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Ein Wochenende Bot-Gemetzel: Hinter den Kulissen der deutschen Meisterschaft der Kampfroboter

In Dortmund traten am Wochenende die besten deutschen Battlebot-Bauer gegeneinander an. Unser Fotograf hat die verschiedenen Waffensysteme von Flipper bis Spinner genauer unter die Lupe genommen.

von Max Slobodda
11 April 2017, 10:49am

Alle Bilder: Max Slobodda

Sie tragen Namen wie Disrupter, Kacke Blaster, Brobot, oder auch Blähboy. Die „Heavyweights" unter ihnen bringen bis zu 100 kg auf die Waage, während die Modelle aus der Kategorie „Antweights" mit stolzen 150 g auffahren.

Die Rede ist von den so genannten Battlebots, die am Wochenende bei der ersten Deutschen Meisterschaft der Schaukampfroboter gegeneinander kämpften. Der Austragungsort hätte nicht passender gewählt sein können: Auf der Intermodellbau 2017 trafen sich in der Dortmunder Westfalenhalle 80.000 Bastler und Modellbau-Enthusiasten, die ihre großen und kleinen Werke präsentierten. Eine extra Halle war dabei für die „German Roboteers Association" reserviert: In einer eigens für die Wettkämpfe konstruierten Plexiglas-Holz-Arena traten dort „Roboteers", wie sich die Fahrer und Erbauer der Bots selbst nennen, zum Kampf an. Vor jeder Runde hallte hier der Schlachtruf „Roboteers……are you ready?" durch die Kampfarena.

Die Battlebots „Lucifer" und „Kackeblaster" mit ihren jeweiligen Fahrern. Alle Bilder: Max Slobodda | Motherboard

Arena frei: „Daredevil" vs. „Omega".

Ein beschädigter Bot wird zwischen den Kämpfen mit vereinten Kräften schnell wieder fit gemacht.

Über Sieg und Niederlage entscheiden fahrerisches Geschick, die Bauform und Standfestigkeit der Maschinen, sowie die pneumatischen, elektrischen und hydraulischen Waffen, mit denen Gegner unschädlich gemacht werden. Die Waffensysteme der Battlebots haben dabei ganz unterschiedliche Ansätze: Da gibt es die „Flipper", pneumatische Bots, die mit Hilfe von CO2 Tanks andere Bots durch die Gegend schleudern. „Lifter" wiederum sind ähnlich wie „Flipper", nur das sie den Gegner nicht schnell schleudern, sondern langsam anheben, um ihn anschließend aus der Arena zu schieben.

Wieder andere Modelle sind mit einem Hammer ausgestattet, der mit kräftigen Schlägen die Technik des gegnerischen Bots zerstören soll. Und dann gibt es noch die sogenannten „Spinner", die mit einer Schwungscheibe versehen sind, die mit einem rotierenden Zahn eine enorme kinetische Energie aufbauen. So kann dann auch mal ein 13kg schwerer Bot durch die Arena geschleudert werden und im besten Fall, direkt in die Grube – ins Aus – befördert werden.

In der deutschen Kampfroboter-Szene wird Fairplay und Teamgeist groß geschrieben. Wenn ein Bot bewegungsunfähig ist, wird nicht nachgetreten und erst recht nicht versucht, den handlungsunfähigen Bot noch weiter zu beschädigen. Schließlich ist jedem „Roboteer" bewusst, wieviel Zeit, Geld und auch Herzblut in dem eigenen Bot steckt. Der Gewinner in der Raptorweight-Klasse Dirk Antwerpen formuliert diesen Ansatz so: "Bei den Kämpfen geht es auch eigentlich gar nicht ums Zerstören. Es geht eigentlich eher darum, die Roboter zu bauen", so der 49-jährige gegenüber Motherboard.

Die Roboteers checken gespannt den Punktestand ihrer Bots.

Der Battlebot "Ballista" wird durch einen Flipperbot in die Luft katapultiert.

Die Zuschauer schauen gebannt auf das Finale der Robotermeisterschaft in der selbstgebauten Plexiglas Arena

Das ganze Wochenende über herrscht in der Halle eine sehr familiäre Stimmung. Wenn einem Fahrer mal ein Teil für seinen Bot fehlt, der Akku durchgeschmort ist oder sonst einen Rat braucht, findet sich stets die helfende Hand eines anderen Fahrers. Der Bot soll schließlich so schnell wie möglich wieder auf die Räder kommen.

Einige der Tüftler, die sich am Wochenende in Dortmund trafen, basteln zwei 2 Wochen an ihren Maschinen, in anderen Bots stecken bis zu acht Jahre Arbeit. Manchmal dauert es allerdings nur die wenigen Minuten einer Battle-Runde und der Bot ist komplett zerlegt.

Unter den Augen einiger hundert begeisterter Zuschauer wurde dieses Jahr der Bot „Enigma" in der Kategorie Raptorweight (bis 6kg) mit seinem Fahrer Dirk Antwerpen, vom Verein "German Roboteers Association" , deutscher Meister. In der Kategorie Feather Weight (bis 13,6kg) holte sich der 26-Jährige Dennis Martens, mit seiner Maschine "Equinox" den ersten Platz.

Die Sieger in der Kategorie Raptorweight um Dirk Antwerpen

Metall zwischen den Kämpfen wieder gerade biegen wird schnell zum geübten Handgriff

Weil die Bots sich auch entzünden können, stehen Feuerlöscher als Sicherheitsmaßnahme bereit

Der Hammerbot (links) und ein Fahrer vom Verein „German Roboteer Association"

Dieser Roboter hat sich dem Kampf gegen den Schmutz in der Halle verschrieben

Als Sicherung für die Scharfen Kanten und Spitzen dieses Battlebots dienen Tennisbälle

Ein Flipperbot mit CO2 bestückt (links) und der Spinnerbot „Weps"

Der Teilnehmer mit dem schönen Namen „Blähboy" (links) und eine der eingesetzten Funksteuerungen

Die Antweights „Kannix" (links) und „Spiky"

Der „Blähboy" aus der Nähe

Die Siegerpokale warten auf einem der Arbeitstische eines „Roboteers" auf die Vergabe