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Popkultur

,Santa Claus Conquers the Martians‘ ist der beste Weihnachtsfilm aller Zeiten

Wenn ihr diesen psychedelischen Technicolor-Tripfilm nicht kennt, habt ihr eigentlich noch kein richtiges Weihnachten erlebt.
18.12.14

Blu-Ray Cover von ​Santa Claus Conquers the Martians

Wenn es um Weihnachten geht, denkt jeder von uns sofort eine ganze Reihe von Filmen, die wir mit der Magie der Festtage verbinden. Viele davon haben wir inzwischen ins Herz geschlossen, auch wenn der einzige Grund dafür ist, dass sie jedes Jahr am 24. und 25. Dezember im Fernsehen laufen und wir wie Pawlow'sche Hunde darauf konditioniert wurden, schon bei den ersten Takten des Vorspanns an den Geruch von gerösteten Mandeln, alkoholisierten Großeltern und Shopping-Center-Angstschweiß zu denken.

Für mich sind das zum Beispiel das liebreizende Ostblock-Märchen mit der sozialistischen Farbgebung, Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, der Mädchenfilm mit dem Porno-Weichzeichner, Prinzessin Fantaghirò, und das ​inoffizielle Prequel zur Gore-Porn-Filmreihe Saw, Kevin—Allein zu Haus.

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Immer wenn einer dieser drei läuft, erinnere ich mich an die Weihnachtsfeste, bei denen wir Kinder beim großen Familientreffen ins Fernsehzimmer gesteckt wurden, wo wir im Sonntagsgewand auf der Hundedecke saßen, gebackenen Karpfen aßen und so lange fernschauten, bis das Internet erfunden wurde.

Im Wesentlichen ist es vermutich bei den meisten von euch dasselbe. Sicher, manche hatten schon immer Internet und andere denken vielleicht eher an Das letzte Einhorn, Gremlins oder den Chevy-Chase-Film Schöne Bescherung, aber in gewisser Weise sind wir früher alle auf Hundedecken gesessen und haben uns Filme ins Gedächtnis geätzt, die wir 50 Jahre später noch aus genau diesem Grund für den besten Weihnachtsfilm aller Zeiten halten.

Warum ich das alles erzähle? Weil ich euer diesjähriger Grinch bin, der gekommen ist, um euch zu sagen, dass ihr alle miteinander falsch liegt. Der beste Weihnachtsfilm aller Zeiten ist nämlich eindeutig Santa Claus Conquers the Martians von 1964.

Der Film hat zwar nur ​2,5 Sterne auf IMDb und schafft es regelmäßig unter die 100 schlechtesten Filmen der Plattform (obwohl er kurz vor Weihnachten jedes Mal gute 700 Plätze in der Wertung nach oben klettert)—aber das liegt nur daran, dass auf IMDb auch Leute abstimmen dürfen, die noch nie ​LSD am Christkindlmarkt genommen oder ​Mystery Science Theater 3000 geschaut haben.

Bei solchen Weihnachtsmuffeln sind auch so große Sätze wie „Are you a television set?" und „Misses Santa Claus has positively identified the kidnappers as Martians." einfach nur Perlen vor die Säue. Wenn ihr solche sprachlichen Sternspritzer zu schätzen wisst und für klassische Roboter mit Antennen, Technicolor-Landschaften wie aus Star Trek und ein Production Design wie bei Ed Wood-Filmen empfänglich seid, solltet ihr euch dieses Weihnachten gleich ein paar Mal Santa Claus Conquers the Martians anschauen. Hier in seiner Vollversion.

​Ich habe damit vor vier oder fünf Jahren begonnen—im einzigen Zustand, in dem man solche Filme schauen sollte: restbetrunken—und brauche seither meinen jährlichen Schuss. Was genau daran mich so fasziniert, hab ich immer noch nicht rausgefunden. Vielleicht ist es die Mischung aus Low-key und Sci-fi, aus Lagerfeuer-Beleuchtung und Vorstadt-Filmset; vielleicht ist es das grandiose Casting, das uns einen amerikanischen Louis de Funès-Abklatsch und einen Fake-Wernher von Braun vor die Augen setzt; aber vielleicht ist es auch einfach nur der Acid-Vibe und die völlig kaputte Handlung, in der Marsianer den Weihnachtsmann entführen, weil er für ihre emotional erkalteten Kinder Spielzeug herstellen soll.

Der Film ist übrigens unter Creative Commons-Lizenz freigegeben und damit völlig legal ohne Bezahlung download- oder streambar—ihr müsst also fürs Anschauen nicht mal auf Santas Naughty-List.

​Schickt Markus eure Lieblingsweihnachtsfilme und Fotos von gebackenem Karpfen auf Twitter: @wurstzombie