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Die heterosexuellen Männer, die Sex mit Transfrauen haben

Sex mit einer Transfrau haben zu wollen, ist nicht das Gleiche, wie Vorurteile hinter sich zu lassen und eine echte Beziehung mit ihnen einzugehen.

von Diana Tourjée
30 Oktober 2016, 9:20am

Illustration by Eleanor Doughty

Matt wusste nicht, dass Mädchen auch einen Schwanz haben können, bis er in seinem Nacktmagazin auf das Model mit ihren 18 Zentimetern stieß. Seine Handbewegungen wurden schneller. Doch bei dieser verschwitzten Masturbation in seinem Schlafzimmer in Brooklyn kam ihm ein beunruhigender Gedanke: Hieß das nun, dass er schwul war?

Dreißig Jahre nach jenem schicksalhaften Tag in seinem Jugendzimmer traf ich mich mit Matt in seinem Zuhause. (Sein Name wurde geändert.) Wir saßen an entgegengesetzten Enden des Sofas aus Wildlederimitat, er in Basketballshorts und einem weißen T-Shirt. Matt ist inzwischen Ende 40 und stämmig, mit Armen und Beinen, die nach Jahrzehnten der körperlichen Arbeit einen stolzen Umfang aufweisen. Heute ist er frei von den Seelenqualen, die ihn jahrelang heimgesucht haben. „Es hat mich geistig krank gemacht", sagte Matt.

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In den 1980ern war es besonders einschüchternd für einen trans-amourösen Mann, sich seiner sexuellen Identität zu stellen. „Das Stigma, das in meiner Jugend der Homosexualität anhaftete, war schrecklich", sagte Matt. „Man konnte nirgends hin, es gab kein LGBT-Zentrum. Die meisten Leute hatten in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, nicht mal einen Kabelanschluss." Er hatte viel zu verlieren, so fand er—nicht zuletzt seine Identität als heterosexueller Mann.

Es gibt viele Männer, die diese Angst teilen. Auf Reddit, einer Seite, die vielleicht den besten kulturellen Querschnitt unserer Zeit bietet, machte ein trans-amouröser Mann vor Kurzem seinem inneren Aufruhr Luft. Er schrieb von seiner Beziehung mit einer Transfrau und der Ablehnung, die seine Familie und seine Freunde ihr zuteil werden ließen. Er schrieb, sie würden ihn verspotten, ihn fragen, ob sie einen Schwanz habe, und ihn schwul nennen. „Sie ist pre-op, aber ich sehe sie trotzdem als Mädchen", schrieb er. Auf anderen Foren fragen Nutzer Hetero-Männer, ob es für sie in Frage kommen würde, eine Transfrau zu daten. Manche antworten mit einem direkten Nein, andere scheinen kein Problem damit zu haben, so lange sie gut als Frau durchgeht und heiß ist. Doch es gibt noch eine weitere häufige Antwort, die die Problematik dieses Themas perfekt zusammenfasst. Nutzer kelevra206 schrieb: „In einer anderen Gesellschaft glaube ich nicht, dass ich ein Problem damit hätte, mit einer Transfrau zusammen zu sein, aber ... so wie die Dinge stehen, könnte ich das einfach nicht."

In einer anderen Gesellschaft glaube ich nicht, dass ich ein Problem damit hätte, mit einer Transfrau zusammen zu sein.

Matt hatte seine erste transsexuelle Erfahrung 1987, mit einer Transfrau, die er am West Side Highway mitnahm. Dieser New Yorker Straßenabschnitt verläuft parallel zum Hudson, von den südlichen Häfen Manhattans bis hoch zur Upper West Side, und war einmal ein berüchtigter Straßenstrich für Transgender. Obwohl Matt der Sex an sich gefiel, dauerte es nach seinem Orgasmus nicht lange, bis sich ihm vor Angst die Kehle zuschnürte. „Ich fuhr sie zurück und war dabei so nervös—‚Was, wenn mich jemand sieht?'. Ich hatte solche Angst—‚Habe ich mir jetzt HIV geholt?'. Ich hatte solche Angst, es jemandem sagen zu müssen."

Das war auf der Höhe der AIDS-Epidemie. Eine Krankheit, die sich jeder Mensch zuziehen könnte, war zu einem Symbol des kulturellen Stigmas gegen Homosexualität geworden. „Es gab keine Heilung", sagte Matt und schüttelte den Kopf. „Tot, aus, vorbei. Wir haben Kondome verwendet, aber ich hatte mehr Angst vor diesem Konflikt." Der interne Konflikt, den Matt in Bezug auf seine Identität als heterosexueller Mann spürte, erschreckte ihn mehr als die Vorstellung, sich mit HIV zu infizieren: Die Krankheit hätte seinem Leben zwar ein tragisches und frühzeitiges Ende setzen können, doch sie hätte ihn auch als Schwuchtel gebrandmarkt.

