"Femsploitation", Lesben und Klosterschulhorror: Das /slash einhalb Filmfestival
Popkultur

"Femsploitation", Lesben und Klosterschulhorror: Das /slash einhalb Filmfestival

Bevor wir den großartigen 'The Misandrists' präsentieren, findet ihr hier einige verstörende Klassiker, an die er uns erinnert – und die ihr unbedingt gesehen haben solltet.
4.5.17

Bruce LaBruce ist ein bekannter Fusion-Koch auf dem Filmsektor: Da werden L.A.-Schwulenporno und außerirdischer Zombie-Horror vermischt, Romantik und Alters-Fetischismus aufeinander losgelassen (in Geron) und in seinem neuesten Werk The Misandrists treffen jetzt auch noch die altbekannten Tropen von Schulmädchen-Mystery und bayrischem Klosterhorror auf sein visionäres Hirn.

Hier wird ein unheiliges Kloster zur feministischen Radikaliserungsstätte. Irre Nonnen, blutverschmierte Lesben und aggressivste Klischees beherrschen den Film. Wir hatten schon alleine beim Trailer mehrere Hundert wüst assoziative Gedanken dazu, welche Genre-Klassiker hier auf diverse Arten zitiert werden. Wäre The Misandrists (den wir am /slash einhalb präsentieren und für den wir auch Tickets verlosen) ein leckeres Süppchen, wären diese Filme fix die Hauptzutaten:

'Private House of the SS GIRLS'

Spätestens seit February, den wir ebenfalls schon mal beim /slash einhalb Filmfestival präsentiert haben, wissen wir, dass Schulmädchen mit ihrem schüchternen Blick und ihrer beunruhigenden Unschuld etwas extrem Gruseliges an sich haben können. Aber die Besucherinnen dieser Nazi-Privatschule stellen alles in den Schatten. Diese italienische Trash-Orgie hat den Kopfschüttelfaktor 100, pure Sexploitation und zur Draufgabe einen Nazi-Papst. Was will man mehr?

'Battle Royal'

Dieser Film ist vielleicht der einzige Grund, bei den Worten "japanisch" und "Schulmädchen" nicht sofort an Pornhub-Suchanfragen zu denken. Zum Inhalt: Eine Schulklasse verstörter und entsprechend uniformierter Jugendlicher werden gegeneinander aufgehetzt, um im Kampf bis zum Tod für Unterhaltung zu sorgen. So macht Schule Spaß. Dieser Film hat uns neben Hunger Games und dem damit verbundenen Hype vermutlich auch die Flut an nachfolgenden Reality-TV-Formaten und ihre gesellschaftliche Akzeptanz eingebracht. Danke für Donald Trump, ist was wir vermutlich damit sagen wollen.

'Jennifer's Body'

Das von Megan Fox dargestellte Teufelsweib aus den genialen Köpfen von Karyn Kusama und Diablo Cody ist ein unerwartet cooler Ausreisser der lahmen Ender 2000er mit ihren generischen Found-Footage- und DIY-Horrorstreifen. Fernab von Opferrollen und als groß angelegte Ode gegen Slutshaming wird hier aus den Begriffen "Maneater" und "Sukkubus" eine buchstäbliche Adaption.
Das bekommt man, wenn man die Regisseurin von Juno das Genre aufmischen lässt.
Ein solider, feministischer Sexspaß, prall gefüllt mit satanistischem Frauen-Empowerment.

'Sucker Punch'

Die Redaktion findet diesen Film zwar geschlossen ziemlich zum Kotzen, aber die Thematik der eingesperrten Prostituierten, die spießumdrehenden Stripperinnen und die missbrauchte Mädels-Clique passen als Prototypen trotzdem gut in die Deutungswelt von Bruce LaBruce und sind ganz abgesehen von der Handlung und den lahmen Animation fast schon die Zeit wert, die es dauert, um sich die Erinnerung an den Film im Nachhinein aus dem Gedächtnis zu saufen. Man kann sich richtig vorstellen, wie Bruce LaBruce Zack Snyders Film schaut und sich bei jeder furchtbaren CGI-Szene denkt: "Das kann ich besser. Und mit einem Prozent der Kosten. Katsching!" Vielleicht hat Bruce LaBruce sogar die Antwort auf die Frage, wie man einen Film trotz einer Figur wie Baby Doll und dem Steampunk-Nazi-Thema so dermaßen verhauen kann. Oder aber er weiß ein gutes Trinkspiel, mit dem sich das Schauen fast schon wieder lohnt. Saufen würden wir dazu auf jeden Fall empfehlen.

