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Urin

Kein Scheiß: In Berlin hat gerade jemand eine Urkunde fürs Urinieren bekommen

Die niederländische Touristin wusste gar nicht, wie ihr geschieht.

von VICE Staff
05 Mai 2017, 7:00am

imago | imagebroker

Man muss kein fanatischer Heimscheißer sein, um öffentliche Klos unangenehm zu finden. Meistens riecht es da ein bisschen komisch, auf dem Boden liegt immer ein matschiger Haufen nasses Klopapier, und man weiß nie genau, ob nicht plötzlich ein schreiender Drogenabhängiger oben auf den Rahmen springt, um sich gleich danach Heroin an Ort und Stelle stöhnend in den Nacken zu spritzen. So war das zumindest bei Christiane F. Das Beste an öffentlichen Klos ist also für die meisten von uns der Moment, wenn wir sie wieder verlassen können.

Es sei denn, draußen stehen zwei bebrillte Herren in Steppjacken, die begeistert auf dich zuspringen und dir mit breitem Lächeln eine Urkunde und einen Blumenstrauß überreichen, weil du der millionste "Kunde" auf dem Klo bist. Und die dich dann noch zwingen, die ganze Erniedrigung auf einem Foto festzuhalten.


Auch bei VICE: You don't know shit – Der Weg von menschlichen Ausscheidungen


Genau das ist am Mittwoch Judith R. passiert, als sie aus dem WC-Center am Breitscheidplatz trat (ja, genau, auf DEM Breitscheidplatz, was das Ganze irgendwie auch nicht angemessener macht). Die ahnungslose Niederländerin muss nicht schlecht über die Sitten in der deutschen Hauptstadt gestaunt haben, als sie von dem Vorstand sowie dem Geschäftsführer der Wall AG in Empfang genommen und herzlich zu ihrem erfolgreichen Stuhlgang beglückwünscht wurde. Trotzdem schaffte die höfliche Niederländerin es sogar noch, ihre "Begeisterung" über die "Sauberkeit der Toiletten in Berlin" zu bekunden.

Die beiden Herren überreichten ihr daraufhin strahlend eine ziemlich große Urkunde, auf der in ebenfalls sehr großen Lettern "Herzlichen Glückwunsch" geschrieben steht (was darunter steht, ist leider nicht wirklich lesbar, aber es scheint sich um einen Gutschein für einen Theaterbesuch für zwei Personen zu handeln. Wir wären außerordentlich gerne dabei, wenn Judith ihrer potenziellen Begleitperson erklärt, wie sie sich dieses Freebie verdient hat.)

Die Ehre hat sich Judith dadurch verdient, dass sie die millionste Benutzerin des WC-Centers ist, auf das die Wall AG offenbar außerordentlich stolz ist. Zu Recht, denn laut des Artikels auf Im Westen Berlins handelt es sich dabei um "eine barrierefreie, hochmoderne Toilettenanlage in anspruchsvollem Design", mit der die Wall AG für "eine flächendeckende Toiletteninfrastruktur" in der "City West" gesorgt hat. Respekt!

Aber auch Judith wird der 3. Mai 2017 wohl lange Weile in Erinnerung bleiben. Die millionste Nutzerin des WC-Centers am Breitscheidplatz, das kann sich wirklich nicht jede auf die Fahne schreiben!

Vielleicht hat diese Auszeichnung unsere niederländische Freundin aber auch nachdenklich gemacht. Eine Million Stuhlgänge. Bei einer durchschnittlichen Miktionsmenge von 300 Millilitern – ja, es gibt ein wissenschaftliches Wort für den Vorgang des Pinkelns und es heißt Miktion – bei einer Miktionsmenge von rund 300 Millilitern also ergeben sich daraus ganze 300.000 Liter menschlichen Urins. Wenn man jetzt einfach mal Pi mal Daumen annimmt, dass jeder fünfte Klo-Besucher da nicht nur seine Blase, sondern auch seinen Darm entleert hat, wobei wir von einer durchschnittlichen Kotmenge von 250g ausgehen (das ist etwas höher als der Durchschnitt, weil in Berlin mehr Vegetarier leben und Vegetarier wegen der vielen Ballaststoffe im Durchschnitt mehr Kot auf die Waage bringen), dann kommen noch ganze 50 Tonnen "Feststoff" dazu.

Das sind Mengen, die fast die Vorstellungskraft sprengen. Der ganze Urin, der durch das WC-Center am Breitscheidplatz geflossen ist, würde ein 300-Kubikmeter-Becken füllen, in dem dann noch lose 50 Tonnen Kot schwimmen. Und ganz oben, in der Mitte des Beckens, treibt Judith R. auf einer Luftmatratze mit Wall-Logo. Sie ist die unangefochtene Herrscherin, sie ist die Krönung dieser ungeheuren Leistung, die durch die Kontraktionen und Dehnungen von einer Million Schließmuskeln, Harnblasenhälsen und Mastdärmen erbracht wurde.

Ein erhabenes Gefühl, das auch der bodenständigsten Niederländerin schnell zu Kopf steigen kann. Wir können nur hoffen, dass Judith R. es schafft, ihrer immensen Verantwortung auch weiterhin gerecht zu werden.

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