Das Erika-Steinbach-Best-of: Linke Nazis, islamisierte Flüssigseife und geklaute Fotos

Eine Ära geht zu Ende.
16.1.17
imago: Christian Thiel

Wenn es Twitter nicht gäbe, müsste man es für Erika Steinbach erfinden. Wie eine verlässliche Stalinorgel twittert sie mehrmals täglich zu Meldungen und Themen, die ihr nicht in den Kram passen. Und vieles passt ihr nicht in den Kram. Egal ob es um Flüchtlinge geht, die Elbphilharmonie oder Flüssigseife. Erika Steinbach hat zu allem eine Meinung und keine Angst, sie per der Welt mitzuteilen.

Am Wochenende hat die 73-Jährige ihren Austritt aus der CDU bekannt gegeben. Bis zum Ende der Legislaturperiode will sie als Parteilose im Bundestag sitzen und danach nicht mehr antreten. Zusätzlich zu einem Interview in der Welt am Sonntag, in dem sie den Austritt ankündigte, legte sie mit einer vierseitigen Begründung nach. Unter der Überschrift "… dann ist das nicht meine Partei—Warum ich die CDU verlasse" erklärt sie ausführlich und selbstverständlich dramatisch, was sie zu ihrem Entschluss gebracht hat: Angela Merkel war's.

Steinbach, die schon immer zum äußerst rechten Flügel der CDU gehörte, war bereits gegen den Atomausstieg, aber "das alles wurde 2015 durch die einsame Kanzlerentscheidung in den Schatten gestellt, mehr als eine Million Migranten ungesteuert und unüberprüft monatelang nach Deutschland (…) einreisen zu lassen." Dabei ist sie sich auch nicht zu schade, mit falschen Zahlen zu jonglieren. Die mehr als eine Million Flüchtlinge, von denen Steinbach spricht, gibt es nicht. Eigentlich sind es 890.000. Ihre Begründung endet schließlich in Großbuchstaben mit "DAS IST NICHT MEHR MEINE PARTEI !".

Zugute halten kann man ihr vor allem eins: Es ist nie langweilig mit ihr. Das hier waren ihre steilsten Thesen, merkwürdigsten Momente und bizarrsten Forderungen.

Die Nazis waren Linke

Angefangen hat das alles mit einem anderen Tweet, in dem Steinbach schrieb: "Adenauer-Stiftung macht eine Aktion gegen Rechtsextremismus. Ist halbherzig. Rechts- und Linksextremismus sind beide demokratiefeindlich." Nach einigem Hin und Her und den verzweifelten Versuchen anderer Twitter-User, ihr zu erklären, dass das eine bestenfalls sehr simplifizierte Darstellung der Dinge ist, gipfelte Steinbachs Geschichtsanalyse im Tweet oben. Wenn man schon vereinfacht, dann eben so richtig.

Mit geklauten Bildern gegen Flüchtlinge

Warum soll man eigentlich sachlich über ein Thema sprechen, wenn man auch einfach richtig auf die Kacke hauen kann? (Womöglich das Mantra von Steinbach.) In diesem Fall suchte sie sich im Netz ein Foto und verband das Ganze mit ihrer ganz eigenen White-Power-Message. Dass das bearbeitete Foto den Sohn des Fotografen beim Besuch eines indischen Waisenhauses zeigt, wäre dann zu viel Beschäftigung mit der Realität für Steinbach gewesen. Die Mutter des Jungen äußerte sich übrigens so: "Wir sind sehr traurig, dass das Bild für solche Propaganda verwendet wird. Wir hatten genau das Gegenteil im Sinn."

Gegen die Islamisierung von Seife

Ein "Skandal", wie er nur in Deutschland stattfinden kann: Aldi nimmt eine Flüssigseife ins Angebot. Sie heißt "Ombia 1001 Nacht". Ein Kunde beschwert sich, dass eine Moschee auf der Flasche zu sehen sei und damit der Islam beleidigt würde. Aldi antwortet, dass es sowieso nur ein einmaliges Angebot gewesen sei und die Seife sehr schnell wieder verschwinden wird. Aufschrei! #Seife! Erika Steinbach ruft zum Boykott auf, weil Aldi offenbar vor der Islamlobby einknickt und aus Discountmärkten heraus das deutsche Volk abschaffen will.

Mit Polen für Pegida

Wenn das eine überhaupt nichts mit dem anderen zu tun hat, kann man einfach trotzdem einen Sinnzusammenhang daraus stricken. Zumindest wenn man Erika Steinbach ist.

"Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen"

Schlimm diese Flüchtlinge. Fordern doch tatsächlich Menschenrechte und eine angemessene Unterbringung. Erika Steinbachs Geduld wurde doch bereits ausreichend auf die Probe gestellt? So kann das natürlich nicht weitergehen. Deswegen: bei Beschwerden Abschiebung.

Der deutsche Volkskörper und seine Grenzen

Erika Steinbach mag nicht die Subtilste sein. Vergleiche kann sie aber irgendwie auch nicht. Gerade wenn man in diesem Bild bleiben möchte, ist das Geschichtsverständnis der ehemaligen Vetriebenen-Präsidentin ziemlich vage. Sind geschlossene Grenzen der Garant für Staatsgesundheit? Das sollte mal jemand Erich Mielke erzählen.

Deutsch für alle und für alles

Wenn Erika Steinbach einen Fragebogen zu ihren Hobby ausfüllen müsste, würde sie vermutlich "Zu allem eine Meinung haben" eintragen. Es geht nichts an ihr vorbei, vor allem nicht in der Twitter-Welt. Und wenn ein internationales Konzerthaus nicht auf Deutsch schreibt, ist das selbstverständlich eine Meinungsäußerung aus dem Hause Steinbach wert. Vielleicht wäre Social-Media-Manager in Altersteilzeit eine Perspektive für die Zeit nach dem Bundestag.

Wenn das nicht klappen sollte, wäre wenigstens diese Frage eines Twitter-Users seit dem Wochenende beantwortet:

Wer schützt uns eigentlich vor @SteinbachErika?

— Frederik Schindler (@Freddy2805) 26. Februar 2013

Es ist die Rente.