'The Ward'

Carpenters Spätwerk war definitiv kein Meisterwerk, aber ein interessantes Horror-Kammerspiel mit einer Mädchengang, die es vielleicht mit dem Girl Interrupted-Schauen ein wenig übertrieben haben könnte. Im Mädchenflügel einer surrealen psychiatrischen Abteilung werden nach und nach ihre hübschen Insassinnen ermordet. Die im Zentrum stehende Amber Heard wirft sich in den blutigen Kampf der Monsterkinder und Selbsterkenntnis. Persönlichkeitsstörungen sind immer die besten Protagonistinnen.

'Tag'

Lange konnten wir Japan und seiner Schulmädchen-Obsession nicht fern bleiben. Dieser Film wirft jedenfalls sehr viele Fragen auf. Zum Beispiel: Wie verrückt ist zu verrückt? Wie viele zerteilte Schülerinnen sind zu viele? Gibt es das Multiversum wirklich oder ist es eine einzige unverblümte Männerfantasie? Ab wann sind Explosionen am Schulhof nicht mehr in Ordnung? Crazy Film, crazy Schulmädchen, crazy gut.

'Suspiria'

Wenn es einen Film gibt, der es verdient hat, als ultimativer Vorreiter des Mädchen-im-Internat-Abschlachtungs-Horrors zu gelten, dann ist es mit ziemlicher Sicherheit dieser (oder alternativ Phenomena, der aber ohnehin vom selben Regisseur ist). Und das sagen wir nicht nur, weil wir Dario Argento schon persönlich getroffen und mit ihm ziemlich ausführlich über dieses Stück zentralperspektivische Exzellenz gesprochen haben. Alleine der Soundtrack ist so gruselig, dass ihr nach dem völlig bildlosen Hören auf Spotify oder Apple Music euren Account kündigen und euer Handy im Klo versenken wollen werdet. Dazu kommt noch der ziemlich unglaubliche Einsatz der Farbe Rot und das intensive Gefühl nach dem Schauen, noch nie zuvor einen richtigen Film gesehen zu haben, was Suspiria zu einer der besten Mädchenorgien abseits von Kink.com macht.

'All Cheerleaders Die'

Lucky McKees durch den filmischen Fleischwolf gedrehte Cheerleader-Horrorkomödie mit dem genauso selbsterklärenden wie internettigen Titel ist auf fast allen Ebenen ein neuzeitlicher Erfolg des Genre-Kinos. Er ist straight, aber wirr; lustig, aber schockierend; und genauso opak und wunderbar oberflächlich amerikanisch wie transzendental und tiefgründig traditionsbrechend. Und weil gerade von Soundtracks die Rede war: Zufällig wissen wir aus erster Hand (OK, von Twitter, aber trotzdem), dass McKee den Film gern in voller Lautstärke vorführen lässt und ihr ihn euch entsprechend auch mit dem Volume-Regler auf 11 anschauen solltet. Die Aufführung, die das bisher (laut Twitter) am besten hinbekommen hat, war übrigens die im Filmcasino. Im Rahmen des /slash Filmfestivals. Viel schöner kann sich ein Kreis gar nicht schließen.

'Carrie'

OK, wisst ihr noch, als wir vorher Suspiria in den Himmel gelobt haben? Vergesst das wieder. Oder erweitert es zumindest um den Satz: "Wenn es um Schulmädchen-Horror geht, muss selbst das größte Meisterwerk seinen Stockerlplatz für Carrie räumen." Kaum ein Film hat unser Bild von beklemmendem Schulhof-Mobbing so stark geprägt – und der Einsatz der Farbe Rot ist wohl auch in beiden Filmen ähnlich stark. Außerdem war Carrie ein Jahr früher dran, womit es noch dazu auf der Zeitachse den Trump ausspielen kann. So oder so solltet ihr auf jeden Fall beide schauen.

'Ginger Snaps'

Vier Worte: Rothaarige Teengirls und Werwölfe. Mobbing und Teenage-Angst treffen hier auf Empowerment als Monstrosität (also: so wie Männer sie in der Regel gerne sehen) und das Ganze wirkt dabei stark wie Buffy, nur ohne die Beschränkungen des jugendkonformen US-Fernsehens. Ein fescher Schockstreifen mit misantropischer Ghost World-Grundstimmung und den besten Frauenfiguren aller Werwolf-Filme, die – Überraschung! – sonst vorwiegend männlich dominiert sind.

Für das /slash einhalb haben wir auch diesmal wieder jeweils 1x2 Tickets für folgende Filme:

- Nova Seed
- XX
- The Dwarves Must be Crazy
- The Misandrists (presented by VICE)

Schreibt uns einfach eine Mail an win@vice.at mit dem gewünschten Filmtitel im Betreff und schon habt ihr eine Chance auf die schönste cineastische Zeit des Jahres.