Anzeige
Fotografie

[NSFW] Jeffery Scotts erotische Sci-Fi-Fantasien

Der Künstler erschafft durch digitale Fotobearbeitung posthumanistische Zukunftsvisionen.

von DJ Pangburn
02 Mai 2017, 8:29am

Bilder mit freundlicher Genehmigung des Künstlers. Titelbild: Agent Hot House and the Discovery of the Great American Family Portrait.

Auch wenn es unzählige Science-Fiction-Filme gibt, sind die digitalen Medien eigentlich noch besser dafür geeignet, sich die Zukunft der Menschheit bildhaft vorzustellen. Der Fotograf Jeffery Scott ist ein Künstler, der sich mit dem Posthumanismus nach Erreichen der Singularität künstlerisch auseinandersetzt. Um seine faszinierenden Bilder vom Menschen 2.0 zu erschaffen, kombiniert Scott digitale Fotoaufnahmen mit aufwändigen Photoshop-Bearbeitungen. In seinen Werken vereinen sich Science-Fiction, Surrealismus und Erotik zu einem ganz eigenen Stil.

Scott erzählt uns, dass er in den vergangen Jahren bereits in vielen Medienbereichen gearbeitet hat: als Maler, Illustrator, Bildhauer und Fotograf. Außerdem war er 15 Jahre lang in der Filmbranche als Bühnenbildner für Musikvideos und Werbeaufnahmen tätig und sagt, dass es sein großer Traum ist, als Filmregisseur zu arbeiten. Scott meint, dass all diese Erfahrungen ihn einen Schritt näher an seine jetzige kreative Tätigkeit gebracht haben.

A Sunday Afternoon Walk in the Yard

Fast alle Elemente in Scotts Bildern stammen aus Fotos, die er selber geschossen hat. Die Elemente, die nicht fotografiert wurden, malt er. Jedes seiner Werke überarbeitet er 50 bis 400 Stunden lang in Photoshop. Scott zögert, seine Arbeiten als „digitale Kunst" zu bezeichnen, da dies die Nutzung von Werkzeugen wie Zbrush oder Maya impliziert, die er für seine Arbeiten nicht verwendet.

Scott folgt bei seinen Bildern immer dem selben Prinzip: Er beginnt mit einem nackten Motiv und fügt dann immer mehr Schichten und Details hinzu. Er meint, dass das viel leichter sei, als Elemente im Nachhinein von einem fotografierten Objekt zu entfernen. Scott nennt das Bild Agent Hot House and the Discovery of the Great American Family Portrait, das Titelbild unseres Artikels, als gutes Beispiel für diese Vorgehensweise. Das Bild zeigt ein weibliches Fotomodel in einem engen roten Latex-Raumanzug, die über ein paar halb vergrabenen Schädeln hockt.

A Definitive No-Man's Land was Developed to the Great Experiments of 2036

„Wenn das Model auf dem Bild nackt ist, kann ich dem Bild alles hinzufügen, bis es meiner Vision entspricht", erklärt Scott. „Somit sind dem Werk keine Grenzen gesetzt und somit muss ich auch keine Kompromisse eingehen. Ich möchte bei meiner Arbeit keine Kompromisse eingehen. Meine Vision sollte am Ende genau das sein, was in der Arbeit zu sehen ist."

Schon ein kurzer Blick auf Scotts Arbeit verrät seine große Vorliebe für Science-Fiction-Darstellungen, vor allem jene, die Buchtitel zieren oder im Heavy Metal-Magazin zu sehen sind. In seinen Arbeiten zeigt sich eine Mischung aus Horror und Fantasie, die an die Arbeiten von H.R. Giger erinnert.

„Transhumanismus und Singularität faszinieren mich sehr", beschreibt Scott die Konzepte, die sich durch seine Werke ziehen. „Ich halte sie für unausweichliche Schritte in der Entwicklung der Menschheit. Es sind unabwendbare Fortschritte in unserer Evolution."

Medialand: The Bastardization of Humanity in a Time of Great Need

„Obwohl ich von diesen Themen sehr fasziniert bin, bin ich nicht sehr enthusiastisch, was die wahrscheinlichen Konsequenzen betrifft", fügt er hinzu. „Wir leben in einer Zeit, in der wir Dinge einfach erschaffen, weil wir es können. Dabei machen wir uns, so scheint es, nur sehr wenige Gedanken über die Konsequenzen. Darum gebe ich mit meinen Arbeiten einen zukunftsgerichteten Sozialkommentar ab."

In der erotischen Arbeit A Definitive No-Man's Land was Developed to the Great Experiments of 2036 spiegeln sich Scotts Ansatz und Stil sehr gut wider. In dem Bild sehen wir ein weibliches Wesen aus der Zukunft mit einem in die Länge gezogenen alienhaften Kopf. Während seine vier Beine auf dem gefliesten Boden ausgestreckt sind, schaut es dem Betrachter direkt in die Augen.

My Daydream While in Room 101

„Das Bild besteht aus verschiedenen Aufnahmen des Models die mit einem künstlichen, digital gezeichneten Hintergrund zusammengefügt werden", erklärt Scott. „Ich finde, dass dieser Prozess den surrealen, traumartigen Eindruck, den ich erzielen wollte, noch verstärkt."

Ein anderes eindrucksvolles Bild ist Scott mit Various Generations to Recreate the Perfect Memory gelungen. Hier hat Scott das Nacktmodel in drei unterschiedlichen Posen fotografiert und aus jeder dieser Posen einen Androiden in unterschiedlichen Phasen des Lebens geschaffen: jung, alternd und tot.

When Your Face Becomes My Dream

„Bei diesem Bild dreht sich alles um die Geschichte", sagt Scott. „Ich wollte eine Geschichte in der Geschichte erzählen und jedes Element in dem Bild bringt die Story voran. Das Bild ist aus dem neuen Buch, das bald erscheinen wird, und das Kunstwerk ist Teil der Geschichte."

Scott hat kürzlich 127 Bilder für ein neues Buch fertig gestellt, an dem er neun Jahre lang gearbeitet hat. Das Buch ist beim Baby Tattoo Books Verlag erschienen, der auch Scotts frühere Werke verlegt hat. Scott arbeitet bereits an seinem nächsten Projekt: Er möchte Alice im Wunderland von Lewis Carroll durch eigene surrealistische Illustrationen ergänzen.

Various Generations to Create the Perfect Memory

Weitere Werke von Jeffery Scott findet ihr hier.

Tagged:
Creators
Sci-Fi
Science Fiction
android
zukunft
Surrealismus
posthumanismus
Jeffery Scott