Babe You're Going To Be Fine. All images courtesy the artist

Diese Illustrationen zeigen Frauen mit ihren inneren Dämonen

In ihren fantasievollen Zeichnungen verarbeitet Polly Nor ihre geheimsten Gefühle und Gedanken und setzt sich mit dem weiblichen Wesen auseinander.

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Jan. 23 2017, 9:00am

Babe You're Going To Be Fine. All images courtesy the artist

Der Teufel wird seit jeher eng mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht. Angefangen mit Evas Erbsünde bis hin zu Filmen wie Der Teufel trägt Prada werden Frauen als dämonisches Wesen porträtiert und als der Untergang des rechtschaffenen Mannes dargestellt. Nun interpretiert eine Künstlerin den Teufel in ihren Werken über Frauen und ihre inneren Dämonen neu.

In den fantastischen Illustrationen von Polly Nor kommen bei der Protagonistin ungeahnte dämonische Züge zum Vorschein. So streift die Teufelin nach Feierabend ihre menschliche Hülle ab und trinkt, mit Zigarette im Mund, gemütlich ein Bier. Die inneren Dämonen kämmen der Protagonistin die Haare, während sie in der Wanne liegt. Anstatt ihre Dämonen zu verbannen, umarmen sich die beiden und träumen gemeinsam in pinker Bettwäsche.

Nors Kreationen werden im Musikvideo „Halfway to Nowhere" des Londoner Musikers Chelou zum Leben erweckt. Die beiden Künstler, die sich bereits seit Schulzeiten kennen, vereinen ihre Kreativität nun in diesem Projekt.

„Als er mir 'Halfway to Nowhere' schickte und fragte, ob ich das Musikvideo dazu gestalten wollte, dachte ich gleich, dass der Text und die Stimmung des Tracks gut zu den Motiven meiner Arbeiten passten—also wollte ich gerne mitmachen", erklärt Nor The Creators Project.

Gemeinsam mit dem Animationskünstler Andy Baker erweckte Nor ihre Dämonen zum Leben. In dem Musikvideo verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Traumwelt. Das Musikvideo erinnert sehr an Wo die wilden Kerle wohnen, eine Geschichte, in der sich ein Junge inmitten einer fantastischen Welt selbst in ein Monster verwandelt. Doch in Nors Arbeit nimmt die kindliche Vorstellungskraft düsterere und selbst-reflektierte Züge an.

Nobody Knows

Die Frau und ihre Dämonen haben sich mit der Zeit zu Nors Markenzeichen entwickelt. Nachdem sie die beiden ein paar mal gezeichnet hatte und dafür stets positive Rückmeldungen erhielt, begann Nor, sich ganz und gar auf diese besondere Beziehung zu konzentrieren. „Es gefällt mir, mich auf zwei Motive zu beschränken, die Frau und die Dämonen, aber immer wieder in neuen Szenarien. Ich finde das sehr erfüllend."

Up All Night

Nor setzt ihre Charaktere stets in gut durchdachter Umgebung in Szene. Bei ihr sind Schlafzimmer nicht einfach Zimmer mit einem Bett. Jedes Detail ist wichtig: die Gegenstände auf dem Nachttisch, die Marken der im Zimmer verstreuten Kleidungsstücke, die Ladekabel, die sich mit der Bettdecke verknotet haben. Nors Arbeiten wirken lebendig und jeder, der schon einmal Stunden mit Nachdenken statt mit Aufräumen verbracht hat, kann sich mit ihnen identifizieren.

Got 2 Get Through This

Technologie ist in Nors Welt allgegenwärtig. „Ich lasse mich in meiner Arbeit sehr vom Online-Verhalten meiner Generation inspirieren, die Experimente mit Selbstdarstellung und Identität sowie die Gefühle und Ängste, die dahinter stecken", erklärt sie. Egal, ob ihre Motive Selfies vor dem Spiegel knipsen oder vor ihren Smartphones masturbieren, jede Zeichnung ist in der digitalen Welt verankert.

Almost There

Auch die Frauen in den Bildern wirken modern. Sie wachen mit Pickeln im Gesicht auf und spielen mit dem Fett, das an ihren Bäuchen wabbelt. Nor sagt, dass ihre Darstellung von Weiblichkeit vor allem aus vertraulichen Gesprächen mit Freundinnen („Feminismus, Sex, Beziehungen, Gefühle, Träume und Ziele" sind häufige Gesprächsthemen) und durch die Auseinandersetzung mit zahlreichen weiblichen Künstlern entstanden ist (Frida Kahlo, Celeste Mountjoy und Nina Chanel Abney, um nur einige zu nennen).

It Got Loose

Nors Bilder gewähren einen fast schon magischen Blick auf unsere fundamentalsten Emotionen, um ein Vielfaches gesteigert. Nor sagt, dass ihr surrealer, kindhafter und ehrlicher Stil aus den „echten Höhen und Tiefen in meinem Leben und das damit verbundene Gefühlschaos" stamme.

„Ich versuche, meine Gefühle und Gedanken zu visualisieren", erklärt Nor. „Für mich ist das Zeichnen ein Ventil: Ich kann die Gefühle aufmalen, die ich nicht recht in Worte fassen kann."

DEVIL SKIN

Too Good For You

Caught Up

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Thinking About You

Weitere Werke von Nor findet ihr auf Instagram und ihrer Website.

 

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