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Biologen stellen edlen Katzenkackekaffee her, bei dem keine Katzen leiden müssen

Ein Start-up für synthetische Biologie hat ein Verfahren entwickelt, mit dem der Geschmack der Edelbohnen kopi luwak hergestellt werden kann, ohne den südostasiatischen Fleckenmusang in die Produktion einspannen zu müssen.
Ein Fleckenmusang wird mit einer Kaffeebohne gefüttert
Ein Fleckenmusang wird mit einer Kaffeebohne gefüttert | Bild: imago | robertharding

Für viele Kaffee-Connaisseure ist kopi luwak der Gipfel des Genusses. Die edle Kaffeesorte wird aus den halbverdauten, ausgeschiedenen Bohnen von einer indonesischen Wildkatze hergestellt. Ein Pfund guter kopi luwak Bohnen kann über 350 Euro kosten, wenn es dir überhaupt gelingt, an die Ware zu kommen. Ein Start-up möchte nun mit Hilfe von synthetischer Biologie die Bohnen reproduzieren, ohne dass die südostasiatische Schleichkatzenart des Fleckenmusangs für die Herstellung der Edelbohnen eingespannt wird.

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Das New Yorker Unternehmen Afineur geht dabei anders vor als die meisten Firmen im Bereich der Biosynthetik. Sie versuchen nicht, Bakterien oder Hefe so umzuarbeiten, dass diese etwas herstellen, wozu sie ursprünglich gar nicht gedacht waren. Stattdessen experimentiert die Firma mit der Entwicklung neuer Geschmacksprofile in herkömmlichen Kaffeebohnen.

Afineur sagt, es sei ihnen gelungen etwas zu entwickeln, dass wie kopi luwak riecht und schmeckt, ohne, dass die Bohnen von einer Wildkatze ausgeschieden wurden. Camille Delebcque, einer der Firmengründer, berichtete mir:

„Kopi luwak hat sich in den vergangen Jahren zu so etwas wie der Gänseleber des Kaffees entwickelt. Was wir nun produziert haben ist kopi luwak ziemlich ähnlich, doch es ist weniger bitter, weniger beißend und auch aromatischer. Wir konnten den Geschmack der Bohnen ohne die Tiere simulieren, ohne das Preisschild und ohne die ökologischen Folgen."

Das sind wahrhaft gute Neuigkeiten: Im Geschäft mit dem Katzenkackekaffee sind Tiermisshandlungen nämlich weit verbreitet. Die Fleckenmusang werden häufig in kleinen Käfigen gehalten und zum Fressen der Bohnen gezwungen. Und dann wäre da noch der Preis der Edelsorte: Delebcque schätzt, dass ihre künstliche Alternative kaum mehr als andere Erzeugnisse hochwertiger Kaffeeröster kosten wird. Möglicherweise könnten sie mit einem Preis von rund 37 Euro pro Pfund auf den Markt kommen.

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Delebcque selbst arbeitet und forscht schon länger auf dem Feld der synthetischen Biologie. Nachdem er kopi luwak auf Bali probiert hatte, wollte er versuchen den exquisiten Geschmack im Labor nachzubauen. Damit versuchte er sich an einem ähnlichen Verfahren wie deutsche Wissenschaftler, die in den 1990ern eine vietnamesische Firma bei der Entwicklung einer enzymbasierten Alternative des Kaffees unterstützen. Afineur arbeitet nun an einem Verfahren, durch welches der Preis der Bohnen gesenkt wird.

Da Delebcque und sein Geschäftspartner immer noch dabei sind, dass Patent für ihre Entwicklung zu erlangen, wollte er sich nicht im Detail über ihre Methode äußern. Aber im Grunde genommen kitzelt Afineur mit Hilfe spezifischer Mikroorganismen in einem Vergärungsprozess bestimmte Geschmäcker und Aromen aus den normalen Arabica Kaffeebohnen heraus:

„Wir beginnen mit der Art von Kaffeebohnen, die du in Geschäften überall auf der Welt finden kannst. Wir unterziehen die Bohnen einer Fermentierung bei der sie am Ende des Prozesses wieder getrocknet sind. Momentan ist alles natürlich und ohne synthetische Biologie. Wir glauben jedoch nicht, dass die Kunden dafür schon bereit sind."

In den vergangenen Monaten hat die Firma als ein Start-up-Accelerator für synthetische Biologie im irischen Cork gearbeitet. Dort versucht sich ein anderes Unternehmen bereits an der Entwicklung THC-produzierender Hefe. Im Falle von Afineur wurde das technische Verfahren allerdings bereits in einem Labor in New York entwickelt. Nun arbeitet die Firma an chemischen Analysen von kopi luwak und einer neuen Geschmacksrichtung, um herauszufinden, was genau während des Fermentationsvorgangs passiert.

Im Herbst will die Firma mit einem Kickstarter an den Start gehen und schon Anfang nächsten Jahres könnten die künstlichen und tierfreundlichen Connaisseur-Bohnen für uns alle auf den Markt kommen.