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Sex

Dank des Bondage-Videos von Miley Cyrus auf dem Pornhub-Festival reden Amis wieder über Sex

Wir haben uns mit dem schwulen Punk-Star Simon Leahy über sein Porno-Festival, Miley Cyrus und Sex mit Models unterhalten.
11.2.15

Foto: bereitgestellt von Candency NY

UPDATE: Nach dem gewaltigen Medienecho bezüglich des Kurzfilms von Miley Cyrus bei Pornhubs „NYC Porn Festival" hat Candency NY, das Produktionsteam mit den Rechten an dem Film, entschieden, ihn bei der Veranstaltung doch nicht zu zeigen.

Seitdem AIDS damals in der New Yorker Schwulenszene wütete und der Times Square zu einer bloßen Touristenattraktion verkommen ist, hat sich New York von einer versauten Porno-Fabrik in einen familienfreundlichen Freizeitpark verwandelt. Aber diesen Monat werden Miley Cyrus und Pornhub die Stadt wieder schmutzig machen: Ein Bondage-Kurzfilm mit dem Popstar in der Hauptrolle soll bei Pornhubs „NYC Porn Festival" gezeigt werden. Tongue Tied wird als „Pop-S&M-Video" beschrieben und darin sieht man, wie Cyrus in einem Bondage-Outfit von der Decke hängt, während im Hintergrund die Musik läuft, die man sonst nur in Berlins berühmt-berüchtigten Clubs zu hören bekommt.

Der Film und seine Hauptdarstellerin scheinen auf den ersten Blick erstmal gar nicht zu einem Porno-Festival zu passen, aber die Veranstaltung hebt sich doch von den anderen einschlägigen Messen ab. Bei dem Festival—ein Wochenende voller tiefgründiger und trivialer Kunst—tritt unter anderem Cindy Gallop auf und James Francos Indie-Streifen Interior. Leather Bar. wird gezeigt. Des Weiteren werden dort aber auch Porno-Nischenkategorien wie ‚Yaoi' untersucht—ein „Genre der Erotikliteratur, auch bekannt als ‚Knabenliebe'. Darin erforschen verträumte Anime-Jungs—oft zum ersten Mal—ihre verruchte homoerotische Seite und intensive Liebesbeziehungen mit anderen verträumten Anime-Jungs."

Simon Leahy von der schwulen Punkband Bottoms hat mit dem Veranstalten von Porno-Vorführungen angefangen, als ihm auffiel, dass sich seine Bettgeschichten beim Sex oft wie Porno-Stars verhielten.

„Wilder Sex kann auch schon mal ganz schön sein, aber oft denke ich mir ‚Meine Güte, lass doch bitte mal den lustigen Porno-Akzent sein und hör auf, mir den Arsch zu versohlen!'", erzählte mir Leahy. „Das fand ich richtig interessant und ich hielt es für eine gute Idee, ein Porno-Festival zu veranstalten, bei dem alle zusammen Filme aus diesem Genre schauen."

Heutzutage masturbieren und ficken die Leute wie eh und je, aber damals in den 70ern diskutierten Schwulenrechtler viel mehr über Sex in einem politischen und soziologischen Rahmen—bis AIDS Sex wieder zu etwas Schlechtem machte. Für das Festival stellt sich Leahy ein entspanntes Umfeld vor, in dem getrunken und eingehend über Pornografie diskutiert werden kann, während man sich einen ganzen Haufen an Wichsmaterial anschaut. In Vorfreude auf das Masturbationsspektakel habe ich mich mit Leahy auf einen Kaffee getroffen, mit ihm über Mileys Bondage-Film geredet und gefragt, wie er überhaupt dazu kam, zusammen mit Pornhub ein künstlerisches Porno-Festival zu veranstalten.

VICE: Wie genau wird das Festival ablaufen?
Simon Leahy: Es wird verschiedene Vorführungen geben. Dabei sind die unterschiedlichsten Kategorien vertreten, von Double Anal bis hin zu abgedrehten Horror-Pornos. Im Grunde richten wir die Galerie einfach wie ein Kino ein. Eine pseudokünstlerische Ernsthaftigkeit à la „Du musst jetzt 20 Minuten dabei zusehen, wie jemand ordentlich durchgenommen wird" gibt es bei uns nicht. Das Ganze soll eher wie eine Art gesellschaftlich-reflektierendes Kino ablaufen.

Werden homo- und heterosexuelle Pornos gezeigt?
Da ich selbst offensichtlich schwul bin, könnte man wohl annehmen, dass der Fokus auf Schwulen-Pornos liegt. Falsch gedacht. Es wird zwar schon Queer-Pornographie gezeigt, aber wir haben auch noch einen Kurzfilm mit Miley Cyrus, einen Indie-Film von James Franco, Material von großartigen Filmemachern aus Berlin, experimentelles Zeug und einen Beitrag von Richard Kern vom Cinema of Transgression in petto.