Matt sagte, er sei in seinem Leben bei unzähligen Transgender-Prostituierten gewesen. Er war 30 Jahre lang Freier. Doch trotz seiner Unsicherheiten habe er sich immer mehr von diesen Beziehungen gewünscht. Er versuchte, um sie zu werben, doch er wurde jedes Mal abgelehnt.

[Sex mit Transfrauen] hat über meine Identität als heterosexueller Mann überhaupt nichts zu sagen.

„Die Frauen, die in der Prostitution arbeiten, haben eine Schutzmauer", erklärte er. „Ich schätze, die haben sie wegen der Männer. Ich weiß nicht, ob das alle Männer bedeutet, aber definitiv die Freier. Die meisten Männer sind nicht bereit, ihnen das zu geben, was sie einer Cisgender-Frau geben würden." Selbst Männer, die kein Problem mit ihrer Sexualität zu haben scheinen, zögern offenbar, Transfrauen ernst zu nehmen. Während meiner Recherche für diesen Artikel durchsuchte ich Craigslist nach anderen trans-amourösen Männern. Nur ein Mann, Alex, antwortete auf meine Interviewanfrage. Er war sehr direkt: „Ich habe mir überhaupt keine Sorgen gemacht, dass ich deswegen schwul sein könnte", sagte er. „[Sex mit Transfrauen] hat über meine Identität als heterosexueller Mann überhaupt nichts zu sagen." Wie auch Matt entdeckte Alex sein Interesse an Transfrauen durch Pornografie. Er war damals 22, heute ist er Ende 30. Zwar behauptet er, nie ein Problem mit Schamgefühlen gehabt zu haben, doch er bestätigt das Tabu seiner Vorliebe: „Ich hätte es definitiv nicht meinen Freunden erzählt", sagte er.

Auf meine Frage, wie wichtig ihm das Passing bei Transgender-Frauen sei, antwortete Alex: „Ich fühle mich zu Feminität hingezogen, nicht zu Maskulinität. So einfach ist das." Natürlich lässt sich über Geschmack nicht streiten, aber man fragt sich doch, inwieweit diese Liebe zu maskulinen oder femininen Idealbildern daher rührt, dass wir in der Popkultur mit einer Flut extrem geschlechtsspezifischer Bilder konfrontiert werden. Ganz zu schweigen davon, dass es unrealistisch ist, Transfrauen nach Cisgender-Kriterien zu beurteilen: Die meisten Transmädchen werden wohl niemals perfekt als Frauen durchgehen. Offensichtlich ist Geilheit auf heiße Mädchen mit Schwänzen noch lange nicht dasselbe wie ein Kampf gegen das Stigma um Liebesbeziehungen mit Transfrauen.

Der inzwischen ältere Matt versuchte, Transgender-Frauen mehr zu geben—er bemühte sich, das Stigma zu überwinden, indem er emotional zugänglich war und echte Beziehungen mit Transfrauen einging. Vor etwa 10 Jahren, als er Ende 30 war, lernte er eine prostituierte Transfrau namens Alicia kennen. Sie war in den 80ern aus Brasilien nach New York gezogen—etwa zu der Zeit, als er auf dem Highway-Strich unterwegs war. „Sie war die erste Transfrau, die ich in der Öffentlichkeit geküsst habe", sagte Matt. „Wir liefen um ihren Block, und ich war nervös: Wird jemand mich sehen? Ich weiß noch, dass sie sagte: ‚Ich laufe mit dir die Straße entlang, aber wenn ich dir peinlich bin, dann bist du mir peinlich.'" Dann habe er sie geküsst. Matt schüttelte lächelnd den Kopf bei dem Gedanken an den verunsicherten Mann, der er einmal war.

Cristina Herrera leitet das Gender Identity Project (GIP) des LGBT Community Center in New York. Das GIP betreibt verschiedene Programme für die Trans-Community, darunter Selbsthilfegruppen. Es gibt auch eine Gruppe für die Partnerinnen und Partner von Transgendern. Dort können alle Trans-Amourösen sich mit Gleichgesinnten unterhalten. „Es gibt sehr wenig Unterstützung für Menschen, die mit Transpersonen Beziehungen eingehen", sagte Herrera mir gegenüber. „Die Gesellschaft fährt mit Männern, die Transpersonen daten, härter ins Gericht. Es ist sehr stigmatisiert, ihre Sexualität wird in Frage gestellt."

