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Genre Lifestyle

Das Wurstbrot verdient viel mehr Liebe

Es ist so einfach das Wurstbrot zu hassen. Aber wenn man in Deutschland nicht mal mehr stolz auf die Wurst sein kann, was bleibt denn dann? Wurstbrot is a lifestyle. Es ist deutsche Leitkultur.

von Marc Schweizer
03 Mai 2017, 11:02am

Foto: Imago | imagebroker

Wenn du wissen willst, wie du ein cooler Typ wirst, reicht eine Google-Suche. Google mal „Cool Hair 2017" und schon gibt es 47.000.000 Arten, cool zu sein. Nicht cool zu sein, das ist deutlich leichter, du musst einfach nur ein Wurstbrot in der Öffentlichkeit essen. Dann weißt du, wie sich Einsamkeit anfühlt, echte Einsamkeit.

Das Wurstbrot kommt nicht mehr gut an, es ist nicht mehr überall präsent, es verschwindet. „Wurst ist die Zigarette der Zukunft", sagt der Chef der Rügenwalder Mühle, Wurst wird in Zukunft geächtet werden. Und der muss es wissen, darum hat er die vegetarische Wurst ins Programm genommen (was wiederum der Agrarminister Christian Schmidt nicht sonderlich gut fand, er wollte das „verbieten").

Auch bei MUNCHIES: Wie man Wurst macht – mit Seth Rogen


Die Wurst entspricht nicht mehr dem Zeitgeist, es ist einfach zu viel Tier im dünnen Darm – und so sieht es auch aus, nach Fleisch. Die Wurst ist in Verruf geraten als Müllhalde des Metzgers und wenn man sie zu lange im Kühlschrank liegen lässt, bekommt sie manchmal diesen Glibber. Nicht einmal United Airlines macht so viele Negativschlagzeilen wie die Wurst. Wenn man in Deutschland nicht mal mehr stolz auf die Wurst sein kann, was bleibt denn dann? Deutschland ist doch eine Wurstrepublik.

Aber das Wurstbrot hat noch mehr Probleme als die Wurst. Denn das Brot muss grau sein und das in einer Zeit, wo alles nur noch in Regenbogenfarben verkauft wird. Was soll das überhaupt? Nicht wichtig, jetzt zumindest. Außerdem: Carbs. Doch ein Wurstbrot ist eine einfache Sache – und eine gute Sache, wenn die Zutaten stimmen. Gutes Brot, Gutebutter [sic] und anständige Wurst, je nach Alter auch mit Gesicht, sonst Zervelat, das ist Omas Wurst.

So sieht das nämlich aus. Foto: Imago / Niehoff

So sieht das nämlich aus. Foto: Imago | Niehoff

Das Imageproblem geht weiter, denn wird ein Wurstbrot dann doch mal transportiert, wird es noch schlimmer. Es ist ein Dilemma: Wird es mit auf die Schulhöfe oder auf die Arbeit mitgenommen, wird es entweder in Alufolie (Müll, schlimm) verpackt. Oder – schlimmer noch: Tupper. Wann immer jemand irgendwo eine Tupperdose aufmacht, stirbt etwas in ihm. Tupper trägt man nicht mit Stil. Dazu kommt: Das Wurstbrot riecht und dann schauen die Menschen und sie schauen böse. Das Wurstbrot bringt keinen sozialen Status, es ist ein Essen höchstens für füllige Fabrikarbeiter. Das ist herablassend. Das Wurstbrot nicht zu mögen ist zu einfach, so wie Menschen Bayern nicht mögen, Fler oder die VICE. Das Wurstbrot hat es eigentlich nicht verdient, in dieser Reihe zu stehen, denn das Wurstbrot ist ehrlich.

Es gibt nicht vor, edel zu sein oder etwas Besonderes. Es ist viel Fleisch und viel Fett, es macht lange satt und man tendiert dazu, davon immer etwas zu viel zu essen. Das Wurstbrot ist ein Essen, das alle gleich macht. Und sei es nur gleich dick.