Wie kam es zu der—für ein künstlerisches Porno-Festival außergewöhnlichen—Zusammenarbeit mit Pornhub?
Wir haben einfach E-Mails rausgeschickt, in denen in etwa „Hilfe! Wir brauchen Geld!" stand. So war es uns möglich, das Ganze so groß aufzuziehen.

Ein Ausschnitt aus My Girls (Foto: bereitgestellt von Simon Leahy)

Wird Miley auch anwesend sein?
Hoffentlich. James Franco ist vielleicht auch am Start, wenn sich sein Terminplan noch ändert. Miley steht total auf Bushwick, wo ja auch das Festival stattfindet. Letztens habe ich sie dort bei einer Lady Fag-Party oben ohne rumlaufen sehen.

Warum vermischt du Hochkultur mit Alltagskultur?
Ich persönlich hätte gerne nur Alltagskultur gehabt, aber die Beiträge sind doch sehr tiefgründig. Anfangs waren wir ja noch ein Festival, bei dem jeder etwas einsenden konnte. Erst später haben wir dann bestimmte Kuratoren eingeladen. Das eigentliche Spektakel soll im Vordergrund stehen—etwas mehr „normale" Pornographie wäre schon gut gewesen, aber die Produktionsfirmen waren nicht wirklich an einer Zusammenarbeit interessiert.

Pornos scheinen offensichtlich dein Steckenpferd zu sein. Hast du jemals mit einem Porno-Star geschlafen?
Ich habe mal ein Model gefickt und der hat sich dann Hals über Kopf in mich verliebt. Als er mir von seinem Model-Beruf erzählte, habe ich ihm erstmal nicht geglaubt. Auf dem Nachhauseweg stach mir dann aber ein riesiges Werbeplakat ins Auge, auf dem er zu sehen war.

Männliche Models, Porno-Stars und Popsänger sind anscheinend ziemlich gleich.
Das Porno-Festival nimmt langsam richtig an Fahrt auf und mehr Leute flirten mit mir. Voll gut.

Bist du nicht verheiratet? Oder führt ihr eine offene Ehe?
Nein, wir leben monogam.

Du stehst also nur auf's Flirten.
Na klar.

Ja, das macht wohl jeder.
Selbst hässliche Leute haben Sex. Bestes Beispiel: Ron Jeremy.

Ein Ausschnitt aus James Francos Film Interior. Leather Bar. (Foto: bereitgestellt von Simon Leahy)

Ist Masturbation beim Festival erlaubt?
Na ja, die Besucher sollen jetzt nicht wirklich zum Höhepunkt kommen, aber einvernehmliche Sachen sind vollkommen in Ordnung. Das Ganze ist eher eine Art gesellschaftliche Veranstaltung—nichts, wo man hingeht und sich dann einen runterholt. Am Freitagabend ist Kleidung allerdings keine Pflicht. Irgendwie ist das auch eine Art Experiment, bei dem herausgefunden werden soll, wie New York mit so etwas umgeht. Ich habe nämlich das Gefühl, dass New York keine wirklich versaute Seite mehr hat.

Also geht es darum, diese Seite mit Hilfe von Miley Cyrus wieder zum Vorschein zu bringen?
Nicht zwangsläufig. Meiner Meinung nach sind solche Diskussionen und solche Orte, wo man experimentieren und sich auslassen kann, für eine funktionierende Gesellschaft extrem wichtig.

Glaubst du, dass es weniger Probleme gäbe, wenn unsere Gesellschaft noch etwas versauter wäre?
Ja, denn so würde man mehr über Sex und Sexualität nachdenken. Ich kenne echt viele Leute, die sexuell missbraucht wurden. Jeder hat richtig kaputte Vorstellungen von Sex.

Was ist für dich „gesunder Sex"?
Für mich ist das wohl Sex mit Kondom—aber über genau so etwas würde man diskutieren.

Ich glaube nicht, dass Kondome automatisch zu einem gesundem Sexleben führen, denn ich benutze sie und mein Sexleben ist ziemlich abgefuckt.
Ich finde es vor allem für Schwule interessant, dass das Festival jetzt stattfindet, denn PrEP-Maßnahmen wurden eingeführt und der Umgang mit Sex verändert sich. Vor der AIDS-Welle waren Schwule durch ihr Sexleben, ihre Versammlungsorte und ihre liberale Einstellung richtig politisch. Dann kam jedoch die Krankheit und alles musste irgendwie normalisiert werden und in den Untergrund zurück gehen.