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Die AfD meckert an der ARD herum und wird auf Twitter deshalb gnadenlos verarscht

630 leicht zu googelnde Fragen möchte die rechtspopulistische Partei vom sächsischen Landtag erklärt haben. Und das Internet reagiert mit viel Humor.

von Christine Kewitz
24 November 2016, 2:53pm

Screenshot: Rundfunkbeitrag Abschalten, eine Kampagne der AfD

Außergewöhnliche Ideen verlangen außergewöhnliche Aktionen. Das hat sich wohl die AfD gedacht, als sie dem sächsischen Landtag einfach mal 630 Fragen zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk zukommen ließ. In ihrem Grundsatzprogramm hatte die Partei bereits die Abschaffung des Rundfunkbeitrags gefordert und will nun scheinbar langsam ernst machen. Doch jenseits einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Verwaltung des Freistaates Sachsen hat die AfD mit ihrer Großen Anfrage in erster Linie gezeigt, wie man professionell quengelt.

Die rechtspopulistische Partei stellte in ihrem 38-seitigen Fragenkatalog zwar auch die ein oder andere mehr oder weniger interessante Frage, profilierte sich in erster Linie aber durch Masse.

Hier zwei der drängendsten Fragen der AfD, die sie unbedingt in einer offiziellen Anfrage im Landtag klären wollte:

Frage 146. Welche Rolle spielen Bluescreen/ Greenscreen?

Frage 147. Warum und wann erfolgen Moderationen vor bzw. hinter dem Tisch?

Wie das Onlineportal für Medienkritik übermedien detailliert zeigt, ist eine Debatte über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk durchaus angebracht. Die AfD stößt mit ihrem Fragenkatalog keine Debatte an, sie hat auch keine vernünftigen Argumente. Stattdessen fragt sie lediglich Basiswissen ab, welches sie entweder a) im weiteren Verlauf der Fragestunde selbst beantwortet, das b) sowieso allgemein bekannt ist oder sich c) durch eine Googlesuche mit minimalem Aufwand schnell beantworten ließe.

"Wer 630 Fragen stellt, noch dazu solche, will nicht debattieren, sondern den Staatsapparat mit Querulantentum ärgern", so übermedien.

Und auch wenn diese parteiliche Fleißarbeit in der politischen Unbedeutsamkeit anzusiedeln ist, freut sich Twitter umso mehr. Dort etablierte sich umgehend der Hashtag #AfDFragen, unter dem der lässig-uninformierte Stil der Partei elegant aufgegriffen und die Lückenhaftigkeit des Dokuments gegen die Lügenpresse empfindlich bloßgestellt wird. Denn auch wenn die AfD sich enorme Mühe gegeben hat, sich in ihrer Auflistung keinen noch so unwichtigen Diskurs durch die Lappen gehen zu lassen, entlarven die Twitter-Nutzer jegliche Unzulänglichkeit.

Hier ein kleiner Auszug aus den fehlenden Punkten der Großen Anfrage. Es bleibt zu hoffen, dass die AfD diese schwerwiegenden Passagen in einer zweiten Anfrage an den sächsischen Landtag nachreichen wird.

Und die AfD freut sich. So kann ein politischer Erfolg auch darin bestehen, bei Twitter verarscht zu werden. Hauptsache Aufmerksamkeit.

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