Rassismus

Eine Neonazi-Gruppe hat kürzlich die „Miss Hitler 2016“ gekürt

Auf die Frage, wen sie am liebsten umbringen würde, antwortete die siegreiche Schottin: Angela Merkel. Zuvor hatte sie Konkurrentinnen wie „Lady of the Lolocaust" und „BuchenwaldPrincess" ausgestochen.
11.7.16
national-action.info

In Großbritannien wurde vor Kurzem eine junge Schottin von der Neonazi-Gruppe National Action zur „Miss Hitler 2016" gekürt. Der Wettbewerb fand über soziale Netzwerke statt, um die weiblichen Mitglieder der männerdominierten Neonazigruppe zu präsentieren, die laut eigener Aussage vorwiegend aus jungen Männern „von Anfang bis Mitte 20" besteht. Das Rennen machte eine junge Frau aus Schottland, die unter dem Pseudonym „A-Bus-Full-Of-Retards" (also „Ein-Bus-voller-Idioten") im Netz auftritt.

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National Action hat den Wettbewerb ursprünglich über Facebook ins Leben gerufen, doch das soziale Netzwerk hat die Seite der Gruppe gelöscht—ähnlich wie in Russland, wo 2014 die Seite eines Schönheitswettbewerb für antisemitische Frauen von VKontakte, der russischen Version von Facebook, entfernt wurde. Nach dem Ausschluss von Facebook setzte National Action seinen Wettbewerb über Twitter fort und erhielten dort mehrere Bewerbungen von Frauen, die sich selbst als „Lady of the Lolocaust", „BuchenwaldPrincess" oder „Eva Bin Gassin" bezeichneten.

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Die Fotos der Gewinnerinnen der „Miss Hitler 2016" erschienen zusammen mit einem kurzen Interview auf dem Blog von National Action. „A-Bus-Full-of-Retards" erklärte darin, dass sie gerne liest, im Netz nach esoterischen Memes sucht und dabei zusieht, „wie sich die Roten über unseren Werbegag aufregen."

Auf ihren Fotos sieht man, wie sie in ihrem Neonazi-Outfit mit einem Halstuch, das die Hälfte ihres Gesichts bedeckt, den Hitlergruß macht. Außerdem erzählt sie den Lesern, dass sie jüdische Menschen nicht immer gehasst hat. „Ich wollte nicht glauben, dass die Juden unsere Feinde sind, weil ich in dem Glauben groß geworden bin, dass sie Christen sehr ähnlich sind. Aber eines Tages wurde die jüdische Propaganda einfach so offensichtlich, dass ich es nicht weiter ignorieren konnte. Deswegen wurde ich Mitglied bei NA", sagt sie.

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Miss Hitler 2016 https://t.co/WAsLwhC1Z9 pic.twitter.com/t0AdVpPvL2
— National Action (@national_action) 24. Juni 2016

Auf die Frage „Wenn du jemanden umbringen und damit davon kommen könntest, wen würdest du dann umbringen und warum?" antwortete „Miss Hitler 2016", dass sie sich für Angela Merkel entscheiden würde und fügte an, dass sie sie „in eines ihrer Camps sperren und ihre geliebten Flüchtlinge den Rest machen lassen würde."

Trotzdem wehrt sich National Action nach wie vor gegen den Vorwurf, illegale Gewalttaten zu dulden. Die Gruppe unterstützt jedoch „legale Gewalt"—was auch immer man sich darunter vorstellen kann. Ihr erklärtes Ziel eines „weißen Großbritannien" lasse sich ihrer Meinung nach „nur mithilfe der Staatsgewalt und der Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen wie der Polizei, der Armee und dem Geheimdienst" verwirklichen.

Während in Deutschland die steigende Popularität von rechtspopulistischen Parteien wie der AfD und NPD für ein deutlich fremdenfeindlicheres Klima sorgt, in dem alte Naziparolen wieder salonfähig zu werden scheinen, hat Großbritannien ein echtes Antisemitismusproblem. Simon Round, Mediensprecher des Board of Deputies of British Jews, sagte gegenüber Broadly, dass Antisemitismus in Großbritannien 2014, während der Militäraktion Israels im Gazastreifen, ein neues Rekordhoch erreicht hat. „Es kam von verschiedenen Seiten her zu Unruhen und die jüdische Gemeinde hatte das Gefühl, dass sich die Zahl der antisemitischen Übergriffe zuspitzte. Es ist seither wieder ruhiger geworden, aber 2014 war definitiv das Jahr mit der dritt- oder vierthöchsten Zahl an antisemitischen Übergriffe. Daran besteht kein Zweifel."

Eine Verbindung zwischen Brexit und dem zunehmenden Antisemitismus sieht Round allerdings nicht. „Es gab definitiv einige rassistische Vorfälle, aber sie waren nicht explizit gegen die jüdische Gemeinde gerichtete, sondern gegen europäische Migranten."