Drogen

Studie: Cannabis könnte Demenz-Kranken helfen

Je älter man wird, desto besser könnte THC fürs Gehirn sein, sagen Forscher in Bonn.
10.5.17
Foto: Biswarup Ganguly | Wikimedia | CC BY-SA 3.0

Foto: Biswarup Ganguly | Wikimedia | CC BY_SA 3.0

Altern ist nicht leicht: Alles, was man früher locker weggesteckt hat – Alkohol-Exzesse, den Jumbo-Becher von KFC, nächtelange Chemsex-Orgien –, steckt einem im Alter noch tagelang in den Knochen. Anders als junge können alte Menschen sich nie einfach so irgendeinem Genuss hingeben – weil sie wissen, dass ihr Körper sie lange und ausgiebig dafür bestrafen wird.

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Außer es handelt sich dabei um Cannabis.

Wissenschaftler vermuten jetzt nämlich, dass Cannabis für alte Menschen sogar gesünder sein könnte als für junge. Anlass dazu gibt das Ergebnis einer Studie zweier Neurowissenschaftler an der Uniklinik Bonn. Die beiden hatten alten Mäusen (mit 18 Monaten gelten die schon als Senioren) THC verabreicht, um zu testen, ob sich der Stoff auf ihr Endocannabinoidsystem auswirken würde. Das ist ein Teil des Nervensystems, der sämtliche Alterungsprozesse beeinflusst – und der mit zunehmendem Alter immer schlechter funktioniert.

Danach testeten die Forscher die Gehirnleistung der alten Mäuse, indem sie sie Legosteine sortieren ließen. Das Ergebnis: Während ihre nüchternen, alten Kameraden dafür eindeutig länger brauchten als junge, geistig noch frische Mäuse, waren die mit THC gedopten Tattergreise plötzlich geistig wieder genauso fit wie die Jungspunde. "Auf einmal verhalten sich die alten Tiere wie die jungen. Wir können ein Tier, das eineinhalb Jahre alt ist, nicht mehr unterscheiden von einer jungen Maus", sagte der Forscher Andreas Zimmer gegenüber der dpa.

Obwohl die Ergebnisse bei Mäusen natürlich nicht einfach so auf Menschen zu übertragen sind, sind die Forscher leise zuversichtlich, dass die Ergebnisse auch für uns relevant sein könnten. "In diesem Zusammenhang wissen wir, dass praktisch alles, was in der Maus funktioniert, auch im Menschen funktioniert", sagt Zimmer. Er habe Hoffnung, "dass die Ergebnisse vielleicht übertragbar sind".

Das Endocannabinoidsystem ist bei jungen Mäusen fast schon überaktiv – das könnte erklären, warum Cannabis für junge Gehirne eher schädlich ist. Bei älteren hilft THC jedoch offenbar durchaus, um die Aktivität des Systems wieder in Gang zu setzen. Sollte das auch bei Menschen funktionieren, könnte das bedeuten, dass man mit THC in Zukunft nicht nur Schmerzen, sondern auch Alterserscheinungen wie Demenz bekämpfen könnte.

Die beiden Wissenschaftler planen nun eine Folgestudie am Menschen. In Israel hat die Verabreichung von Cannabis an die Bewohner eines Altersheims bereits dazu geführt, dass viele sich "geistig wesentlich reger" fühlten, erklärte Studienleiter Andras Bilkei-Gorzo gegenüber Zeit Online. Die Forscher wollen sich noch dieses Jahr auf die Suche nach Probanden für eine klinische Langzeitstudie machen. An Freiwilligen dafür sollte es nicht mangeln.

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