weltfrauentag

Wie die 'Krone' am Weltfrauentag gegen junge Autorinnen wettert

'Krone'-Journalist Schmitt wetterte gegen Stefanie Sargnagel und zwei Kolleginnen, weil sie Förderungen erhielten und ihm der Inhalt ihres satirischen Reisetagebuches nicht gefiel.
9.3.17

Den gestrigen Weltfrauentag, an dem verstärkt auf die Ungerechtigkeiten aufmerksam gemacht werden soll, die Frauen immer noch tagtäglich erleben, nutzte Krone-Journalist Richard Schmitt für einen Artikel über eine Literaturreise der Autorin Stefanie Sargnagel und zwei Kolleginnen nach Marokko, für die zwei von ihnen ein Stipendium von jeweils 750 Euro erhalten hatten. Auszüge eines Gemeinschaftstagebuches erschienen anschließend auf derstandard.at und es scheint, als habe man den Inhalt der satirischen Tagebucheinträge bei der Kronen Zeitung ein wenig zu wörtlich genommen.

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So schreibt Sargnagel zum Beispiel davon, dass ihre Kollegin Lydia eine Babykatze zur Seite getreten haben soll, dass Wein getrunken und ohne BH herumspaziert wurde. Ja, sogar gekifft – oder wie es im Artikel heißt: "gehascht" – sollen die Frauen haben. All das ist für die Kronen Zeitung jedenfalls zu viel und Anlass genug, sich über die Förderung der "mittelbekannten und mittelbegabten" Autorinnen zu empören, die sie vom Bildungsministerium erhalten hatten, da die Frauen gerade an Romanen arbeiten.

So wird im Krone-Artikel zum Beispiel der "massive Drogenkonsum" kritisiert, konkret ist im Tagebuch an diesen Stellen von Drogen zu lesen:

"Heute haben wir es endlich geschafft, etwas zu kiffen zu besorgen. Es war nicht sehr einfach. In der ganzen Aktion spielte ein Pferd namens Mafoud eine zentrale Rolle."

"Unsere Anwältin (Anm.: eine Mitreisende) wär fast ins Gefängnis gekommen. Sie hat dann aber geschickt verhandelt. – Jetzt haben wir ein Pferd und Haschisch, das niemand rauchen will."

"Steffi ist abstinent, Maria gemäßigt unterwegs, die anderen kiffen ab und zu und kudern dann herum und denken nur ans nächste Restaurant mit WiFi."

"Nach meiner persönlichen jahrelangen Kiffabstinenz haben wir gestern Abend gemeinsam Haschisch geraucht."

Auch dass Lydia Haider laut Sargnagel an einem Tag 13 Flaschen Wein getrunken und mit dem Muezzin geschmust haben soll, scheint der Kronen Zeitung ein Dorn im Auge – allerdings kein Hinweis auf Satire – zu sein. Sargnagel reagierte schließlich auf Twitter und Facebook auf Schmitts Vorwürfe und die Forderung, die Frauen sollen ihre Fördergelder an Wiener Frauenhäuser spenden:

Für die Kommentatoren im Krone-Forum und auf der Facebook-Page der Krone scheint das Schlimmste am Reisetagebuch von Sargnagel und ihren Kolleginnen die Stelle zu sein, an der Sargnagel beschreibt, wie ihre Mitreisende Lydia eine Babykatze zur Seite getreten haben soll, weil sie meinte, die Katze habe bestimmt Tollwut.

Beleidigende Kommentare von anderen Usern und Trollen, die die Frauen auf ihr Aussehen reduzierten, ließen nicht lange auf sich warten, auch die FPÖ Telfs teilte den Artikel der Krone.

Dass es sich beim Reisetagebuch von Sargnagel, Hofer und Haider ganz offensichtlich um einen überspitzten und gewohnt derben Beitrag handelt, scheint die Kronen Zeitung jedenfalls nicht daran zu hindern, gegen drei junge Frauen zu wettern – am Weltfrauentag. Und das, obwohl der Artikel, auf den sich Schmitt bezieht, bereits mehrere Wochen alt ist.

Wahrscheinlich weiß man, dass das Thema bei den eigenen Lesern ankommt und emotionalisiert, denn schließlich hat es alles, was ein guter Krone-Artikel braucht: Tierbabys, "linkslinke" Künstlerinnen stellvertretend für das herrschende Establishment und die berühmt-berüchtigte "Hautevolee", die für eine Politik stehen, die von Boulevard-Blättern wie der Krone häufig angeprangert wird.

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In den Diskussionen zum Thema wird die Literaturreise der Autorinnen jedenfalls schnell als Symptom eben dieser Politik gesehen, eine Leserin fordert sogar eine Stellungnahme des Kulturministers zum Thema und seinen Rücktritt, sofern er nicht auf ihren Wunsch einer Äußerung eingeht.

Im Reisetagebuch schreibt Stefanie Sargnagel in ihrem Eintrag am 10. Jänner: "Das BMUKK hat mir dafür einen Reisekostenzuschuss gewährt. (Für die Literatur.) Wenn das die FPÖ wüsste." Ob die Kronen Zeitung für Sargnagel das geringere Übel ist, muss erst auf Twitter ausdiskutiert werden.

Verena auf Twitter: @verenabgnr

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