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Außerirdische sind vermutlich überall, nur nicht in unserer Nähe

Die Drake-Gleichung, mit deren Hilfe Forscher nach außerirdischem Leben suchen, hat ein wichtiges Update bekommen. Das Ergebnis: Es gibt wahrscheinlich Millionen bewohnbarer Planeten, nur nicht in unserer direkten Nachbarschaft.
5.12.14
Bild: ​Pixabay. Gemeinfrei

Sollte es intelligentes Leben im Kosmos geben, dann existiert es vermutlich nicht in unmittelbarer Nähe unseres geschätzten Heimatplaneten. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kam ein Astrobiologe, der—zum ersten Mal in den vergangenen Jahrzehnten—jener Formel ein Update verpasst hat, mit der Wissenschaftler nach außerirdischem Leben suchen.

Mit Hilfe der Drake-Gleichung, die schon vor über einem halben Jahrhundert entwickelte wurde, versuchen Forscher herauszufinden, wo im Universum intelligentes Leben schlummert. Die Formel verspricht, die exakte Anzahl der intelligenten Zivilisationen im Kosmos zu bestimmen. Bei diesen Erhebungen gab es allerdings bislang ein kleines Problem: Es gab keine belastbaren Daten, auf deren Grundlage sich in Anbetracht der vielen Parameter zuverlässige Ergebnisse ermitteln ließen.

All das hat sich geändert, seitdem immer wieder Zahlen und Daten aus der Kepler-Mission auf der Erde eintrudeln. Wir wissen inzwischen, dass kleine, erdengroße Planeten quer durch die ganze Galaxie verstreut sind, und dass viele von ihnen innerhalb der bewohnbaren Zone eines sonnenähnlichen Sterns liegen.

Mit den neuen Kepler-Daten führte der Astrobiologe Amri Wandel Berechnungen durch, mit denen er die Dichte der mit Lebensformen bevölkerten Planeten in unserer Ecke des Universums abzuschätzen versuchte. Die aufregenden Nachrichten: Es gibt vermutlich Millionen oder Milliarden solcher Welten in der Milchstraße.

Aber bevor wir unsere Koffer packen, hier noch ein ernüchternder Reality Check: Ausgerechnet in unserer Gegend im Kosmos könnte diesbezüglich Ödnis herrschen. Wandels Ergebnisse zeigen nämlich, dass die nächste bewohnte Welt zehn bis hundert Lichtjahre entfernt sein könnte. Und selbst dann könnte diese Welt nur einzelliges Leben beherbergen. Die nächsten nur intelligenten außerirdischen Lebensformen liegen dann möglicherweise noch tausende Lichtjahre weiter weg.

Wandels Ergebnisse, die nächstes Jahr im International Journal of Astrobiology veröffentlicht werden, sind gestern als Vorabdruck erschienen. Er beschränkte seine Analyse auf erdgroße Planeten innerhalb den habitablen Zonen—den Zonen also, die weder zu heiß noch zu kalt für die mögliche Entwicklung erdenähnlicher Organismen ist.

Damit geht eine grundlegende Annahme einher: Die außerirdische Biologie müsste nämlich demnach auf vergleichbaren physikalischen Voraussetzungen wie die Biologie in Wanne-Eickel oder Rio beruhen. Sollte biotisches Leben aber nicht nur auf erdgroße Planeten in der bewohnbaren Zone beschränkt sein—also zum Beispiel auch auf den eisigen Monden Titan und Europa anzutreffen sein—dann würde die Anzahl der bewohnten Welten noch viel größer werden.

Das Arecio-Radioteleskop in Puerto Rico

Das Arecibo Radio Telescope in Puerto Rico sucht nach extraterristischem Leben. Bild: H. Schweiker/WIYN and NOAO/AURA/NSF

Wandel kam übrigens zu seinen Schätzungen, indem er nur einen einzigen Parameter der Drake-Gleichung aktualisierte: Die Anzahl der potentiell bewohnbaren Welten. Seine neuen Berechnungen sagen allerdings noch nichts über die Wahrscheinlichkeit, Leben auf einem spezifischen „potentiell bewohnbaren" Planeten zu finden. Das ist jedoch der fehlende Schlüsselfaktor, um die Distanz zu unseren nächsten Aliennachbarn zu bemessen.

Aber in der nahen Zukunft können wir durch Spektralbeobachtungen der Exoplanet-Atmosphären die Fingerabdrücke des extraterrestrischen Lebens aus der Ferne bestimmen. Wenn wir ein paar Planeten mit vielversprechenden Biosignaturen lokalisieren könnten, könnten wir wenigstens schon einmal eine wohlbegründete Vermutung über die Wahrscheinlichkeit der dortigen Lebensformentwicklung anstellen. Und dann können wir herausfinden, wie weit wir von unseren Weltraumnachbarn wirklich entfernt sind.

Wie groß diese Distanz auch immer sein mag, ich hoffe doch stark, dass die NASA bis dahin den Kälteschlaf entwickelt hat. Denn wie auch immer man es dreht und wendet, wenn Wandels Zahlen auch nur ansatzweise stimmen, wird es eine lange, dunkle Reise bis zum ersten Kontakt.