auf die Leistung des Gamer-Computers angewiesen, statt alles über die Internetleitung zu übertragen. So bleiben sie angreifbar. Weil Anti-Cheat-Entwickler den ersten Schritt machen, bleibt der Gegenseite oft nur die Defensive. Und: Sie hat auch nur beschränkte Möglichkeiten. Denn wer zu viele Ressourcen auf Anti-Cheat-Funktionalität verwendet, beeinflusst möglicherweise die Performance des Spiels, erklärt ein ehemaliger Anti-Cheat-Entwickler frustiert in einem AMA auf Reddit. Heißt also im Klartext: Vernünftige Anti-Cheat-Entwicklung ist zu kostspielig, zu aufwendig und schon alleine technisch in vielen Fällen nicht zu stemmen. ko1N erklärt uns, dass die Anti-Cheat-Entwicklung in einem miserablen Zustand ist: „Viele Public Cheats sind jetzt schon knapp ein Jahr unentdeckt."„Die Leute wechseln nur in die Legalität, wenn sie Sicherheit wollen. Das schnelle Geld aber macht man mit den Cheats."
Vom Webdesign eher 90er, technisch aber weit fortgeschritten: Artificial Aiming zählt zu den bekanntesten Anbietern auf dem Cheat-Markt.
