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rave gloving

Rave Gloving ist die wohl schlimmste „Tanzart“ der Welt

Es ist für keinen der Beteiligten schön, wenn du ihnen deine Wurstfinger ins Gesicht streckst.

von Vincent Bittner
01 Februar 2016, 10:25am

Ein Typ, der zwei Leucht-Handschuhe an hat. Foto: Imago

„‚Rave Gloving', auch nur als „‚Gloving' bekannt, ist eine Form des modernen Tanzens, bei dem LED-Lampen an den Fingerspitzen eingesetzt werden um die Hand und Fingerbewegungen zu betonen." Danke Wikipedia, dann wäre das ja schonmal geklärt. Im Klartext bedeutet das, dass du dir jetzt anstatt Glowsticks in die Hände zu nehmen, Handschuhe überstreifst, in denen kleine leuchtende Knubbel an den Fingern befestigt sind. Dann bewegst du rhythmisch deine Hände und Finger zur Musik. Ja, richtig, du tanzt mit deinen Fingern. Du bist immer noch nicht der Meinung, dass Rave Gloving bescheuert ist? Hier sind ein paar Gründe:

Gloving ist keine Form des Tanzens

Wir sind uns darüber bewusst, dass Tanzen eigentlich nur die Umsetzung von Rhythmen und Klängen in Bewegungen ist, und Gloving dementsprechend eine Tanzart sein sollte. Aber schauen wir uns mal an, zu welcher Musik denn gegloved wird, stellen wir schnell fest: Es handelt sich fast ausschließlich um kommerzialisierten Copy-And-Paste-EDM, der in den Glover-Videos auftaucht. Elektronische Tanzmusik, die dafür gedacht ist, dass sich der ganze Körper im Rhythmus der Musik bewegt. Klar, bei Festivals wie Tomorrowland beschränkt sich der vertikale Akt der horizontalen Tätigkeit auch nur auf Springen, aber wenigstens steht oder sitzt das Publikum nicht regungslos da, macht den Ich-teile-meinen-Daumen-in-zwei-Kindergarten-Trick und nennt das dann Tanzen, weil noch ein paar Lampen flackern. Ernsthaft, da kann man auch eine Thai-Massage oder Auto fahren als Tanzen einstufen.

Es sieht einfach bescheuert aus

Wenn du leuchtende Finger sehen möchtest, dann fahr nach Tschernobyl. Außerdem ähnelt Gloving dem Bewegungsablauf deiner Hände, wenn du deine Kopfhörer aus der Hosentasche holst und das Kabel entknotest. Was zur Hölle muss dein Fetisch sein, damit du hier von Ästhetik sprechen kannst? Sich eine Glove-Show reinzuziehen ist ungefähr so schön und anmutig, wie alle Facebook-Posts von Til Schweiger, Jan Leyk und Felix Baumgartner lesen zu müssen, während Verona Pooth im Stil von „Die größten Hits der 90er" auf deinem Bildschirm auftaucht und Kommentare zu den Kommentaren von Til Schweiger abgibt. Moderiert wird das Ganze von Katja Burkard.

Rave Glover haben ein Aufmerksamkeitsproblem

Um dir diesen Punkt näher zu bringen, stelle dir bitte folgendes Szenario vor: Du bist auf einer Hausparty, alle Leute sind gut drauf, jeder hat Spass. Plötzlich läuft ein Lied von Avicii, weil der Gastgeber nunmal gerne Charts hört. Solche Freunde hat jeder, das ist auch ganz OK, du kannst den schlechten Musikgeschmack auch nur für dich verurteilen. Plötzlich steht der dürre Typ mit fettigen Haaren und Filzhut neben dir auf, räuspert sich einige Sekunden lang sehr laut und zieht Michael-Jackson-Handschuhe an. Er macht das Licht im Raum aus, stellt sich vor die Leute die auf dem Sofa sitzen und fuchtelt mit seinen Händen vor den Gesichtern der Partygäste herum. Betretenes Schweigen. Als das Lied endet, schwitzt er noch mehr als sonst und das Funkeln in seinen Augen klingt langsam ab, als er merkt, dass niemand klatscht. „Ihr Banausen," zischt er, bevor wütend nach Hause geht. Auf der nächsten Party wird dasselbe passieren, nur dieses Mal mit Voguing.

So begeistert könnten deine Freunde aussehen, wenn du für sie glovest. Foto: Wikimedia Commons / SamanthaDex

Es gibt keinen Grund für Gloving

Wenn du nicht gerade ein verdammt cooler Junge bist, der seine zerebrale Lähmung mit Rave Gloving selbsttherapiert, gibt es einfach keinen guten Grund für dich, Rave Gloving zu praktizieren. „Aber das macht doch so viel Spaß", denkt sich jetzt der geneigte Glover. Wenn deine Definition von Spaß ist, auf ein Festival oder in den Club zu gehen und bitter enttäuscht zu sehen, wie sich die Frau deiner Träume von dir abwendet, weil du mit den Händen fuchtelst und wirbelst wie ein wildgewordener sizilianischer Zementmischer, hast du sicherlich Recht mit dieser Aussage. Für alle anderen gilt: Lass die Handschuhe daheim und verhalte dich wie ein normaler Clubgänger: Wackel ein bisschen hin und her, check dein Handy in der Mitte der Tanzfläche und poste Selfies mit Kommentaren, wie langweilig es ist, weil alle nur am Handy hängen und keiner tanzt.

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Auf Twitter postet Vincent nur mit Handschuhen, er nennt es Social-Media-Gloving.

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