Die Gesellschaft fährt mit Männern, die Transpersonen daten, hart ins Gericht. Es ist sehr stigmatisiert.

„Ich kannte ein Transmädchen, das mir erzählt hat, dass es unter all den Männern, mit denen sie schon Sex hatte, keine Heteros gegeben hat", sagte Matt. „Ich frage mich manchmal, wenn ich die hasserfüllten Kommentare höre, wie viele von diesen Typen eigentlich schon mal etwas mit Transfrauen hatten."

Fast alle Männer, die ich gedatet habe, sahen sich selbst als heterosexuell. Eine Handvoll war bi, doch keiner von ihnen war schwul. Als ich meine Transition gerade erst angefangen hatte, stellte ich noch häufig Kontaktanzeigen online. Es gab einen Mann, der mir ein paar Mal die Woche E-Mails schickte. Er war ein typisches Raubein aus Brooklyn: groß, tätowiert, mit Undercut. Er sah gut aus, doch ich traf mich nie mit ihm, denn er war nur an Sex interessiert. Ich sah ihn manchmal in meinem Viertel. Er hatte immer seine Freundin dabei. Mal schlürften sie das Thai-Nudelgericht am Imbiss an der Ecke, mal legten sie Kombucha in den Einkaufswagen, und ein andermal waren sie in meinem Lieblingscafé und rührten sich Sahne in den Kaffee. Sie hielten am Tisch Händchen. Ich hatte seine schwanzversessenen Nachrichten griffbereit in meinem Handy, auf dem Grund meiner Handtasche. Ich fragte mich, ob sie wusste, dass er auf der Suche nach Sex mit anderen Menschen war. Wusste sie, dass er auf Transfrauen stand? Wenn sie es herausfand, würde sie ihn dann fragen, ob er schwul sei?

Ich frage mich manchmal, wenn ich die hasserfüllten Kommentare höre, wie viele von diesen Typen eigentlich schon mal etwas mit Transfrauen hatten.

Als er Mitte 30 war, hatte Matt es satt, sich das Leben vorzuenthalten, von dem er schon immer geträumt hatte. „Ich fing an, öfter zu Mädchen zu gehen und es einfach zu genießen. Ich ließ von der ganzen Scham und dem Schuldgefühl ab und sagte mir: ‚Weißt du was? Du machst das hier doch sowieso schon seit ewigen Zeiten. Das mache ich jetzt für mich.'"

Er wollte, dass Alicia mehr als nur jemand war, den er für Sex bezahlte, doch es gab mehrere Faktoren, die dem im Weg standen. Wie viele Transfrauen, die in Armut leben, war Alicia drogenabhängig. Sie rief Matt ein paar Mal an, als sie verzweifelt Geld brauchte. „Ich brachte ihr ein paar Hundert Dollar, und die waren nicht für Sex. Sie sah furchtbar aus; sie wog 15, 20 Kilo weniger, als zu der Zeit unseres Kennenlernens. Es brach mir das Herz." Er wollte helfen, konnte aber nicht. Es war zu schmerzhaft, Alicia dabei zuzusehen, wie sie in der Sucht versank, also hörte Matt damit auf, zu ihr zu gehen, und lebte wieder ein geheimes Leben. Sechs oder sieben Jahre nach ihrem letzten Treffen versuchte er vergebens, sie wiederzufinden. Sie war fort, all ihre Internetanzeigen gelöscht.

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Letztes Jahr, nachdem er jahrzehntelang ein Doppelleben geführt hatte, war Matt endlich bereit für eine Partnerin. Er bemühte sich ernsthaft, die richtige Transfrau zu finden, mit der er den Rest seines Lebens verbringen wollte. Doch wo sollte er suchen? Es gibt seit Jahren eine aktive Transgender-Kontaktbörse auf Craisglist. Unter der Kategorie „M4T" finden sich unzählige Posts von trans-amourösen Männern. Wer sich eine Weile mit der Craigslist-Kontaktbörse vertraut macht, bemerkt schnell, dass die Kategorie für Gelegenheitssex am beliebtesten ist. Wer dort cruist, muss sich auf einiges gefasst machen, denn die Männer geben jegliche Manieren an der Garderobe ab. Doch in der Kategorie für Beziehungen finden sich immer und immer wieder Posts von Männern, die von der Gelegenheitskategorie die Nase voll haben. Sie wollen mehr. Das Forum hat etwas Zärtliches: Dieselben Nutzer posten eifrig Woche um Woche auf der Suche nach ihren Transgender-Seelenverwandten. Oft zieren Internetbilder von Rosen ihre Anzeigen.

