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Los Angeles Clippers

Die Clippers müssen endlich aufhören, Chris Paul zu verschleißen

CP3 muss die Finals mal wieder von der Couch aus verfolgen. Wir sagen: Damit das endlich anders wird, muss er schon vor den Playoffs häufiger aufs Sofa!

von DJ Dunson
27 Mai 2015, 7:15am

Photo by Thomas B. Shea-USA TODAY Sports

Mit seinen 1,83 m gehört Chris Paul zu den körperlich am wenigsten einschüchternden NBA-Aushängeschildern, seit ein gewisser Allen Iverson der gegnerischen Defense auf der Nase herumgetanzt ist. Doch wer muss schon zwei Meter groß sein, wenn er auch so auf Platz sechs in der ewigen NBA-Rangliste steht, was Effizienz in der Postseason betrifft? Doch damit nicht genug: In den letzten zehn Jahren hatte nur Steve Nash einen noch besseren Wert beim sogenannten „Assist percentage" (der aussagt, wie viel Prozent der Field Goals auf das Assist-Konto eines Spielers gingen, wenn dieser auf dem Spielfeld stand). Nash war übrigens auch einer von ganz wenigen Spielern, die—nachdem sie 30 wurden—ihr Spiel noch verbessern konnten. Und noch was: Er ist auch der einzige MVP a.D., der es nie bis in die Finals geschafft hat. Kommt euch das irgendwie bekannt vor, CP3-Fans?

Schaut man sich die diesjährigen Werte von Paul an, stellt man fest, dass er nichts an seiner absoluten Weltklasse eingebüßt hat. Paul ist noch immer einer der Herrscher des Spiels. Das liegt auch an seinem guten Kräftemanagement. Er achtet stets darauf, sich in der Offense nicht zu verausgaben, um auch noch in der Defense stets eine Schippe rauflegen zu können. Doch wenn wir über CP3 sprechen, kommen wir auch nicht drum herum, über seine ausgeprägte Mecker-Vorliebe gegenüber Schiedsrichtern und Mitspielern zu sprechen. Und natürlich seine zahlreichen künstlerisch wertvollen Schwalben a.k.a. Flops!

Tu nicht so, auch du liebst heimlich Flops im Basketball

Doch nicht alles, was Paul macht, ist unkonventionell. Er macht auch das, was gute Point Guards nun mal machen müssen—nur meist eben noch viel, viel besser als die meisten auf seiner Position. Paul kann mit dem Ball umgehen, als sei es sein Lieblings-Jo-Jo. Er lässt sich oft beim Spielaufbau extrem viel Zeit, um den perfekten Spielzug in seinem Kopf zu entwerfen. Nach langer Introspektion folgen bei ihm oft wahnwitzig kreative Zuspiele. Oder eben—nach einem super Dribbling—ein perfekter Abschluss aus dem Halbfeld. Auch seine Lob-Anspiele sind eine Klasse für sich, die natürlich in der Person von DeAndre Jordan auch einen perfekten Abnehmer gefunden haben. Welcome to Lob City!

Doch dieser geniale Aufbauspieler hat einen großen Makel in seiner Vita stehen. Er ist noch nie über die zweite Runde der Playoffs hinausgekommen. Und das Problem dabei ist, dass auch CP3 nicht mehr der Jüngste ist.

Genau so, wie es Doc sehen will. Foto: Troy Taormina/USA TODAY Sports

Chris Paul ist am 6. Mai 30 geworden. Und auch wenn einem der Gedanke gefallen könnte, dass Superstars nicht so schnell in die Jahre kommen, haben uns zuletzt selbst die Spurs gezeigt, dass auch sie nicht gegen das Älterwerden immun sind.

Auch wenn einige Indizien dafür sprechen, dass sich Paul schon jetzt weitaus besser auf sein Ü30-Dasein einzustellen weiß als manch anderer. Das wurde etwa diese Saison schon dadurch deutlich, dass er viel seltener „in the paint" zu finden war und stattdessen häufiger sein Glück von außen suchte.

