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Ein Interview mit dem besten Modejournalisten der Welt

10.3.10

Tim Blanks ist mein Lieblingsmodejournalist. Ich kann die meisten 2.000 Wörter-langen Manifeste über die anthropologische Relevanz davon, dass Alexander McQueen die Gesichter seiner Models blau angemalt hat nicht lesen, aber seine schon. Er ist unglaublich belesen und es ist gut möglich, dass er in einem Text die Illuminati, Mediävistik, Dune und These New Puritans erwähnt neben Trends, Schnitten und Silhouetten oder dem neuen Schwarz. Ich liebe Tim.

Vice: Wie bist du dazu gekommen Fashion File auf CBC zu präsentieren?

Tim: Ich war Redakteur bei einem Modemagazin in Toronto als CBC einen 24-Stunden Nachrichtenkanal gründete und unbedingt neue Sendungen dafür brauchte. Ich habe ein Magazinformat vorgeschlagen, das so war, wie ich mir die Clothes Show vorgestellt habe. Als ich die Clothes Show dann irgendwann gesehen habe, war meine Vorstellung davon viel besser als die Realität.

Warst du vorher schon Journalist? Wie bist du rüber gewechselt?

Immer mal wieder, ich hatte schon lange für Musikmagazine geschrieben und freiberuflich überall in Toronto gearbeitet, bis man mir irgendwann eine feste Stelle angeboten hat und das war nun mal bei einem Modemagazin. Nach ein paar Jahren wurde ich Redakteur. Irgendwie war es ein Unfall.

Vertrauen die Redakteure dir immer und erlauben dir deine Richtung beizubehalten?

Ich reiche meine Sachen immer erst so lange nach der eigentlichen Deadline ein, dass den Redakteuren gar nichts anderes übrigbleibt, als meine Richtung zu übernehmen.

Du scheinst echt viel zu lesen, nutzt du die Zeit zwischen deinen Laufstegreportagen und den Saisonpräsentationen um dein Wissen zu erweitern?

Nein. Mein Zeitmanagement ist wirklich schlecht und die Zeit, die ich eigentlich zwischen Shows hätte, verbringe ich damit, mir darüber Gedanken zu machen, dass ich bei allem, was ich eigentlich machen müsste viel zu spät dran bin. Meine Stärke ist, dass ich mich bei sehr vielen Sachen ein ganz kleines bisschen auskenne.

Was ja für so eine oberflächliche Angelegenheit wie Mode perfekt ist.

Ich lese alles über alles. Und lade währenddessen Musik runter. Und blättere mit der anderen Hand durch Auktionskataloge. Ich bin immer von ein paar Sachen besessen—einer Band, einem Künstler—so, dass ich alles, was es darüber zu wissen gibt rausfinden will. In letzter zeit bin ich von The XX und dieser Nu-Goth Künstlerin Camille Rose aus L.A. besessen, aber ich hatte Jahrzehnte voller Obsessionen, deshalb gibt es ziemlich viele Informationen in meinem Kopf.

Detail aus „Orphaned Nihilistic Escape Ship", 2005, von Camille Rose Garcia.

Kannst du erklären warum Modejournalisten in allem was Gutes finden können?

Ich mache die verführerischen Informationen der sehr leicht hervor zu würgenden Presseerklärung dafür verantwortlich. Es ist meistens einfacher witzig oder einprägsam zu sein, wenn du gemein bist. Aber ich habe ein Problem damit, fünf Minuten damit zu verbringen, jemanden durch den Dreck zu ziehen, der (hoffentlich) sein Herz und seine Seele daran gesetzt hat, und wenigstens einen oder zwei Tage damit verbracht hat, etwas zu erschaffen, sogar wenn dieses etwas absolut grässlich ist. Ich strafe sowas lieber  durch Nichtbeachtung.

Was macht dir Spaß daran über Mode zu schreiben—die Leute zu informieren oder abzuhängen und das coole Leben zu leben?

Ich habe keine Zeit für den Lifestyle. Das Erste also.

Welche Modemagazine tun das meiste dafür die Mode zu ändern?

Die Englischen.

Wer sind die interessantesten Designer?

Diejenigen, die keine Angst vorm Scheitern haben.

Was sind die Schlüsselzutaten zu einer guten Kollektion?

Eine besondere Art der Intelligenz, Humor und ein starker Hang zum Morbiden.

Ich weiß, dass du viel über die Zukunft nachdenkst, was passiert gerade in der Welt, das einen starken Einfluss auf die Mode in der nahen Zukunft haben wird?

Ich glaube an die Apokalypse, du kannst dir also vielleicht vorstellen auf was das hier hinausläuft.

Text: DARYOUSH HAJ-NAJAFI

Foto: ISAACLIKESDIARY