Festivalkultur

Totems wie diese hier sind etwas, was der deutschen Festivalkultur noch fehlt

Sie sind kreative Kommentare zum Zeitgeschehen oder einfach nur lustig und sie helfen deiner Gruppe obendrein, sich nicht zu verlieren.
4.7.16
All photos by Katie Laskowska.

Alle Fotos von Katie Laskowska. Dieser Artikel erschien zuerst bei Thump US.

Totems sind in der deutschen Festivalkultur ein nahezu unbekannter Begriff. Laut Duden sind sie ein „(bei Naturvölkern) tierisches, pflanzliches Wesen oder Ding, das als Ahne oder Verwandter besonders eines Klans (a) gilt, als zauberkräftiger Helfer verehrt wird und nicht getötet oder verletzt werden darf [und in bildlicher o. ä. Form als Zeichen des Klans gilt]." Auf Festivals sind damit Banner, Schilder oder Figuren gemeint, die sich auf kreative und humorvolle Weise auf die Veranstaltung selbst oder auf aktuelle gesellschaftliche Phänomene beziehen. Totems sind damit nicht nur eine Möglichkeit, deinen künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten zu demonstrieren. Sie helfen dir zudem auch, deine Gruppe auf einem Festival wiederzufinden und zusammenzuhalten. In der britischen und amerikanischen Festivallandschaft gehören sie hingegen seit Jahren zum Inventar.

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Besonders bekannt sind die Totems auf dem Electric Forrest, das vom 23. bis 26. Juni wieder in Rothbury, Michigan, stattfand. Headliner waren Major Lazer, Bassnectar und The String Cheese. Und wir haben uns wie jedes Jahr auf die Suche nach den besten, witzigsten und absurdesten Totems begeben. Während in den letzten Jahren auffällig viele sexuell konnotierte und relativ subversive Banner zu sehen waren, konnten wir stattdessen dieses Jahr viele positive, inkludierende sehen. Für ein Präsidentschaftswahljahr gab es auffällig wenig politische Totems, ganz so als wären die Besucher froh darüber gewesen, dem Polit-Zirkus ein paar Tage entfliehen zu können.

Wir halten somit fest: Totems sind die Symbole und Indikatoren einer Festivalstimmung. Hier sind unsere Funde:

1. Betty White

„Braucht es zu Bettty White noch eine Geschichte?"

2. Bill Clinton

„Das ist das perfekte Gesicht. Ich bin hier, ich lebe es, ich mache es."

3. Butts, Butts Everywhere

Was wäre ein Festival-Wochenende in den USA ohne eine Referenz zu Tina Belcher aus Bob's Burgers?

4. Herr Kaktus

„So sind wir in Arizona…"

5. Totem S. Thompson

„Ich weiß nicht wie, aber er hat letzte Nacht seine Nase verloren."

6. Electric For(r)est

Das Electric Forest Festival ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man kriegt.

7. Fuck Real Life

Nachdem Trajan sein Lieblings-Totem im letzten Jahr etwas „kuscheliger" gemacht hatte, kam dieses Jahr nun eine praktische Halterung dazu.

8. Herz-Hände

Weil die Schwester der Besucherin links im Bild dieses Jahr nicht dabei sein konnte, haben sie ein Totem aus ihren Handumrissen gemacht. Damit sie auf diese Art doch noch dabei sein kann. Ohhhhhh!

9. Wenn du verloren gehst, tanz mit ihnen

Ein Totem wie dieses ist ein gern gesehener Dauergast auf dem Forest Festival. Es heißt alle verlorenen Seelen herzlich willkommen.

10. Der Namensgeber

Dieser Mann hat sich auf Anfrage hin Namen für dich ausgedacht. Unsere Fotografin Katie bekam den Namen „Ich mache gute Fotos", während meiner „Ich bin zu Hause" sein sollte. Interaktive Totems FTW!

11. Pikachu

„Dieses Totem ist aus einem Youtube-Video namens 'Pikachu on Acid'."

12. Rick

Rick and Morty haben Adventure Time als beliebteste psychedelische Zeichentrickvorlage in diesem Jahr abgelöst.

13. Skrillary

Momentan würden wir nicht mal mehr diese Option ausschließen.

14. Sonne und Mond

„Für dieses Totem sind wir durch die Hölle gegangen. Beim Einlass hat man uns gezwungen, die Stange abzugeben. Mein Freund hatte eine heftige Diskussion mit der Security. Leider hat alles nichts genützt. Aber dann fanden wir diese Stange auf dem Festival-Gelände."

15. Einhorn

Der Preis für das magischste Totem geht dieses Jahr an Blake und sein namenloses Einhorn. Diese aufwendige Konstruktion besteht aus Glasfaser, bewegungssensiblen LEDs, LSD-Pappen mit Justin Bieber drauf und etlichen Batterien. Es war wie ein Wanderzirkus für eine psychedelische Hippie-Welt.

16. Matt Vo

Diese Gruppe besteht überwiegend aus Leuten aus Clarkston, Michigan. An dem Wochenende vor dem Electric Forest Festival haben sie ihren guten Freund Matt Vo verloren. Bevor wir dieses Foto machten, haben sie uns ihre Geschichten über ihren verstorbenen Freund erzählt. „Matt war sehr aufrichtig", erzählt uns Chad. „Er hätte jedem sein eigenes Hemd. Alle seine Freunde haben ihn aufgesucht, wenn sie Rat brauchten." Die Idee für das Motto des Schildes hatte ein Freund: „Love lässt sich nicht ohne Vo buchstabieren." Die Liebe, die sie für ihren Freund empfanden, war unmittelbar greifbar.

Reisa Shanaman ist auf Twitter.

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