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Sex

Wie schlimm ist es, jemanden zu fingern, ohne sich vorher die Hände zu waschen?

Wenn es von der Gartenarbeit mal wieder ohne Umwege in die Unterhose geht.

von Patia Braithwaite
03 März 2017, 5:00am

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Das Szenario: Dein Freund oder deine Freundin kommt von einem langen Tag bei, was auch immer er oder sie treibt, nach Hause. Vielleicht hantiert er mit rohem Fleisch, schiebt Schicht im Kohlebergwerk oder macht irgendeinen Beruf mit Kindern. Egal. Jedenfalls sieht "dein Freund" oder "deine Freundin" seine/ihre Geliebte auf der Couch sitzen und glüht plötzlich vor feuriger Leidenschaft. Wie in dieser komischen Aufzugszene bei 50 Shades of Grey 2 beglückt diese Person ihre Geliebte aber nur mit den Händen. Blöderweise hat "dein Freund" blind vor Begierde total vergessen, wie dreckig seine Hände eigentlich sind. Vielleicht lebt "dein Freund" sogar in einer Großstadt und jetzt vermehren sich die U-Bahn-Bakterien dank seiner egoistischen Sorglosigkeit fröhlich in der Vagina der Frau. Toll gemacht, "Freund".

Das Problem: OK, wir wollen hier niemanden verurteilen, aber es ist wirklich kein Geheimnis, dass Hände abartig schmutzig sind. Forscher an der University of Colorado haben in einer Studie die Anzahl der Bakterien auf Menschenhänden untersucht. Nach Abstrichen der Handinnenflächen von 51 gesunden Freiwilligen fanden sie heraus, dass 4.752 Bakterien aus 150 unterschiedlichen Arten die Durchschnittshand bevölkern. Angesichts solcher Zahlen ist es kein Wunder, dass gründliches Händewaschen als wichtiges Mittel im Kampf gegen die Verbreitung von Krankheiten gilt. Und ja, es funktioniert wirklich.


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"Dein Freund" mit den Bazillenpranken ist allerdings nicht allein: Etwa jeder Zehnte wäscht sich nach dem Toilettengang gar nicht die Hände. Und noch viel mehr waschen sich ihre Hände falsch. 20 bis 30 Sekunden (das ist etwa zweimal Happy Birthday singen) werden für die Handhygiene empfohlen, woran sich aber anscheinend nur etwa jeder Dritte hält. Viele benutzen noch nichtmal Seife. In einem Artikel in Women's Health sagt Vanessa Cullins, Frauenärztin und Vizepräsidentin für externe medizinische Angelegenheiten bei Planned Parenthood: "Wenn man darüber nachdenkt, wie weit Fingern verbreitet ist, ist es eigentlich beachtlich, dass das nicht viel öfter zu Infektionen und anderen Problemen führt."

Das Schlimmste, was passieren kann: Es kommt wirklich drauf an, wo deine ... äh ... die Hände "deines Freundes" waren, bevor sie an und in der Partnerin herumtasten. Der Gynäkologe und medizinische Leiter des Manhattan Center for Gynecology und des Manhattan Center for Vaginal Surgery, Ronald D. Blatt, sagt, dass die üblichen Bakterien, mit denen wir es tagtäglich zu tun haben, kein großer Grund zur Sorge seien. Wenn man vorher mit Dreck oder Erde gearbeitet hat, könne es allerdings theoretisch zu einer Pilzinfektion kommen. Blatt ergänzt: "Wenn deine Fingernägel etwas länger sind, können sie die Schleimhaut der Vagina einreißen und durch diesen Riss könnte es zu einer Infektion kommen. [Deine Partnerin] könnte eine Staphylokokken-Infektion und theoretisch auch eine anaerobische Infektion bekommen." Letzteres heißt, dass sich die natürlich in der Vagina vorkommenden Bakterien durch eine Störung der Scheidenflora unkontrolliert vermehren.

Zu den Symptomen einer Staphylokokken-Infektion gehören Schüttelfrost, Fieber, Übelkeit, Übergeben und Magenkrämpfe. Unbehandelt kannst du davon auch sterben. Colleen Krajewski, Gynäkologin und Dozentin an der University of Pittsburgh, merkt vorsichtig an, dass es keine fundierte Antwort auf die Frage gäbe, was passiert, wenn "dein Freund" sich mit dreckigen Fingern über seine Herzdame hermacht. Allerdings warnt sie, dass "dein Freund" im Falle eines Dreiers seine Hände nicht zu freizügig zwischen den Partnerinnen wandern lassen solle. "Es besteht das theoretische Risiko einer Übertragung von Geschlechtskrankheiten. Wenn eine deiner Partnerinnen eine vaginale Infektion oder eine Krankheit wie Herpes, HPV oder irgendetwas in der Art hat, könnte das auf diese Weise übertragen werden."

Was wahrscheinlich passiert: Ziemlich sicher gar nichts. Zu unserem großen Glück reinigt sich die Vagina nämlich selbst. Zusätzlich zu den nützlichen Laktobazillen, die die Vagina sauer genug halten, um fremde Verunreinigungen abzuwehren, verfügt der Scheidenkanal über einen Haufen Blutgefäße und produziert ein Sekret, das vor schädlichen Mikroben schützt und diese rauswäscht, heißt es in der Fachzeitschrift Environmental Health Perspectives. Auch wenn Bazillen und Mikroorganismen den pH-Wert einer Vagina aus dem Gleichgewicht bringen können, ist das primäre Geschlechtsorgan der Frau bestens dafür ausgestattet, Fremdkörper ausfindig zu machen und zu zerstören.

Was du tun solltest: Auch wenn es definitiv ratsam ist, deine dreckigen Patschehändchen zu waschen, bevor du an irgendwelchen Körperöffnungen Hand anlegst, ist das Risiko einer Infektion relativ gering. Kurz gesagt: "Dein Freund" kann sich entspannen. Krajewski und Blatt sagen jedoch beide, dass Händewaschen mehr als angebracht ist, wenn du etwas außergewöhnlich Dreckiges getan hat – z.B. Gartenarbeit, am Auto rumschrauben oder den Boden und die Wände eines Krankenhauses streicheln. Falls deine Partnerin doch eine Infektion bekommt, sollte sie unbedingt zum Arzt. Bevor es dich aber vor Selbstvorwürfen zerfrisst: Deine Finger sind wahrscheinlich nicht der Übeltäter.

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