Wie geht man als NBA-Profi also am besten damit um, wenn man langsam in die Jahre kommt? LeBron hat sich zum Beispiel nach seinem 30. Geburtstag mitten in der Saison eine zweiwöchige Pause gegönnt, um mal wieder die Akkus aufzuladen und sich Power für die Postseason zu holen. Oder man macht es wie der clevere Kellermeister Gregg Popovich. Der hat die edlen, über 30 Jahre alten Tropfen in seinem Kader immer mal wieder während der Regular Season zum Abkühlen auf die Bank gesetzt und gleichzeitig den Jüngeren mehr Spielzeit gegeben und somit ihren Reifeprozess beschleunigt. So clever war Clippers-Coach Doc Rivers leider nicht, auch wenn man zu seiner Entschuldigung sagen muss, dass sich der designierte Backup-Spieler von Paul, Jordan Farmar, als Mega-Flop entpuppt hat und noch im Januar vom Hof gejagt wurde. Doch auch ohne Farmar wäre es möglich gewesen, Paul mehr Erholungsphasen einzuräumen. Stattdessen wurde er erstmalig in allen 82 Spielen der regulären Saison eingesetzt. Auch wenn ein Blick in die Statistik verrät, dass das an sich keine schlechte Idee war. Denn mit CP3 auf dem Feld gelangen den Clippers 12,2 Punkte mehr als ihren Gegnern (bei jeweils 100 Ballbesitzen). Saß er hingegen auf der Bank, kamen ihre Gegner zu 7,6 Punkten mehr als Lob City. Was also schon von der Couch so aussah, haben auch die NBA-Datensammler bestätigt: Chris Paul war der Motor der Clippers.

Paul ist großartig, doch die wohl wichtigste Frage lautet: Wie viel kann er noch aus seinem Körper rausholen? Und vor allem: Wie lange noch? Denn jetzt, wo aus CP3 CP30 wurde, hat die Frage, wie—und vor allem auch wo—er seine Zukunft gestalten sollte, deutlich an Dringlichkeit gewonnen.

„Wie konnte uns das nur passieren gegen die Rockets?" Foto: Richard Mackson/USA TODAY Sports

Paul hat die Anfänge seines „Älterwerdens" mit taktisch klugem Spiel und mehr Würfen von außen in die Leere laufen lassen. Er hat das geschafft, weil er ein Meister seines Fachs ist. Doch selbst ein Chris Paul kann die Realität nicht ewig aufschieben.

Chris Paul und seine Clippers müssen sich unbedingt weiterentwickeln, damit es endlich für die (Conference) Finals reicht. Dazu gehört auch und vor allem, dass sie Paul nicht schon während der Regular Season verschleißen und ihm mehr Ruhepausen gönnen, vor allem wenn es gegen deutlich unterlegene Gegner geht, die man auch ohne einen CP3 vom Platz fegen muss. Das würde jedoch voraussetzen, dass man endlich einen verlässlichen Backup-Spieler für Paul findet.

Das extrem schnelle Spiel der Clippers ist natürlich keine optimale Voraussetzung, um einen in die Jahre kommenden Viersternegeneral zu schonen. Am hohen Tempo wird—und sollte—sich aber auch nicht viel ändern. Doch niemand kann leugnen, dass die Uhr für Paul, und damit auch für die Clippers, tickt. In dieser Saison hat man noch eine 3:1-Führung gegen Houston verspielt. Für Paul ist das vor allem auch deswegen so ärgerlich, weil er vielleicht nie wieder so starke Mitspieler an seiner Seite haben wird. Dennoch gibt es keinen Grund, den Kopf allzu lange hängen zu lassen. Die Clippers haben ein an sich funktionierendes Team mit einem einzigartigen Point Guard. Jetzt heißt es Ärmel hochkrempeln und endlich auch in den Playoffs Erfolge einfahren.

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