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Mode

Stromausfall auf der Berlin Fashion Week!

Berlin hat für die Fashion Week extra den Strom abgestellt (oder eben die Rechnung mal wieder nicht bezahlt.)
5.7.12

Eine Modenschau, die nur mit Kerzenlicht beleuchtet wird, sieht man nicht jeden Tag—besonders, wenn es noch nicht mal Abend. Nein, dies war keine Gothic-Modenschau, die im Dämmerlicht vor sich hin siecht. Es war einfach ein weiterer Stromausfall in Kreuzberg. „Hallo zusammen!“, ruft Oliver Saunders, der Creative Director von SEEK Exhibitions. „Die schalten hier die Notlichter aus, also können wir nicht wirklich länger hier bleiben. Ich glaube, wir sollten am besten einfach gehen.“

Eine Frau mittleren Alters, eine Designerin mit hell blondierten Haaren, ruft „EVAKUIEREN!“, wobei sie meinen Arm greift und daran rüttelt wie früher meine Mutter. „Hören Sie auf, Fotos zu machen! Security! Bringen Sie diese Frau hier nach draußen!“

Ich stehe an der in Dunkelheit gehüllten Bar und trinke den stehengelassenen Mangosaft von irgendjemandem. Champagnerflaschen stehen in Kübeln mit dreckigem Wasser. Ich höre Designer fluchen, während sie versuchen, mit der Taschenlampenfunktion ihrer Smartphones ihre Taschen zu finden. Und das Gourmet-Kochteam fängt an, Plastikschüsseln mit Spaghetti in einen Van zu werfen, der in der Nähe parkt.

„Sie haben Bolognese gekocht—es hat wunderbar gerochen“, höre ich einen Besucher sagen. „Bis die Lichter vor anderthalb Stunden ausgegangen sind.“ Die Berliner Fashion Week ist auf Hochglanz poliert, keine Frage. Alles ist perfekt und sauber. Aber was geschieht, wenn die Designer gezwungen sind zu improvisieren? „Ein Wasserversorger hat den Strom in ganz Kreuzberg abgeschaltet“, klärt uns Oliver auf. Das gesamte Stromnetz ums Gleisdreieck und der U-Bahn bis Luckenwalder Straße ist tot und hinterlässt einen Haufen angereister Designer mit ihren offiziellen und inoffiziellen Modenschauen und Fachmessen, die missmutig am Straßenrand sitzen und rauchen. Hat irgendwer eine Vorwarnung wegen des Stromausfalls bekommen?

„Scheiße, nein!“, sagt Olivier. „Lass mich raten, wie du diesen Artikel nennst: ‚Die Modenschau ohne Elektrizität'?“ Vielleicht.

Als die Designer ihre Produkte mit Decken und amerikanischen Flaggen abdecken, beginnt die gut gekleidete Menge, sich in Richtung Ausgang zu bewegen und dieses dreistöckige Industriekühlhaus aus dem 18. Jahrhundert (welches seit 2010 renoviert worden ist und am 2. November nun die Wiedereröffnung feiert) zu verlassen.