Ein Nachmittag mit den Giganten

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Ein Nachmittag mit den Giganten

„Herst, stell dich nicht so an, du Orschloch. Tua doch ned so, als obst Schmerzen host. Geh, scheiß di ned on.“
18.7.12

35 Grad, Sonntag, der Böhmische Prater, Langosgeruch liegt in der Luft. Im Hintergrund spielt es Coutryhits, die Tische und Ränge sind prall gefüllt. Es ist 14 Uhr und das Bier fließt in Strömen – das Summer Giant Finale Österreich hat begonnen.

Das Publikum ist eine Mischung aus spärlich bekleideten meist ein bisschen korpulenteren Frauen (irgendwie müssen sie ja mit ihren Männer mithalten- denke ich mir), den jungen Giants, die begeistert den Großen zuschauen und jede Bewegung kommentieren ("I hät des net gemacht.", "Oida, was das pockt der nie.", "Schau wie der in die Knie geht, des muss ich a machen.") und Menschen mit Regenschirmen als Sonnenschutz.  Allgemein scheint es üblich zu sein, sein wohlgenährtes Bäuchlein aus dem Hemd zu hängen und dieses ab und an liebevoll zu streicheln. Mittlerweile hat das das Reifenstürzen begonnen und ich wünsche mir ganz im Stillen irgendwann mal ein Auto mit solchen Rädern zu fahren. Vor mir steht ein Mann, der wie ein Giant Oldie aussieht. Unter dem Wapperl, das er selbstbewusst zu schau trägt, lassen sich zurückgebildete Muskeln erkennen, mit denen er früher wahrscheinlich sein Mädchen nach gewonnenem Autoziehen hochgehoben hat. Heute steht er am Rand und schaut zu. „Herst, stell dich nicht so an, du Orschloch. Tua doch ned so, als obst Schmerzen host. Geh scheiß di ned on.", kommentiert er die Szene. Ein Giant hat sich – wie der Moderator in weißem völlig durchgeschwitztem Hemd verlautbart- bei einem früheren Bewerb das Knie verletzt und humpelt gerade theatralisch aus dem Ring.

Während dem letzten Bewerb schwappen die Emotionen über. Ich fiebere mit, schreie, feuere an - man hält die Anspannung nicht aus. Der Kraftsportler mit dem kaputten Knie ist dran und fällt nach getanem 180 Kilo Kugel heben auf den Boden. Sein Trainer, ein braun gebrannter Typ mit Glatze und Gold’s Gym T-shirt, läuft auf ihn zu, reißt ihm den Hebe Gurt vom Körper und trägt ihn mit Hilfe von 4 andern Riesen aus der Arena, während die geschätzte 1,50 cm große Freundin mit besorgtem Gesicht neben ihnen herdackelt.

Viele Männer scheitern an den schweren Kugeln. Angetrieben von den Schreien der Trainer und des kochenden Publikums müssen sie – gerade noch die Fäuste ballende, vor Selbstbewusstsein strotzend und sich von den Fans bejubeln lassend- aufgeben und verlassen mit gesenktem Kopf und unter mäßigem Mitleidsapplaus das Austragungsfeld.

Dann die Siegerehrung. Der verletze Giant von vorher hat trotz des kaputten Knies gewonnen und humpelt in in die Arena um den Plastikpokal entgegen zu nehmen. Gewonnen hat er 3 Steigen Bier. Aber wie bei so vielem im Leben geht es ja nicht um den Gewinn, sondern um den Wettkampf an und für sich.