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Die „Nur die Stärksten überleben“-Ausgabe

Werden Christen in Schweden diskriminiert?

In Schweden fühlen sich radikale Abtreibungsgegner unterdrückt, weil Krankenhausmitarbeiter keine Möglichkeit haben, aus Gewissensgründen Abtreibungen nicht durchzuführen.

von Caisa Ederyd
01 November 2013, 6:21am


 

Illustration von Michael Shaeffer

In diesem Frühjahr wurde Schweden, sonst Paradebeispiel für Freiheit, Gleichberechtigung und Demokratie, vor dem Europäischen Ausschuss für soziale Rechte beschuldigt, die Menschenrechte von Ärzten und Krankenschwestern, die gegen Abtreibung sind, zu verletzen. Drei christliche Organisationen (Pro Vita, KLM und FAFCE) reichten offiziell Klage gegen die Regierung ein. Denn diese gestehe es Krankenhausmitarbeitern nicht zu, sich ihrem Recht auf Gewissensfreiheit gemäß zu weigern, Abtreibungen durchzuführen.

Den Gruppen, die die Klage eingereicht haben, schien es zunächst um die Rechte des medizinischen Personals zu gehen. Allerdings schrieb Ulrika Karlsson (eine Politikerin der Mitte-rechts-Partei der Moderaten) im letzten August in einem Blogbeitrag, dass es sich eigentlich um eine größere Kampagne gegen das Recht auf Abtreibung handele. Diese Sichtweise schien sich zu bestätigen, als Ruth Nordström, Anwältin von Pro Vita, darauf mit diesem Post antwortete: „Schweden braucht strengere Gesetze zum Schutz ungeborener Kinder.“

Ulrika erzählte mir, dass die Position der Abtreibungsgegner so unbeliebt wie absurd sei. „Es geht nicht um ‚ungeborene Kinder‘, es geht um Föten. Die meisten Abtreibungen in Schweden werden vor der neunten Woche durchgeführt. Wenn du in der neunten Schwangerschaftswoche bist, ist es noch kein Kind. Es ist ein Fötus!“

Christliche Standpunkte würden in Schweden oft pauschal abgewiegelt, so Bitte Assarmo, linksgerichtete Christin und ehemalige Chefredakteurin des Pro-Life-Magazins Liv & Rätt. Sie erzählte mir, dass Leute, die sich für das Recht auf Gewissensfreiheit einsetzen, häufig als böse Menschen porträtiert würden, die anderen nicht das Recht auf ihren eigenen Körper zugestehen. Angesichts der Tatsache, dass christliche Pro-Life-Anhänger in Schweden nur eine kleine Minderheit darstellen, fügte Assarmo hinzu, sollte es kein Problem sein, Ärzte für eine Abtreibung zu finden. Warum also die Abtreibungsgegner zu etwas zwingen, was in ihren Augen eine schreckliche Sünde darstellt? „In Schweden steht das Gesetz über Religion und Glauben“, erzählte mir Ulrika. „Wenn du damit ein Problem hast, „solltest du dir wohl einen anderen Job suchen“.

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