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Die Frau, deren Erinnerung am 15.10.2014 hängengeblieben ist, soll ‚erwerbsfähig‘ sein

Nikki P. erinnert sich an nichts, was im letzten Jahr geschehen ist, soll aber erwerbsfähig sein, weil sie ohne Hilfe 200 Meter gehen und ohne Aufforderung sprechen kann.

von Arielle Pardes
11 September 2015, 11:09am

Screenshot via ITV

Am 15. Oktober 2014 ging Nikki P., eine Frau in der englischen Grafschaft Northamptonshire, zu einem Arzttermin. Danach fiel sie in Ohnmacht, wobei sie mit dem Kopf auf dem Boden aufschlug und sich eine Kopfverletzung zuzog.

Seitdem wacht sie jeden Tag auf und denkt, es sei der 15. Oktober 2014. Diese sogenannte Anterograde Amnesie stört die Fähigkeit des Gehirns, neue Erinnerungen abzuspeichern. Ihr Partner Chris Johnston gibt ihr jeden Morgen ein Tagebuch zu lesen—wie in einer echten Version des Films 50 erste Dates—um sie das letzte Jahr ihres Lebens nachholen zu lassen. „Sie lebt von Tag zu Tag—sie weiß nicht, was sie gestern gemacht hat, oder letzte Woche, letzten Monat", sagte Johnston der BBC.

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Doch obwohl P. Gehirn am Tag ihres Sturzes feststeckt wurde sie vom britischen Arbeits- und Rentenamt als „erwerbsfähig" eingestuft. Diese Entscheidung bedeutet, dass P. nicht länger die ca. 530 Euro Erwerbsunfähigkeitsentschädigung zustehen, die sie zuvor erhielt, und dass sie sich einen Job suchen müssen wird, um über die Runden zu kommen.

„Sie wird nicht wissen, wo sie arbeitet oder was sie tut. Man müsste sie jeden Tag neu einweisen", sagte Johnston.

Dieses Jahr hat die British Psychological Society zu einer Reform der Erwerbsfähigkeitseinschätzung des britischen Arbeitsamts aufgerufen. (P. wurde als erwerbsfähig eingestuft, weil sie ohne Hilfe 200 Meter gehen und ohne Aufforderung sprechen konnte.) In einer Pressemitteilung bezog sich die British Psychological Society auf „umfangreiche Beweise, denen zufolge die Erwerbsfähigkeitseinschätzung weder akkurat noch angemessen die Erwerbsfähigkeit einschätzt. Menschen, die ernsthafte physische und psychische Krankheiten haben, werden als erwerbsfähig eingestuft, während Menschen mit akuten, vorübergehenden Problemen als unfähig eingeschätzt und genauso behandelt werden wie solche mit einer langfristigen Krankheitsprognose."

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P. kann bei dem Amt Widerspruch einlegen. Es ist möglich, sich teilweise von Anterograder Amnesie zu erholen, doch P. hat zu ihrer eigenen Genesung keine Prognose erhalten.