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match of the day

Weil Gary Lineker sich für Flüchtlinge einsetzt, fordert die „Sun" sein Karriereende

Gary Lineker will, wie andere Promis, einen humaneren Umgang mit der Flüchtlingskrise. Das missfällt allerdings der „Sun", die den Ex-Stürmer deswegen öffentlich anzählt.

von VICE Sports
21 Oktober 2016, 2:13pm

PA Images

Gary Lineker schoß sich mit 48 Toren im Nationaldress in die Herzen sämtlicher englischer Fußballfans. Auch bei seinen Ex-Vereinen bleibt der Bohème mit dem Hang zum exzessiven Twittern in guter Erinnerung. Mittlerweile ist der Stürmer aus den Midlands Gastgeber der beliebten Show „Match of the Day" bei dem Sender BBC One. Obwohl er auf dem Platz in seiner 16-jährigen Profikarriere nie eine Karte sah, so bietet seine „Harte Schale, weicher Kern"-Attitüde Platz für die ein oder andere Kontroverse.

Noch in der vergangenen Woche hätte man im Lexikon neben „Gentleman" ein Bild des Moderators gesehen. Mit seiner unbeschwerten Art, seinem britischen Humor—auch Twittertrolle, die ihn immer noch verarschen, weil er sich während der Weltmeisterschaft 1990 in die Hose gemacht hat—und nicht zuletzt mit seiner selbstironischen Unterhosenmoderation wurde er englischer als die Queen in einem Pub oder Jack Wilshere, wie er in einem Whirlpool raucht.

Heute sieht die ganze Situation anders aus. Denn die „Sun" möchte der Legende genau diesen Status absprechen, weil er eine links-grün-versiffte Lachnummer sei. Das wirft natürlich die Frage nach dem „warum" auf. Und die Antwort ist eben so überraschend wie schockierend: Er hatte sich empathisch gegenüber Flüchtlingen geäußert. Nachdem verschiedene Medien Bedenken am tatsächlichen Alter der im Schnellverfahren aufgenommenen, minderjährigen Flüchtlinge aus Calais äußerten, kritisierte Lineker via Twitter deren subtilen Rassismus.

Wie kann er nur! Diese Aussagen entsprachen natürlich nicht dem Bild von dem, was die „Sun" unter waschechter „Britishness" versteht. Daher zählten sie Lineker bezüglich seines Jobs beim BBC öffentlich an. Denn der 55-Jährige scheint nicht verstanden zu haben, wie die Welt zurzeit funktioniert: Wenn jemand andere Meinungen unverschleiert bei einem Sender wie dem BBC verbreitet, muss er sich nicht wundern, dass Gegenwind folgt.

Fast skandalfrei steht die „Sun" schon seit Jahren für die Maßstäbe des britischen Qualitätsjournalismus, mehr noch: Sie wurde mehr und mehr zur moralischen Instanz für alle Menschen nördlich des Ärmelkanals. Champagnersozialisten wie Lily Allen können ein Lied davon singen, was passiert, wenn man sich erdreistet, der Zeitung zu widersprechen. Denn ihre Werte wie Sitte und Anstand, Empathie und Menschlichkeit hinsichtlich der Flüchtlingskrise lassen sich nicht mit den Vorschlägen der „Sun", Flüchtlinge mit Hilfe von Militärbooten zu eliminieren, vereinen.

Menschen, wie Lineker, deren Antwort auf ein Problem „Menschenwürde" heißt, zeigen, dass es immer noch eine Menge Briten gibt, die gegen die populistischen Strömungen im Land anschwimmen und für ihre ehrlichen Meinungen auch bereit sind, zur Zielscheibe zu werden. Auf die Nachfrage der Meinungsmacher meinte sein Sprecher: „[Lineker] wird das nicht kommentieren, erst recht nicht bei euch!" Schande über dein Haupt, Gary!

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