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Rechtsextremismus

In Thüringen ist "Blood & Honour" jetzt offiziell wieder aktiv

Auch "Combat 18", der bewaffnete Arm der Neonazi-Organisation, ist zurück.

von Christine Kewitz
13 Mai 2017, 8:57am

Ein “Blood and Honour“-Anhänger in Ungarn | Foto: imago/ EST&OST

Schon Ende des letzten Jahres gab es den Verdacht, dass die verbotene Neonazi-Gruppierung "Blood & Honor" wieder in Deutschland aktiv ist. Das Landeskriminalamt ermittelte damals gegen mehrere Männer in Südthüringen. Doch nun ist amtlich: Die Organisation gibt es wieder, Mitglieder bekennen sich dazu. Das geht aus der Antwort der Thüringer Landesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken-Politikerin Katharina König-Preuss hervor, die VICE vorliegt.

In den letzten Jahren habe es demnach in Kirchheim bei Erfurt Rechtsrock-Konzerte gegeben. Deren Veranstalter waren in dem verbotenen Netzwerk aktiv. Außerdem habe es knapp 30 Vorkommnisse gegeben, bei denen die Embleme von "Blood & Honour" auf T-Shirts, Grafittis, Tattoos oder CDs auftauchten, schreibt die Landesregierung in der Antwort.

"Blood & Honour" entstand in den 1980er Jahren in England, gegründet von Ian Stuart Donaldson, dem Sänger der rechtsextremen Band "Skrewdriver". Sein Ziel: Neonazistische Bands sollten sich besser untereinander vernetzen können und so ihre Ideologie verbreiten. "Blut und Ehre!" war eingeätzt auf den Messerklingen der Hitlerjugend. Der Slogan taucht auch in den Nürnberger Rassengesetzen von 1935 auf, in denen sich das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" befindet.

Die Gruppierung hat eine terroristische Unterorganisation namens Combat 18, was "Kampftruppe Adolf Hitler" bedeutet – 1 für A, 8 für H. Und Kampf ist auch ihr Ansatz: Sie wollen politische Gegner mit Hilfe von Gewalt und Waffen bekämpfen. Wegen dieser Gewaltbereitschaft ist die Organisation, wie auch "Blood & Honour", seit 2000 in Deutschland verboten.


Auch bei VICE: Die geheime Waffenschule


Anfang des Jahres kam heraus, dass "Combat 18" hierzulande bereits seit vier Jahren wieder tätig ist. Das bestätigte die Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Die Mitglieder sollen in der ganzen Bundesrepublik verteilt leben. NDR und SZ erfuhren damals, dass Informanten außerdem Hunderte Hinweise auf Aktivitäten von "Blood & Honour" beim Verfassungsschutz eingereicht hatten.

Nun ist klar, dass es die Organisation tatsächlich wieder gibt – in Thüringen. Der MDR zitiert Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer wie folgt: "Wir müssen aber feststellen, dass es internationale Vernetzungen – Österreich, Schweiz, Ungarn – gibt, die hier auch bei Veranstaltungen auftreten, sichtbar auftreten. Und dass sie umgekehrt auch unterwegs sind zu Schießtrainings ins Ausland."

Eines der größten Musikfestivals der rechten Szene findet dieses Jahr wieder im thüringischen Hildburghausen statt. Es werden bis zu 5000 Besucher erwartet. "Die Veranstaltung wird in den internationalen "Blood & Honour"-Foren angekündigt und in Ländern beworben, in denen die Gruppierung nicht verboten ist", sagt Linken-Politikerin König-Preuss gegenüber VICE.

Besonders die Russlandkontakte von Thüringer Neonazis sieht der Verfassungsschutz des Bundeslands als Problem, berichtet der MDR. "Es gibt Vermutungen, dass diese rechtsextremistische Szene (...) nicht ohne Aufmerksamkeit des Kremls beziehungsweise der russischen Sicherheitsorgane agiert. Insofern passt das in die Kategorie der Destabilisierungsstrategien, die in Russland gefahren werden, und die wir auch in anderen europäischen Ländern erleben", so Verfassungsschutzpräsident Kramer.

König-Preuss, die die kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt hatte, sagt, es handele sich nicht um Einzeltäter, sondern um Strukturen. "Wenn die Leute sensibilisiert sind, dass es "Blood & Honour", "Combat 18" oder den "III. Weg" in Thüringen gibt, dann achten sie auch darauf, was auf den Shirts steht und welche Lieder die Bands spielen." Verbotenes Material solle man sofort der Polizei melden. "Nur so können wir die Nazis in den Griff bekommen – mit ganz viel Kontrolle und Aufklärung der Bevölkerung", so König-Preuss.

Andernfalls werden die Anhänger von "Blood & Honour" mit ihrem Spruch Recht behalten: "Trotz Verbot nicht tot".

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