Mit dem Crossover-Giganten Hybrid Theory haben Linkin Park im Milleniumsjahr der Rockwelt eine Heldentat hinterlassen. Unkonventioneller Rap über stark verzerrte Nu-Metal-Gitarren, dazu die vor Selbstzweifel explodierende Stimme von Chester Bennington. Mit dem Nachfolger Meteora und Brechern wie “Faint” konnten sie ihre Schmetterlingsflügel-Soldaten-Flagge hochhalten. Schiff in Sicherheit gebracht. Jetzt standen die erfolgreichen Jungunternehmer aber vor einer ernsten Entscheidung: Weitermachen wie gehabt und Gefahr laufen, mit dem Nu Metal ins Grab zu wandern? Oder doch lieber den verlockenden Boden der Massentauglichkeit betreten?
Ihr wisst, was kommt: Linkin Park gingen auf Konfrontationskurs mit ihren harten Wurzeln. Durch die Hitsingle “What I’ve Done” von Minutes To Midnight wurden die Synthesizerflächen und Hooks stadionfähig. Songs wie “Bleed It Out” und “Given Up” blieben weit einfacher gestrickt: Mike Shinodas Rap zurückgefahren, die Instrumente im Mix nach unten geregelt und elektronische Strophen drängen zur leicht verständlichen Hook. Alles erstklassig konstruiert, aber spätestens die Ballade “Shadow Of The Day” eröffnete ein neues, beängstigend unbekanntes Universum von Linkin Park. Eins, in dem sich die top gestylten Jungs aus Los Angeles erschreckend wohlfühlen. Wie in “Waiting For The End” vom Album A Thousands Sun, wo nach diesem abgefahren mitreißendem Rap am Anfang Chester in einen schwanengleichen Schlagergesang abdriftet. Schließlich macht die Pop-Schnulze “Final Masquerade” von der letzten Platte The Hunting Party den Sack mit ambient-artiger Glattheit zu.
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