Sculpt porträtiert die niedersten menschlichen Obsessionen
Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung des Gréaud Studio 
voodoo

Sculpt porträtiert die niedersten menschlichen Obsessionen

Sci-Fi, Shibari, Charlotte Rampling und Willem Dafoe sind Teil von Loris Gréauds dunklem Sci-Fi-Kunst-Film „Sculpt“
23.8.16

Bei der erotischen japanischen Kunstform Shibari geht es darum, den menschlichen Körper zu fesseln. Im neuen Science-Fiction-Film Sculpt soll dieser Akt die dunklen Obsessionen des Menschen darstellen.

Der Künstler Loris Gréaud hat ihn für das Los Angeles County Museum of Art (LACMA) gedreht und erforscht mit seinem Werk das Konzept der Besessenheit—sowohl ihre Ursachen als auch ihre Auswirkungen. Mit großartigen Schauspielern wie Willem Dafoe und Charlotte Rampling folgt der Film den Sinneseindrücken eines Mannes, der sich langsam seiner Wahrnehmungen bewusst wird und lernt, seine unorthodoxen Fantasien zu akzeptieren.

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Ästhetisch ist Sculpt von dem Film Blood Moon Eclipse, der im September 2015 herauskam, inspiriert und wurde farblich so bearbeitet, dass er das gleiche schwarz-blutrote Phänomen des Mondes widerspiegelt. Mit Themen wie Fetischismus und Voodoo hält der Film den zwanghaften, kompulsiven Seiten des menschlichen Charakters, die oft missverstanden werden, einen Spiegel vor, und versucht, die unerfüllten, dunklen Sehnsüchte des Zuschauers an die Oberfläche zu holen.

Ähnlich einer dreidimensionalen Skulptur kann Sculpt auf unterschiedliche Arten erlebt werden. Der Film offenbart vielschichtige Erzählungen. „Was eine Skulptur ausmacht, ist die Tatsache, dass man sie drehen kann. Ich möchte eine Geschichte erschaffen, die der Zuschauer drehen und hinterfragen kann", erklärte Gréaud The Creators Project. Dies erreichte Gréaud, indem er kurze Ausschnitte aus dem Film während illegaler Filmvorführungen auf der ganzen Welt zeigen ließ. „Eine der Ideen hinter dem Projekt war, die Form und Dynamik eines Möbiusbandes zu nutzen, um damit die Frage nach der  Innen- und Außenseite einer einzigen Oberfläche aufzuwerfen", so der Künstler.

Sculpt ist also mehr als nur ein Film, es ist eine Erfahrung—und es kann immer nur jeweils ein Zuschauer den Film sehen. Dadurch bekommt diese Person das Gefühl, dass sie beobachtet wird, als würde sie langsam Teil der Obsession des Filmes werden; ein Verbündeter der voyeuristischen Natur von Sculpt.

Das Gefühl, beobachtet und gejagt zu werden, ist eins der Hauptmotive im Film. Selbst die Filmrollen, die für die Aufnahmen von Sculpt benutzt wurden, wurden von der Priesterin Miriam Chamani im Voodoo Spiritual Temple in New Orleans gesegnet. Gréaud erklärt: „Eine der ersten ästhetischen Diskussionen, die aufkam, war die Möglichkeit, die jungfräulichen 16mm-Rollen in dem Voodoo Spiritual Temple segnen oder verfluchen zu lassen. Der Großteil der wichtigen Szenen des Films wurde mit diesen ‚magnetischen Rollen' aufgenommen. Es stellt sich also folgende Frage: Was wird aus dem projizierten Objekt, wenn es eine Erzählung mit potenziellen Geistern beinhaltet?"

Ganz im Sinne der düsteren Thematiken wird die japanische Fesselkunst Shibari in Sculpt nicht nur dazu benutzt, um Bewegungen einzuschränken, sondern auch, um das Individuum außer Kraft zu setzen. Shibari ist nicht nur eine sexuelle, sondern auch eine künstlerische und verbindende Praktik—eine Art der Kommunikation und des Ausdrucks innerhalb einer sicheren Umgebung. Im Film repräsentiert Shibari die mentalen Obsessionen, die die Charaktere entwickeln. „Das unterirdische Shibari-Studio ist der Ort, an dem der Hauptdarsteller, Willem Dafoe, seine Gedanken und Erzählungen webt und sie miteinander verstrickt. Die Seile stehen für die sich bildenden neuronalen Netzwerke."

Als Filmemacher möchte sich Gréaud der Trennung des Körperlichen und Mentalen widersetzen. „Mich interessiert die Idee, im Stil von J.G. Ballard gültige äußere Landschaften zu erschaffen, die eine direkte Beziehung zum Geist haben, oder die Fiktion als neuen Bereich der Neurologie zu verstehen—so wird die Realität quantifiziert und erotisiert." Sculpt ist der Versuch, diese Grenzen in einer visuellen Landschaft zu verwischen.

Hier erfahrt ihr mehr über die Vorführungen von Sculpt.