Russland

Wie Russland zum Öko-Mekka werden will

Sollte die EU irgendwann doch noch ihre Sanktionen gegen Russland aufheben, werden die Regale des Bio-Supermarkts deines Vertrauens möglicherweise mit russischen Produkten gefüllt sein. Geht es nach Putin, liegt die Zukunft im High-End-Biofraß ohne...

von Alex Swerdloff
08 Dezember 2015, 1:30pm

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, hat Wladimir Putin vor einiger Zeit als Reaktion auf die Sanktionen der USA und der EU im Zusammenhang mit Russlands Einmarsch in die Ukraine auf westliche Nahrungsmittel ein Importembargo verhängt. Nur Kaviar darf noch nach Russland eingeführt werden. Nicht ohne Stolz haben Putin und Co. dafür gesorgt, dass die Produkte auf dem Markt fast ausschließlich aus russischer Produktion stammen.

So ganz sind die Russen dann aber doch nicht abgeneigt, Geschäfte mit dem Rest der Welt zu machen—solange die Kohle stimmt. Erst letzte Woche hat Putin gesagt, dass Russland der weltweit größte Lieferant für hochwertige und umweltfreundliche Bio-Nahrungsmittel werden kann. Seit vor ein paar Monaten genetisch veränderte Organismen (GVO) in der russischen Lebensmittelproduktion verboten wurden, sind sie davon überzeugt, dass russische Lebensmittel viel besser für uns alle sind—und vielleicht haben sie recht.

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Eines Tages läufst du vielleicht durch den Bio-Supermarkt deines Vertrauens auf der Suche nach hochwertigen Produkten ohne Gentechnik und liest auf allen Verpackungen nur „Made in Russia"—also natürlich nur, wenn die EU ihre Sanktionen irgendwann aufhebt.

In seiner Rede zur Lage der Nation hat Putin sich letzte Woche ordentlich auf die Schulter geklopft: Dank ihm ist die Lebensmittelproduktion in Russland fast autark. Eine komplette Unabhängigkeit von Importen aus dem Ausland strebt er bis 2020 an.

Aber das reicht Putin noch lange nicht: Russland exportiert jetzt mehr Lebensmittel, als es importiert und will deine Foodie-Träume wahr werden lassen. „Unsere weltweiten Ressourcen wie Anbauflächen und Wasservorräte sind begrenzt. Russland kann—gerade auch weil die weltweite Nachfrage nach solchen Lebensmitteln stetig steigt—zum wichtigsten Lieferanten für gesundes, umweltfreundliches und hochwertiges Essen werden und erreichen, was die westlichen Nahrungsmittelproduzenten bisher nicht geschafft haben."

Oh ja—richtig gelesen! Russland hat es auf High-End-Bio-Lebensmittel abgesehen und erfüllt dir all deine Öko-Wünsche.

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Wie? Russland ist für dich nicht der Inbegriff der schmackhaften Lebensmittelexporte (Kaviar und Wodka ausgenommen)? Denk noch mal drüber nach, Onkel Putin erklärt es dir: „Vor zehn Jahren haben wir fast die Hälfte aller Nahrungsmittel aus dem Ausland importiert. Wir waren abhängig von diesen Importen. Jetzt gehört Russland zu den Exporteuren. Allein letztes Jahr hat Russland landwirtschaftliche Produkte im Wert von über 18 Milliarden Euro exportiert. Unsere Einnahmen aus Lebensmittelexporten entsprechen einem Drittel unserer Gasexporte—ja, sie übersteigen unsere Waffenexporte sogar um 25 Prozent."

Wieder richtig gelesen. Der Rubel rollt—nicht nur bei Waffen oder beim Gas, sondern vor allem beim Essen.

Für Putin liegt die (wirtschaftliche) Zukunft im gesunden Essen: Im September stimmte der Kreml für ein Verbot von GVO in der Lebensmittelproduktion.

Das russische Embargo auf westliche Lebensmittel macht die Sache allerdings auch nicht besser. Nachdem die Türkei letzten Monat einen russischen Kampfjet abgeschossen hat, stimmte der Kreml dafür, den Import von Obst, Gemüse und Geflügel aus der Türkei ab 1. Januar 2016 zu verbieten.

Wenn's nach Putin geht, ist die Nahrungsmittelkette relativ simpel: Raus mit dem Essen aus Russland und rein damit in deinen Magen.

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