Mit dem Aufkommen von Diensten wie OKCupid werden Craigslist und andere derartige Seiten nicht mehr so dringend benötigt wie früher. In den letzten Jahren hat OKCupid eine Kategorie für Transgender eingerichtet. Matt richtete sich ein Wegwerf-Profil auf OKCupid ein, um zu sehen, was es so gab. „Ich setzte bei ‚Trans' ein Häkchen, und die erste Frau, die auf meinem Schirm erschien, war [Alicia]", sagte er. „Ich dachte, sie sei gestorben. Sie hatte mir sogar gesagt, dass sie nicht länger leben würde als zehn Jahre."

Alicia sah gesund aus. Laut ihrem Profil hatte sie einen Job und war auf der Suche nach einer Beziehung. Das Lächeln auf ihren Fotos wirkte, als sei sie glücklich. In den inzwischen vergangenen Jahren hatte sie mit den Drogen aufgehört und angefangen, sich als Aktivistin für die Transgender-Community zu betätigen. Sie erinnerte sich an ihn und stimmte einem Treffen zu, doch die Schutzmauer blieb intakt. „Ich war für sie einfach immer noch nichts weiter als ein Freier", sagte Matt und klang enttäuscht. „Ich wusste, dass ich mehr war als das. Ich will mehr und ich kann mehr geben."

Ich hielt ihre Hand und wir liefen die Straße entlang. Das war das erste Mal, dass ich keine Angst hatte.

Es war schwierig, Alicia zu überzeugen, die Mauer abzubauen, doch Matt verstand, weshalb sie existierte. „Die Leute sind manchmal wirklich scheiße zu Transfrauen. Das kommt ständig vor. Die Blicke, das Starren, manchmal sagen sie Sachen. Ich erinnere mich noch an das erste Date, bei dem wir zusammen waren und es nicht um Geld und Sex ging. Es war ein Date. Wir liefen ins Zentrum von Brooklyn, um auf den Steinen unter der Brooklyn Bridge zu sitzen." Sie hielt dieselbe Ansprache, die sie zehn Jahre zuvor gehalten hatte, vor ihrem ersten Kuss. „Sie sagte: ‚Wenn du mich peinlich findest, dann können wir auch einfach zurück in meine Wohnung gehen und du kannst mich bezahlen.' Ich war so stolz auf mich. Ich hielt ihre Hand und wir liefen die Straße entlang und wir saßen auf den Steinen und wir hatten einen wirklich romantischen Abend. Das war das erste Mal, dass ich keine Angst hatte."

Eine Tür am anderen Ende des Zimmers öffnete sich plötzlich. Alicia kam mit einem Teller voll frischer Empanadas aus der Küche. Matt grinste wie ein kleiner Junge. Er versuchte, sie aufs Sofa zu ziehen, doch sie weigerte sich. Sie lachte, schob seine Hände weg und steckte ihr langes Haar hoch. Sie war barfuß und trug ein bodenlanges gestreiftes Sommerkleid. Schließlich gab sie nach und setzte sich neben ihn.

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Matt und Alicia teilen sich ein „normales" leben. Sie sind beide in ihren Vierzigern, arbeiten beide in Vollzeit und kümmern sich um ihre Gesundheit. Er liebt ihre ambitionierte Art und ihren Sinn für Humor. Alicia sagte mir, dies beruhe auf Gegenseitigkeit. „Ich denke, jeder Transpartner ist so besonders wie die Transfrau, mit der er zusammen ist", sagte sie.

„Es scheint da draußen nicht viele Typen zu geben, die das hier machen", sagte Matt. „Wir sind in eine Bar gegangen; es war eine Transgender-Veranstaltung. Eine von Alicias Freundinnen sagte mir: ‚Du bist der einzige. Der einzige Kerl hier.' Es ist selten, es gibt sehr wenige von uns. Ich würde gerne mehr sehen." Matt kannte kurz einen Mann, der eine Freundin von Alicia datete. „Er war jünger als ich und er ging mit diesem Mädchen aus. Sie war hauptsächlich ein Bottom. Doch dann toppte sie ihn einmal, und das ist schon mit Stigma behaftet. Er fragte mich: ‚Macht mich das jetzt schwul?' Ich sagte: ‚Weißt du was? Wenn es sich gut angefühlt hat und du deinen Partner glücklich machst, dann tu es einfach. Scheiß drauf. Hab Spaß, lass los.' Ich glaube, es hat etwas bei ihm bewirkt, dass ich das gesagt habe."

