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Autonome bekennen sich zu Angriff auf Hamburger Facebook-Zentrale

Wenn übermotivierte Überwachungskritik auf Farbbeutel und Rauchbomben trifft.

von Motherboard Staff
14 Dezember 2015, 10:00am

Bild: Jakob Koch / Twitter.

Am späten Samstagabend haben unbekannte Täter die Deutschland-Zentrale von Facebook in Hamburg mit Rauchbomben und Farbbehältern angegriffen. Laut Medienberichten und Zeugenaussagen soll es sich um 10 bis 20 vermummte junge Angreifer gehandelt haben.

Bilder von dem Bürogebäude in der Hamburger Innenstadt zeigen zu Bruch gegangene Scheiben und Farbkleckse auf dem Gebäude. Auf einer Aussenwand in der Nähe des Haupteingangs zum Gebäude prangt der Schriftzug „Facebook Dislike."

Auf der Indymedia-Plattform „linksunten" tauchte dann am Sonntagmittag ein
ausführliches Bekennerschreiben auf. Darin versucht man unter dem Alias „Still not Loving Facebook" zu erklären, warum man die Glasfront des Gebäudes zerstörte.

Neben der Datensammelwut kritisierten die anonymen Verfasser auch, dass Facebook mit Europol zur Fassung von Schleppern zusammenarbeite und zusammen mit der NSA gezielt Nutzer-Verabredungen zu politischen Flashmobs verhindere. Letzteres klingt wie eine Operation im Orwell-Style klingt, war allerdings tatsächlich ein April-Scherz von Heise, die sich ein paar Snowden-Slides ausgedacht hatte.

Auch die Verhinderung von Fluchthilfe über Facebook klappt wesentlich weniger effizient, wie die Verfasser des Bekennerschreibens befürchten. Noch immer gibt es zahlreiche Facebook-Plattformen, die Flucht vermitteln und organisieren, wie eine Motherboard-Recherche zeigt.

Auch wenn das Bekennerschreiben über das Ziel hinausschießt: Kritik an der mangelnden Freiheit des Internets ist wichtig, mahnt Jacob Applebaum

Auf Indymedia hieß es unterdessen, man wolle „Facebook zerhacken", weil das soziale Netzwerk längst eine viel zu große Kontrolle über seiner Nutzer habe und seine „Manipulation unserer Kommunikation komplett übergriff" sei. Laut den anonymen Verfassern kümmere sich niemand wirklich um die wachsende Macht des Unternehmens, obwohl „wir doch einer staatlichen Behörde niemals widerstandslos eine solche Lenkungsmacht einräumen" würden.

Damit gehen die mutmaßlichen Angreifer geflissentlich über Aktivisten, Hacker und Datenschutzorganisationen hinweg, die schon seit Jahren viele Entwicklungen des sozialen Netzwerks kritisieren. Aber den mutmaßlichen Bekennern geht es ohnehin ums Ganze: „Eine Rebellion gegen diese Welt wird nicht durch die Reform des Internets stattfinden", heißt es am Ende des Schreibens, das schließlich mit „Für die Autonomie" und „gegen die Herrschaft.

Was ein Graffiti und ein Farbangriff gegen eine Gebäudefront tatsächlich gegen das soziale Netzwerk ausrichten sollen, dessen Büros übrigens in den höheren Geschossen des Gebäudes liegen, konnte man jedoch noch nicht schlüssig erklären.

Die Hamburger Polizei hat bisher nicht bestätigt, dass die Täter tatsächlich auch für das Bekennerschreiben verantwortlich seien, sagte aber, dass „Art und Weise des Vorgehens auf Täter aus der linksextremen Ecke" hindeuteten. Obwohl man mit 14 Streifenwagen ausgerückt war, wurde bisher keiner der Täter gefasst. Auch zwei Tage nach der Aktion sind die Spuren des Angriffs am Gebäude noch deutlich sichtbar.

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Überwachungskritik schießt übers Ziel hinaus