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Musik

Kinder an die Macht mit Ariel Pink

5.7.10

Ariel Pink wirkt ein bisschen so, wie eine Hippie-Version von Ozzy Osbourne. Oder eine noch hippieskere Version von Neil Young. Auf jeden Fall klein, zerrupft, ein bisschen verwirrt, aber immerhin redet er deutlich. Wir haben uns mit ihm getroffen und uns über seine anstehende politische Karriere und über ein paar andere Sachen unterhalten, die euch möglicherweise ein bisschen verwirren. Aber keine Sorge, das ging uns auch so.

VICE: Letztens habe ich mich mit Baby Dee unterhalten und sie hat dich erwähnt.

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Ariel Pink: Baby Dee? Von der habe ich schon mal gehört.

Sie läuft ja auch unter diesem Freak-Folk Label, genau wie du. Wie siehst du das und was denkst du darüber?

Vor zehn Minuten war es ja noch so „Was denken sich diese verrückten haarigen Hippies aus Kalifornien nur dabei? Haut ab nach San Francisco, ihr Idioten!“ Es ist doch nur ein momentaner Begriff, ein Trend der auf dem Weg nach irgendwo an einem vorüberzieht

Auf dem Weg wohin?

Auf dem Weg zu etwas größerem, keine Ahnung. Sie werden Teil einer kulturellen Gruppe sein. Die Millenios. Du weißt doch, es gibt verschiedene Generationstypen. Ich bin Generation X, die nach mir sind die Millenios.

Du bist ‘78 geboren, oder?

Ja. Wir sind gerade an der Grenze. Wir gehören nicht ganz den Millenios an, und der Generation X gerade noch so.

Du kommst aus L.A. Beeinflusst das deine Musik?

Ich weiß nicht genau. Du musst das beurteilen. Aber ich denke schon, dass es einen Einfluss hat. Ich denke, dass jeder von seinen Erfahrungen beeinflusst wird, insbesondere in seiner Kunst. Sei es Frankreich oder LA, verschiedene Länder finden einen Weg in meine Songs. Frankreich ist oft in meinen Songs aus irgendeinem Grund, den ich nicht so richtig verstehe.

Viele Leute hassen ja L.A.

Wirklich?

Ja .

Warum? Weil sie sich selbst hassen. Sie hassen sich selbst.

Ok. Und du?

Oh ich liebe es! Und umso mehr die Leute es hassen, umso mehr liebe ich es. Die sind doch alle verrückt. L.A. ist echter als man glaubt. Wenn du nur die Fehler der Stadt sehen willst, siehst du die Fehler in dir. Die Leute finden immer wieder Ausreden dafür, warum sie nicht dort sind, weil sie wissen dass sie gerne dort wären. Die Leute kommen nach L.A., weil das der Ort ist, wie seltsam sich das auch anhören mag, an dem sie träumen können.

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Ich weiß, dass Du dich für Politik interessierst, ich finde das sehr cool, die meisten Musiker die ich interviewe gehen sofort auf Distanz und versuchen sich nicht direkt zu äußern.

Sie sind zu gebildet und höflich darüber offen zu reden. Ich kann es einfach nicht lassen mein Maul aufzureißen, egal bei was, da gehört eben auch Politik dazu, und Kosmologie und eine ganze Menge anderer Scheiß.

Was denn genau?

Was auch immer mich interessiert. Offensichtlich genieße ich Aufmerksamkeit. Umso mehr du mit mir redest, umso länger werde ich einfach erzählen—hauptsächlich Scheiße, eine ganze Menge Scheiße, den ganzen Tag lang. Aber ich habe tatsächlich das Verlangen mich an der Politik zu beteiligen.

Aha ?

Ja klar, nach dem Rock´n´Roll.

Was willst du erreichen?

Etwas zu verändern, oder eine Idee zu verwirklichen, kommunizieren. Ach, ich habe keine Ahnung. Einfach bekannt sein. Wenn es Arnold Schwarzenegger in meinem Staat schafft, dann warum nicht auch ich? Jeder sollte eine Chance haben. Nur vier Jahre lang Präsident sein, oder so. Ich würde das sofort machen, dann musst du noch nicht einmal ins Gefängnis, wenn du wirklich Scheiße gebaut hast.

Und was ist diese Kosmologiesache?

Es geht um das was du im Kopf hast, man versucht die Informationen zu ordnen. Ach, das ist ein Scheiß, ich rede wieder nur Scheiß.

Du hast mal gesagt, dass du dich an der Grenze zwischen Mann und Frau befindest.

Das habe ich mal gesagt. Es ist so, manchmal finde ich, dass ich ein sehr schönes Mädchen bin. Ich fühle mich nicht wie ein Mann, eher wie ein Junge.

Du meinst Erwachsenwerden?

Ich glaube es gibt zwei Punkte im Leben an denen sich etwas verändert und definiert wer du bist. Das war bei mir zum ersten Mal als junger Teenager, wenn man eigentlich noch ein Kind ist, aber sich schon erwachsen fühlt. Das nächste Mal habe ich so eine Veränderung gespürt als ich Anfang Zwanzig war. Ich war sehr unsicher, habe alles hinterfragt und war voller Angst, aber zu einem bestimmten Zeitpunkt wurde ich dann einfach ich. Und ich blieb so. Wenn diese Veränderung stattfindet, bist du zum ersten Mal ein ganzer Mensch und das erste Mal du selbst. Und bei dem Alter bleibt man dann. Egal ob du dann schon erwachsen bist oder nicht. Man bleibt wahrscheinlich immer ein Kind. Ich finde man sollte auch immer Kind bleiben.