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Niemand hat die Absicht, euch die Wurst wegzunehmen

Die Weltgesundheitsorganisation stuft Wurst und Bacon als krebserregend ein. Wir haben uns die Ergebnisse etwas genauer angeguckt.
27.10.15
Die Auslage einer Metzgerei. Bild: Imago.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) läutete diese Woche mit einer besonders schockierenden Nachricht ein: Ihre Forscher haben Bacon, Wurst und Hot Dogs als krebserregend klassifiziert, was so ziemlich jeden fleischfreundlichen Internetnutzer auf einen Schlag wachrüttelte. #Wurstgate war geboren.

Die Forscher der zur WHO zählenden Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) haben nach einer Durchsicht zahlreicher Studien zur karzinogenen Wirkung von Fleisch ermittelt, dass ein ausreichender Zusammenhang zwischen dem Verzehr von verarbeitetem Fleisch und Dickdarmkrebs und mit ziemlicher Sicherheit auch ein Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und Bauchspeichel-, Prostata-, und Dickdarmkrebs besteht. Zudem ermittelten die IARC-Wissenschaftler auch, dass der Konsum von 50 Gramm verarbeitetem Fleisch (das entspricht rund zwei Streifen Bacon) das Risiko von kolorektalem Krebs um bis zu 18 Prozent erhöht.

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Aber was bedeuten diese Ergebnisse für unsere Essensgewohnheiten? Müssen wir jetzt wirklich alle der Wurst für den Rest unseres Lebens abschwören und ist Bacon tatsächlich genauso so schädlich wie Zigaretten, wie manche Überschriften nahelegen?

Schauen wir uns zunächst einmal die Hintergründe einer IARC-Klassifizierung an. Die Einstufung von rotem Fleisch als 2A bzw. „wahrscheinlich krebserregend" bedeutet, dass es zwar nicht ausreichend Beweise aus menschlichen Studien gibt, die eindeutig zeigen, dass es Krebs verursacht—allerdings gibt es sehr wohl eine große Menge Belege aus tierischen Studien.

Verarbeitetes Fleisch wie zum Beispiel Wurst wurde sogar in der Gruppe 1 klassifiziert, in der auch so schöne Stoffe wie Tabak oder Asbest aufgeführt werden. Doch diese Einordnung bedeutet nicht, dass Wurst essen tatsächlich genauso so schädlich für dich ist, wie zu rauchen, wie mir Dr. David Wallinga erklärte: „Die Klassifizierung zeigt lediglich, wie schwer die Beweislast wiegt", sagte der Senior Health Officer des Natural Resources Defense Councils.

„Es sagt nichts darüber aus, wie krebserregend der spezielle Stoff tatsächlich ist. Die Klassifizierung bedeutet nicht, dass Hot Dogs genauso stark krebsfördernd wie Asbest sind." Die IARC-Ansage sagt lediglich, dass sich so viele Beweise für einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr bestimmter Fleischformen und Krebs finden, um diese Nahrungsmittel legitim als karzinogen zu bezeichnen.

„Ich hätte jetzt nicht gedacht, dass es Breaking News ist, dass Hot Dogs nicht gut für dich sind"

Und wie steht es um das 18 Prozent höhere Krebsrisiko? Steigt die Gefahr schon nach zwei Baconstreifen oder Wurstscheiben tatsächlich so rasant an? Nicht wirklich, beruhigte mich Wallinga. Tatsächlich wurde die Korrelation auf der Grundlage des täglichen Konsums ermittelt: Je mehr verarbeitetes Fleisch du täglich konsumierst, desto höher das Risiko. Mit anderen Worten: Jemand, der sich jeden Tag 50 Gramm verarbeitetes Fleisch gönnt, hat ein 18 Prozent höheres Krebsrisiko als jemand, der nie Fleisch isst.

Nichtsdestrotz sollte die Gefahr von Dickdarmkrebs durch ungesunde Ernährung ernst genommen werden, wie Wallinga betonte. Dickdarmkrebs zählt in vielen Ländern der Welt zu den dritthäufigsten Krebsarten bei Männern und Frauen. Allein in den USA werden in diesem Jahr 50.000 Menschen an Dickdarmkrebs sterben, wie die US-amerikanische Krebsgesellschaft ermittelt hat.

Die Entscheidung der IARC ist definitiv ein bedeutender Schritt—nicht zuletzt, da viele öffentliche Gesundheitsorganisationen sich bei ihren Richtlinien und Empfehlungen an der WHO orientieren. Gleichzeitig bietet die Maßnahme für sich genommen keine bahnbrechend neuen Informationen, sondern stellt vor allem eine bewertete Zusammenfassung der Erkenntnisse und Studien der vergangenen Jahrzehnte dar.

„Ich hätte jetzt nicht gedacht, dass es breaking news ist, dass Hot Dogs nicht gut für dich sind", sagte Dr. Yoni Freedhoff, ein Arzt aus Ottawa, der sich in seinem Blog ausführlich mit Ernährung beschäftigt.

Freedhoff betonte, dass wir die IARC-Klassifizierung am besten als kleine Update-Empfehlung unserer Ernährungsgewohnheiten verstehen sollten: Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass wir niemals wieder Wurst essen dürfen, allerdings lohnt es sich, im Interesse unserer Gesundheit darüber nachzudenken, wie viel Fleisch wir essen. Wie stark man seine Mahlzeiten anpassen möchte, sollte jeder mit sich selbst ausmachen und hängt davon ab, wie groß die Risiken sind, denen man sich aussetzen möchte, betonte Freedhoff.

„Das Ziel all dieser Ablasshandel in Sachen Ernährung sollte sein, alle gesundheitsschädlichen Zutaten soweit zu reduzieren, dass wir das Leben noch immer genießen können", meinte Freedhoff abschließend: „Es gibt da draußen soviele Dinge, die krebserregend sind und die köstlich schmecken."