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Liste verrät erstmals, welche Websites es in Nordkorea überhaupt gibt

Durch eine Fehlkonfiguration des nordkoreanischen Nameservers konnten Hacker herausfinden, welche 28 Websites es in Nordkorea gibt. Es sind einige Perlen dabei.

von Lorenzo Franceschi-Bicchierai
21 September 2016, 11:08am

Bild: (stephan)/Flickr | CC BY-SA 2.0

Weltweit gibt es mehr als 140 Millionen .com- und .net-Domains im Internet. Es existieren außerdem Millionen von Websites für jede länderspezifische Top-Level-Domain (.de für Deutschland, .cn für China usw.).

Nur Nordkorea, eines der isoliertesten Länder der Welt, ist kein großer Fan von Internet und World Wide Web. Bisher wussten wir aber nicht, wie viele—oder besser gesagt: wie wenige—Websites das Land für seine eigene Top Level Domain .kp registriert hat. Doch jetzt ist es raus.

Durch eine—wahrscheinlich unbeabsichtigten—Fehlkonfiguration des Nameservers der Volksrepublik konnte am gestrigen Dienstag plötzlich jeder eine Liste mit allen Domains, die für .kp existieren, abrufen.

Mit anderen Worten: Ein Fehler der nordkoreanischen Systemadministration führte dazu, dass jeder, der den Nameserver des totalitären Staates um die Informationen zu der Domain anpingte, eine Antwort bekam. So erhielten wir einen kleinen Einblick in die seltsame Welt des nordkoreanischen Internets.

„Wir haben jetzt eine vollständige Liste der für Nordkorea registrierten Domain-Namen. Erstaunlicherweise (oder auch nicht) ist diese Liste nicht sehr lang", kommentierte Matt Bryant, der IT-Sicherheitsexperte, der den Fehler entdeckte, seinen Fund gegenüber Motherboard in einer E-Mail.

„Wir hatten nicht erwartet, dass Nordkorea nennenswerte Internetressourcen hat. Und das wurde … eindrucksvoll bestätigt."

Die auf Hacker News veröffentlichte Liste enthält überschaubare 28 für Nordkorea registrierte Domains:

airkoryo.com.kp

cooks.org.kp

friend.com.kp

gnu.rep.kp

kass.org.kp

kcna.kp

kiyctc.com.kp

knic.com.kp

koredufund.org.kp

korelcfund.org.kp

korfilm.com.kp

ma.gov.kp

masikryong.com.kp

naenara.com.kp

nta.gov.kp

portal.net.kp

rcc.net.kp

rep.kp

rodong.rep.kp

ryongnamsan.edu.kp

sdprk.org.kp

silibank.net.kp

star-co.net.kp

star-di.net.kp

star.co.kp

star.edu.kp

star.net.kp

vok.rep.kp

„Wir hatten nicht erwartet, dass Nordkorea nennenswerte Internetressourcen besitzt. Und diese Annahme wurde durch die Informationen in den geleakten Zone Files eindrucksvoll bestätigt", erklärt Doug Madory, Researcher bei dem Internet Intelligence-Unternehmen Dyn, gegenüber Motherboard.

Einige der aufgeführten Websites sind derzeit nicht zu erreichen—möglicherweise, weil sie nicht mit den vielen Besuchern nach ihrer Entdeckung durch Bryant zurechtkamen.

„Ich hoffe sehr für den nordkoreanischen Propagandaminister, dass das Internet des obersten Führers nicht unter dem von Hacker News ausgelösten Ansturm zusammenbricht", scherzt ein Nutzer auf Hacker News.

Als die Liste erst einmal im Umlauf war, wollte natürlich jeder mal einen neugierigen Blick auf die Seiten werfen.

Die Mehrzahl der Websites ist ziemlich banal, wie zum Beispiel die der staatlichen Fluggesellschaft Air Koryo oder die derKim Il Sung University. Andere, wie zum Beispiel die Website der offiziellen Zeitung, die von der Kommunistischen Partei Nordkoreas herausgegeben wird, geben uns einen Einblick in die machtvolle Propagandamaschine der Regierung.

„Kim Jong Un gratuliert Veteranen", lautet eine Schlagzeile. Eine andere verkündet einen „Anstieg der Drogenkriminalität unter südkoreanischen Jugendlichen".

Während einige Nutzer schrieben, dass es sich bei friend.com.kp wohl um einen Facebook-Klon zu handeln scheint, sieht die Seite für uns eher nach obskurer Propaganda des Committee for Cultural Relations with Foreign Countriesals nach sozialem Netzwerk aus. Andere Nutzer meinten wiederum entdeckt zu haben, dass portal.net.kp Yahoo! ähnelt, während korfilm.com.kp wohl zum illegalen Download von Filmen à la movie4k einlädt. Ausführlich analysiert sind die Seiten dabei bisher aber keineswegs.

Nach seinen eigenen Angaben fand Bryant den Fehler und lud anschließend die Daten herunter, weil er routinemäßig alle Top Level Domains überprüft, um herauszufinden, was verschiedene Länder mit ihren Domain Name Systems (DNS) oder Domain-Nameservern, quasi dem Telefonbuch des Internets, so treiben. Er fügte hinzu, dass diese Informationen von einigen Ländern geheim gehalten werden, weshalb man die Gelegenheit nutzen sollte, wenn sie sich denn schon mal bietet.

„Ganz kurz gesagt bin ich einfach ein Nerd, der sich wie besessen mit DNS beschäftigt", fasst Bryant zusammen. Diesem Nerdtum haben wir es nun also zu verdanken, dass wir einen kurzen Blick in die kleine und ziemlich profane Internetwelt Nordkoreas werfen konnten.