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Polizei verhaftet 14-jährigen muslimischen Nerd wegen harmlosem Maker-Projekt

Weil Ahmed eine selbstgebastelte Uhr mit in die Schule brachte, wurde er in Handschellen aus dem Klassenraum abgeführt. Inzwischen ist der angebliche Terrorist ein gefeierter Nationalheld:
17.9.15
Foto: Imago/ZUMA Press

Der texanische Neuntklässer Ahmed Mohamed erlebte eine böse Überraschung, nachdem er am Montag dieser Woche eine selbstgebastelte Uhr mit in die Schule brachte. Wenige Stunden nachdem er sein Bastelprojekt seinen Lehrern präsentierte, wurde er in Handschellen von Polizisten abgeführt, die tatsächlich glaubten, dass es sich bei der DIY-Uhr um eine „Bombenatrappe" handelte. Einer der Polizisten erklärte Ahmed, dass sein Projekt „wie eine Bombe aus einem Film aussah."

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Tatsächlich handelte es sich bei der Arbeit des 14-Jährigen um nichts weiter als einen Haufen Schaltkreise und Kabel, die Ahmed vielleicht nicht gerade ansehnlich, aber ziemlich geschickt zusammengelötet in einem billigen Koffer untergebracht hatte. Er wollte mit seinem Wissenschaftsprojekt eigentlich seine Lehrer beeindrucken, von denen ihm zufolge niemand wisse, „was er wirklich kann."

Cool clock, Ahmed. Want to bring it to the White House? We should inspire more kids like you to like science. It's what makes America great.
— President Obama (@POTUS) September 16, 2015

Am Mittwoch erlangte der Fall dann landesweite Aufmerksamkeit. Nachdem Ahmed Mohamed stundenlang verhört worden war, ohne dass seine Eltern informiert wurden, schickte man ihn schließlich in ein Untersuchungsgefängnis für Jugendliche geschickt, wo er seine Eltern treffen durfte. Dort entstand auch die Aufnahme eines sichtlichen irritierten Ahmed Mohamed im NASA-Shirt, die auf Twitter die Runde machte. Schnell erkannten viele Twitterer die Ungerechtigkeit, die dem 14-Jährigen widerfahren war; die Welle der Solidarität unter dem Hashtag #IStandWithAhmed gipfelte schließlich mit einem Tweet Obamas, der Ahmed ins weiße Haus einlud.

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Auch die lokale Hacker- und Maker-Community in Dallas hat längst die Talente von Ahmed erkannt und sich bereit erklärt, den 14-Jährigen bei seinen nächsten Erfindungen mit Rat, Tat und Material zur Seite zu stehen. „Wir werden ihm Arduinos, Solarpaneele und jede Menge Hardware zur Verfügung stellen, denn wir unterstützen das, was er macht", erklärte zum Beispiel einer der Macher des lokalen Hacker-Space TheLab.ms gegenüber Motherboard.

White kids can walk the streets with guns, but he brings a homemade clock to school & gets arrested #IStandWithAhmed pic.twitter.com/08YJOApy6D
— spook (@JaysChillin) September 16, 2015

Die Festnahme hat in den USA erneut eine Debatte um Islamophobie und Terrorismusparanoia ausgelöst . Unter anderem auch, weil einer der Polizisten Folgendes geäußert haben soll, als ihm Ahmed als Verdächtiger vorgeführt wurde: „Ja, habe ich mir doch gedacht, dass er das ist." So schilderte zumindest Ahmed, der diesen Beamten noch nie zuvor gesehen hatte, das beschämende Verhör nach seiner Festnahme auf einer Pressekonferenz.

Going to meet my lawyer. pic.twitter.com/YCxOOeOz3Z
— Ahmed Mohamed (@IStandWithAhmed) September 16, 2015

Auch wenn Ahmed sich mittlerweile wieder in Freiheit befindet, beharrt die US-Polizei auf ihrer ursprünglichen Einschätzung, die Uhr habe „sehr verdächtig" ausgesehen. Ahmed dagegen konnte bereits auf der Pressekonferenz wieder lachen und twitterte ein Foto von sich, wie er das Victory-Zeichen macht und kommentierte es mit den Worten: „Auf dem Weg zu meinem Anwalt."