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Deshalb glauben Wissenschaftler an die Existenz neuer, irdischer Lebensformen

Überall auf unserem Planeten könnte ein unbekannter Ast im Baum des Lebens existieren, den wir mit unseren bisherigen Methoden einfach noch nicht entdeckt haben.
26.11.14
Ein einzelner DNA-Strang. ​Bild: ​Stuart Caie, flickr | Lizenz: ​CC BY 2.0

Wenn du in der Schule ein wenig aufgepasst hast, dann weißt du, dass es drei Arten von Lebensformen auf der Erde gibt: Eukaryoten (das sind wir und fast alles andere, was wir als lebendig ansehen), Bakterien und Archaeen (Extremophile und andere ziemlich primitive Gestalten). Einige Wissenschaftler sind jedoch davon überzeugt, dass es außerhalb dieser Kategorien noch ganz andere, ​unerforschte und noch nie entdeckte Lebensformen geben muss. Diese geheimnisvollen Erd-Mitbewohner könnten überall auf unserem blauen Planeten vorhanden sein. Wir haben sie laut den Forschern nur noch nicht gefunden, weil wir einfach nicht richtig hingucken.

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In einem kürzlich​ in Science veröffentlichten Paper schreiben Tanja Woyke und Edward Rubin vom Department of Energy's Joint Genome Institute, „es gäbe gute Gründe anzunehmen, dass unsere derzeitigen Forschungen Taxone übersehen. Ganz besonders, wenn diese ganz anders gestaltet sind als alles, was bisher beschrieben wurde, ist das durchaus denkbar."

Die Wissenschaftler glauben also mit anderen Worten, dass es dort draußen in den Weiten unserer Welt Lebensformen gibt, die ohne die vier gängigen DNA- und RNA-Basen auskommen. Leben, das sich unabhängig von den uns bekannten Arten herausgebildet hat und, das an Orten vorkommt, an denen wir bisher einfach noch nicht gesucht haben.

Vielleicht benutzt das unentdeckte Leben einen genetischen Code, den wir nicht verstehen.

Die Entdeckungen neuer Bakterientypen oder Viren ist natürlich nicht unbedingt etwas neues. Immer wieder werden unbekannte Spezies im Dschungel oder in der Tiefsee aufgespürt, woraufhin die Forscher ihre Funde feinsäuberlich in die spezifischen Kategorien der Biologie einsortieren—ein Prozess, der sich seit Jahrzehnten eingespielt hat und die bekannten Äste unseres Lebensbaums beständig erweitert.

In den meisten Fällen werden neue Mikroben durch ​ökologische Probenentnahme entdeckt. Dabei wird die in Boden- oder Wasserproben enthaltene DNA und RNA vergrößert und nachgebildet, damit sie sequenziert und bestimmt werden kann.

Bild: Science

Diese Forschungsmethode hat jedoch mit einigen bekannten Problemen zu kämpfen: Ein großer Teil der RNA-Samples kann nicht weiter verfolgt werden und muss aussortiert werden, während viele der Proben im Labor auch schlicht nicht vergrößert werden können.

„Es macht absolut Sinn, über neue Verästelungen im Baum des Lebens zu spekulieren. Vielleicht kommen sie ja aus Bereichen, in denen sich die Markierungsgene vollkommen von denen der Bakterien und Archaeen unterscheiden. Vielleicht handelt es sich sogar um einen vollkommen neuen Lebensbaum", schreiben die Autoren in ihrer Studie.

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Es gibt schon heute einige Belege für die Existenz seltsamer, unentdeckter Lebensformen. Verschiedene neue und große Viren (mit für Viren ziemliche merkwürdigen DNA-Strängen), die weder mit den Genomen vor Archaeen noch mit den von Eukalypten vergleichbar sind, wurden bereits untersucht. Normalerweise geht man dabei davon aus, dass solche Viren ihre DNA von nicht mehr existenten, ausgestorbenen Organismen übernommen haben, doch diese These muss nicht unbedingt zutreffen.

Völlig neuartige, im labor entwickelte Organismen könnten auch in der natur existieren.

Bisher wurde angenommen, dass diese Genome „in einem sogenannten vierten parasitären Bereich existieren", so Woyke und Rubin. „Möglicherweise wurde der zelluläre Vorgänger schlicht und einfach noch nicht gefunden und wartet auf seine Entdeckung."

Die exzentrischste These der Wissenschaftler besagt, dass diese unbekannte Lebensform einen genetischen Code verwendet, den wir nicht verstehen. Bisher jedenfalls nicht.

„Sequenzierungen waren bis heute vor allem auf den Nachweis der anerkannten vier DNA-Basen beschränkt", schreiben die Wissenschafter. Neue Techniken erlauben jedoch „die Identifikation und Charakterisierung von Organismen, deren Basenmodifikationen und -Kompositionen sich deutlich von den vier Standartbasen und ihren bekannten Modifikationen unterscheiden."

Möglicherweise kennen wir sogar schon einige dieser Abwandlungen—aber nur, weil wir in ein paar ungewöhnlichen Laborexperimenten vesucht haben, synthetisches Leben zu kreieren. Anfang des Jahres gelang es Wissenschaftlern, ​sechs verschiedene künstliche Basen zu erschaffen. Die Forscher ließen es sich bei der Verkündung nicht nehmen, mit einem  Schmunzeln anzumerken, dass es solche Lebensformen auch in der echten Welt schon längst geben könnte und ihr Labor viel zu langsam sei.

„Das unermüdliche ​Streben der ​Synthetischen Biologie nach der Erschaffung neuer Organismen bietet uns gleichzeitig Modelle, um heraus zu finden, wonach wir in der Natur überhaupt suchen könnten", so die Autoren. „Die Entdeckung neuer Bausteine und Organismen aus einem ganz neuen Bereich könnte große Auswirkungen auf die Biotechnologie, Landwirtschaft, menschliche Gesundheit und natürlich die Synthetische Biologie haben."