Alicia schüttelte lachend ihren Kopf. „Bin ich jetzt schwul?" Diese Frage wurde ihr während ihrer Zeit in der Sex-Industrie unzählige Mal gestellt. „Wenn sie gut waren, dann verneinte ich das Ganze. Wenn sie schlecht waren, dann meinte ich immer: ‚Eigentlich schon.'"

Jeder Transpartner ist so besonders wie die Transfrau, mit der er zusammen ist.

Matt hat sich Alicias Vertrauen schrittweise erarbeitet. „Unsere gemeinsame Wohnung zu beziehen, war extrem wichtig", meinte er und umarmte sie dabei. Ein gemeinsames Zuhause war für beide ein großer Schritt und für Matt war das Ganze ausschlaggebend beim Zeigen seiner Ehrlichkeit.

„Um ganz ehrlich zu sein, es ist mir schon irgendwie peinlich, hier zu sitzen und nur mit dir darüber zu reden. Ich sollte sie eigentlich ganz stolz in jede Situation meines Lebens mit einbeziehen", meinte er und bezog sich dabei auf seine Arbeit und seine Familie—zwei Bereiche, in denen er sein Geheimnis erst noch lüften muss. Dabei ist das Ganze vielleicht gar nicht mal so sicher, denn Matts Kollegen haben schon viele hasserfüllte Dinge über Transgender-Frauen vom Stapel gelassen. „‚Das sind keine Menschen' oder ‚Die sollte man umbringen', also richtig erschreckendes Zeug. Alicia wies mich eigentlich an, bei der Arbeit nicht Kopf und Kragen zu riskieren, aber ich habe jetzt schon ein paar Mal gesagt: ‚Weißt du was, eine Person, die schon ihr ganzes Leben lang einen Konflikt ausgetragen und wohl schwer gelitten hat, ist jetzt endlich frei.'" Matt glaubt, dass es tragische Konsequenzen haben könnte, wenn sie je die Wahrheit erfahren würden. „Dann könntest du über mich wahrscheinlich etwas in der Zeitung lesen."

Cristina Herreras Meinung nach haben Männer wie Matt ziemlich schlechte Karten. Das kulturelle Stigma gegenüber der Beziehung mit einer Transgender-Frau ist in unserer Gesellschaft so fest verwurzelt, dass es schon fast allgegenwärtig ist. „Da wird man schnell zur Zielscheibe", erklärte Herrera. „Öffentliche Personen, deren sexuelle Beziehungen mit Trans-Frauen ans Licht kommen, müssen dafür einen hohen Preis zahlen." Herrera meinte, dass dieses öffentliche Anprangern der ganzen Entwicklung schaden würde, weil dadurch andere Männer viel unruhiger werden. Ihnen ist dann bewusst, dass ihnen so etwas ebenfalls passieren könnte und dass ihre Freunde oder Kollegen sie genauso behandeln würden, wenn sie von der Sache Wind bekommen.

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Wir sind immer sehr bemüht, die richtige Wortwahl zu treffen, aber selbst die Leute, die sich am ehesten mit dem Ausdruck „heterosexuell" identifizieren, erfüllen nicht alle Kriterien. Eines der Kernprobleme der Identitätsfindung und der verschiedenen LGBT-Ausdrücke ist die Vorstellung, dass die Leute, deren Sexualität oder Geschlecht vom heteronormativen Standard abweicht, grundsätzlich als anders angesehen werden, während das bei den Leuten, deren Sexualität und Geschlecht damit übereinstimmen, eben nicht so ist. Anstatt homosexuelle Menschen zu normalisieren, könnten wir auch einfach anerkennen, dass niemand normal ist. Heterosexuelle Cisgender sind ebenfalls anders. Darauf hat Alicia auch schon angespielt, als sie meinte, dass jeder Partner eines Transgenders genau so besonders sei wie eben der Transgender, mit dem er oder sie zusammen ist.

Ich fragte Matt noch, was seiner Meinung nach nötig sei, um die Gesellschaft zu ändern und um ihn und seine transgender-liebenden Brüder im Geiste an die Öffentlichkeit treten zu lassen. „Es müssen mehr Männer offen sein, die Straße entlanglaufen und dabei die Hand einer Transgender-Frau halten", antwortete er. „Das wird andere Männer dazu ermutigen, zu sagen: ‚Hey, da stehe ich auch drauf und ich werde nicht weiter ein Geheimnis daraus machen.'"

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