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Die wahren MILFS der Pornobranche

Wir haben mit zwei Frauen gesprochen, die Pornodarstellerinnen sind, aber auch schon Kinder haben. Dabei ging es um die Balance zwischen Beruf und Familie, die Beweggründe für ihre Berufswahl und das Dasein als „coole Mom".

von Marissa Miller
07 Januar 2015, 4:15pm
Alana Evans. Foto: Michael Dorausch

Bei den ganzen einstudierten Blowjobs und der kitschigen Musik vergisst man oft, dass Pornostars nach Drehschluss zu ihren Familien nach Hause gehen. Frauen machen einen Großteil der Pornoindustrie aus, also ist es auch nicht verwunderlich, dass viele dieser Frauen versuchen, eine Balance zwischen ihrem Beruf und dem Großziehen ihrer Kinder zu finden.

„Die Kategorie ‚MILF' ist zwar richtig beliebt, aber trotzdem träumst du jetzt nicht davon, wie deine Lieblingsdarstellerin Windeln wechselt oder die Pausenbrote ihrer Kinder schmiert", erzählte mir ein Mitarbeiter der Marketing-Abteilung von PornHub. „Wenn die Frauen ihr Familien- und Privatleben öffentlich machen, dann hat das nur wenige Vorteile. Allerdings scheinen sich die Dinge seit ein paar Jahren zu ändern, da Pornostars wie Lisa Ann im Mainstream angekommen sind."

Für viele in der Pornoindustrie arbeitenden Mütter kann das Auspacken über ihre Privatleben aber auch Vorteile haben. Die Darstellerin Marie Williams hat mir zum Beispiel erzählt, dass die Freunde ihres ältesten Sohnes vorbeikommen wollten, nachdem sie herausgefunden hatten, dass sie eine professionelle MILF ist.

Diese Rolle scheint sich zwar ziemlich gut anzufühlen, aber sie hat auch ernsthafte Folgen für die Kinder der Darstellerinnen. „Wir haben herausgefunden, dass Kinder, die in einem sehr liberalen Umfeld aufwachsen, ein sehr gespanntes Verhältnis zu Sex aufbauen", erklärte mir Dr. Laurie Betito, eine Psychologin, Sextherapeutin und Radiomoderatorin. „Durch die Reaktionen von Gleichaltrigen könnte das Ganze auch ihre Freundschaften beeinflussen. Die Konsequenzen können überall zu spüren sein, das kommt ganz auf die Verfassung des Kindes an. Hier werden Wertvorstellungen weitergegeben. Wie sollen sie jemals eine Vorstellung davon bekommen, was eine glückliche Beziehung oder gar eine gesunde Ehe ausmacht?"

Um mehr über die echten Mütter in Pornos zu erfahren, habe ich mit drei professionellen MILFs gesprochen. Dabei ging es um den Einfluss ihrer Karriere auf das Familienleben, die Geschenke für ihre Kinder und die Vor- und Nachteile des Daseins als „coole Mom".

Foto: bereitgestellt von Nina Elle

NINA ELLE

Nina Elle beschreibt sich selbst als „hübsche Blondine mit großen Brüsten", aber sie hat nicht immer ihr Aussehen dazu eingesetzt, ihre Familie zu ernähren. Zuerst war sie als Dentalhygienikerin angestellt, aber als sie dann erfuhr, wie viel Geld man als Pornostar verdient, konnte sie diese lukrative Möglichkeit nicht ungenutzt lassen. Durch ihre Pornokarriere ist es ihr möglich, die Ballett- und Gesangstunden ihrer 5-jährigen Tochter zu bezahlen und ihrem 11-jährigen Sohn teure Sneaker zu kaufen.

Am Anfang hielt sie sich in Bezug auf ihre Familie noch bedeckt, um ihre Kinder vor abfälligen Blicken zu schützen. Letztendlich entschied sie sich jedoch dazu, kein Geheimnis mehr daraus zu machen, denn sie wollte einige falsche Vorstellungen über das Dasein als Mutter in der Pornoindustrie ins rechte Licht rücken.

„Du kannst eine bessere Mutter sein, weil du viel offener bist", erzählte sie. „Nichts kann mich so einfach erschüttern. Ich habe schon so viel gesehen und gemacht. Wenn meine Kinder dann eines Tages selbst damit anfangen, bin ich da viel gelassener."

Ihren Sprösslingen hat Elle jedoch noch nichts von ihrem Beruf erzählt. Ihr Sohn fängt inzwischen so langsam an, soziale Netzwerke zu nutzen. Nun fürchtet Elle, dass er auf ihren Account stoßen könnte, wenn sie mit ihren Fans schreibt: „Ich habe ihn geblockt und ihm gesagt, dass er sich erst mit 16 oder 17 ein Profil erstellen darf." Daraufhin antworte er: „Mein Gott, Mama. Du bist echt komisch."

Elle sieht den Tag schon kommen, an dem ihre Kinder alles über ihre Karriere herausfinden werden. Wie wird das Ganze dann ablaufen? Sollen sie zuerst lieber eine Blowjob- als eine Gangbang-Szene zu sehen bekommen? Wenn es nach Elle geht, dann ja.

Foto: bereitgestellt von Alana Evans

ALANA EVANS

Alana Evans ist bereits seit 15 Jahren als Pornodarstellerin tätig. Abseits des Sets backt sie jedoch lieber Kekse oder spielt Videospiele mit ihren Kindern. Ihrer Auffassung nach verkörpert ihre Familie vernünftige Werte und Ideale—laut Evans haben genau diese Werte und Ideale ihren 21-jährigen Sohn dazu bewegt, den US-Marines beizutreten.

„Ich finde, dass meine Erziehung ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist", erzählte sie. „Wir achten genau darauf, welche Filme und Pornohefte bei uns herumliegen. Wegen des schlechten Rufs versuchen wir, vorbildliche Eltern zu sein."

Sie war sich diesem schlechten Ruf von Anfang an bewusst. Ihr Ex-Mann ist Polizist und als die Tochter seines Vorgesetzten im Playboy zu sehen war, dekorierten er und seine Kollegen als Scherz dessen Büro mit ausgedruckten Bildern seiner nackten Tochter.

„Er nahm es mit Humor", erinnerte sich Evans. „Aber ich weiß noch, wie ich selbst dachte, dass so etwas auch mir bevorstehen könnte und man auch meine Familie mit meiner Pornokarriere konfrontieren möchte."

In gewisser Weise hatte sie damit Recht: Als ihr Sohn 12 Jahre alt war, fingen die Leute an, Evans im Supermarkt zu erkennen. Sie musste ihm deshalb erzählen, womit sie ihr Geld verdient.

„Ich hatte keine andere Wahl, als ihm zu erklären, warum man mich kennt. Das war eine sehr wichtige Sache", sagte sie. „Mein Vater war Soldat und stand total auf Hippies. Meine Mutter hatte viele männliche Verehrer. Sexualität war bei mir also nie wirklich ein Tabuthema. Ich bin mir sicher, dass das bei meinem Sohn ähnlich ist."

Update: In einer vorherigen Version dieses Artikels gab es noch einen Teil über eine dritte Darstellerin und ihre Familie. Sie hat ihre Zitate zurückgezogen und wir haben uns entschieden, auf diesen Teil zu verzichten.

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