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Fünf Wege, wie auch du vom Jahrhunderthochwasser profitierst

Das Hochwasser ist scheiße, keine Frage. Aber ein paar schlaue Füchse profitieren gar nicht schlecht davon. Allen voran wir!
10 Juni 2013, 9:25am

Hochwasser ist scheiße—nicht nur für die Menschen, die unmittelbar davon betroffen sind. Auch für den Rest unserer bemitleidenswerten Gesellschaft. Denn wir müssen—dank der sensationsgeilen Massenmedien—mit ansehen, wie sich Hochwassergebiete in eine Mischung aus Laufsteg und Goldgrube verwandeln. Zugegeben, im Vergleich mit dem, was die Betroffenen durchmachen müssen, ist das in etwa so schlimm wie ein geruchloser Furz. Aber wir haben uns trotzdem erlaubt, die bescheuertsten Fälle von narzistischer Selbstinszenierung und machtgeiler Politikmache aufzuzeigen, und eine kleine Rangliste erstellt:

Platz 5

Die Öffentlich-Rechtlichen—Eurokrise? Drohnen-Debakel? NSU-Prozess? Ach, drauf geschissen! Ist längst vergessen. Das einzige, was momentan zählt, ist das bereits zweite Jahrhunderthochwasser in diesem noch jungen Jahrhundert. Eindrucksvoll unter Beweis stellen das nicht zuletzt die propagandistischen Subventionsmedien, die eine Sondersendung nach der anderen zeigen. Am vergangenen Sonntagabend haben 8,39 Millionen (am Sonntag zuvor 10,6 Millionen) den ARD-Hochwasser-Brennpunkt gekuckt. Zum Wochenausklang war das die höchste aller Einschaltquoten. Leute, was ist mit euch los? Auf ProSieben lief zur selben Zeit Transformers!

Auch die gebührenfreien Medien wollen einen Stück vom Kuchen abbekommen. Und fahren ganz große Geschütze auf. Die Welt informiert ihre Online-Leser darüber, wie wasserdicht Autos eigentlich sind. Die Kollegen von Focus-Online mutieren mit ihrem Hochwasser-Live-Ticker zu einer Seehofer-PR-Agentur: „Seehofer will Sofortgeld zahlen ...". „Seehofer besucht Flutopfer ..." Insgesamt lesen sich so ziemlich alle Meldungen wie Liebeserklärungen an die Politik. Seit ein gewisser niedersächsischer Ex-Minister- und Bundespräsident und die Mutter aller Zeitungen zusammen ins Bett gegangen sind, waren sich Medien und Politik nicht mehr so nahe. Ach wie schön ist doch der Wahlkampf. Da kommt so eine Naturkatastrophe wie gerufen, je katastrophaler, desto besser.

Platz 4

Gutgelaunte Politiker—oh my fucking God! Die christlich geprägten Parteien besinnen sich auf ihre Anfänge. Sie tun, was sie am besten können. Sie spielen Messias. Allen voran Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin läuft in Wanderschuhen übers Wasser. Deutschland sieht Bilder, die Merkel lächelnd beim Sandsäckeschmeißen zeigen. Was gibt es da eigentlich zu lächeln? Ich dachte immer, Sandsäcke seien schwer und Flutkatastrophen etwas Ernstes?! Aber lächeln geht trotzdem, wie gesagt, nicht nur die Fluten, auch die Bundestagswahlen stehen ins Haus. Schon 2002 konnte Gerhard Schröder die Wahl aufgrund von seiner kompromisslosen Hochwasserpolitik für sich entscheiden. Alles nur ein Zufall? Es gibt welche, die sehen das anders.

Platz 3

Dieser Artikel und alle anderen Berichte, die Leser und Klicks anziehen. Und unsere beliebten Photoshop-Artists, die endlich wieder was zu tun haben und dem ganzen eine kreative Dimension verleihen: Hochwasser der Gefühle

Platz 2

Paranoide Hochwasser-Verschwörungstheoretiker sonnen sich ebenfalls im Hochwasser-Limelight. Ja, richtig. Es gibt tatsächlich Menschen, die glauben, dass Flutkatastrophen üble Intrigen sind. An vorderster Front stehen da die Hobby-Verschwörer vom Readers-Edition-Blogprojekt. Oder sie tun wenigstens so. Sie behaupten, dass am 12. Januar 2011, während der Mitteldeutschen-Winterflut, „hunderte Häuser, Wege und Grünflächen" überflutet wurden, weil Männer „eine Gruppe von Hochleistungspumpen aufbauten um Leitungswasser in die Schwemmgebiete zu leiten." Der Youtube-Clip zeigt, wie Feuerwehrleute höchstwahrscheinlich Keller auspumpen. Also als Beweismaterial nicht so überzeugend ...

Auf wahrexakten.at diskutieren „Wildstorm" und Konsorten, dass die Regierung Flutkatastrophen mit Hilfe von Wetterkontrolle auslöst, um die Bundestagswahl zu beeinflussen. Ich habe versucht, mit ein paar von denen Kontakt aufzunehmen, aber niemand war für eine Stellungnahme zu erreichen. Dabei stimmt es, dass sich künstlicher Regen durchaus erzeugen lässt. Die Chinesen haben es ausprobiert. Sie feuern Chemikalien gen Himmel und erzeugen Niederschlag. Den brauchen sie auch. Denn ihnen machen regelmäßig Dürrekatastrophen zu schaffen.

Platz 1

Für alle die, die das Dschungelcamp und Georgina kennen. Die hat das Camp nämlich munter überstanden und ist wieder in Deutschland—und posiert im knappen Kleidchen auf Sandsäcken. Aber Moment! Wenn ich's mir recht überlege, dann ist das doch nicht das Schlimmste. Das Schlimmste ist, dass wir nichts Besseres zu tun haben und diesem publicity-geilen Stück auch noch eine Plattform bieten. (Na ja, siehe Platz 3.)

Da wäre auch noch Ariano Blanik, der ebenfalls von den Überschwemmungen profitiert. Frei nach dem Motto „Gib mir eine Chance und ich nutze sie", stellt sich der 16-jährige Sachse aufs Wakeboard und macht aus der Flut einfach eine Stuntshow. Diese kleine Einlage macht ihn jetzt zum Youtube-Hit.